Mit seinem neuen Film „Citizen Animal“ greift der Überlinger Filmemacher Oliver Kyr beherzt ein Thema auf, das immer mehr Menschen bewegt: Unser Umgang mit Tieren – und dies nicht nur angesichts der Problematik Massentierhaltung. Das Thema hat bei der Filmpremiere am Samstagabend im Cinegreth Überlingen zahlreiche Interessenten angelockt. Der Film erschreckt nicht mit auf engstem Raum zusammengepferchten Schweinen, keine grausamen Schlachtungen, kein Blick auf die industrielle Verarbeitung von Fleisch. Oliver Kyr ist ein berührender Film gelungen, der das Tier als Mitgeschöpf zeigt, das den Menschen viel ähnlicher ist, als es viele wahrhaben wollen.

Kyr versteht sich als „Storynomade“, ist mit seiner Frau Tatjana, seiner fünfjährigen Tochter Bonnie und zwei Hunden permanent mit einem Wohnmobil in der ganzen Welt unterwegs, immer auf der Suche nach Motiven für seine Filme. Dafür hat er vor Jahren eine vielversprechende Karriere in der Werbebranche hinter sich gelassen. Er will laut eigener Darstellung daran mitwirken, die Welt ein Stück besser zu machen – rücksichtsvoller, liebevoller, menschlicher, was auch die Tier- und Pflanzenwelt miteinschließt. Derzeit tourt er durch Costa Rica auf der Suche nach Szenen für seinen Film „Root Republic“, in dem er den Raubbau an Flora und Fauna dokumentieren möchte.

Die fünfjährige Bonnie, Tochter des aus Überlingen stammenden Regisseurs Oliver Kyr, spielt ihre eigene Rolle im Film "Citizen Animal". Bild: Tatjana Kühr
Die fünfjährige Bonnie, Tochter des aus Überlingen stammenden Regisseurs Oliver Kyr, spielt ihre eigene Rolle im Film "Citizen Animal". Bild: Tatjana Kühr | Bild: Tatjana Kühr

In seinen Filmen lässt Oliver Kyr zahlreiche Experten aus aller Welt zur Wort kommen, stellt Initiativen vor, die ganz praktisch anpacken, Missstände aufdecken und versuchen, Abhilfe zu schaffen. Mit teils drastischen Beispielen will er aufrütteln, geht dabei emotional durchaus an die Grenze des Erträglichen, wenn er mit der Kamera über die vermoderten Kadaver ausgesetzter, verendeter Ziegen fährt. So mahnt die weltweit bekannte Tierforscherin, Jane Goodall, in seinem Film einen allgemeinen Bewusstseinswandel an, Tiere als fühlende und denkende Mitgeschöpfe zu achten, sie nicht als Sache oder Produktionsgegenstand zu betrachten. Vertreter der Tierschutzorganisation „Peta“ fordern auch für Tiere das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit, auf Freiheit und artgerechte Haltung.

Im Zentrum des Films steht ein Dorf in Spanien (Trigueros des Valle), in dem allen Tieren seit 2015 Bürgerrechte zugesprochen worden sind (Citizen Animal). Sie werden wie Nachbarn behandelt, freundlich, hilfsbereit und kooperativ, rechtlich gleichgestellte Mitglieder der Dorfgemeinschaft. Als Maßstab für Intelligenz auf dieser Welt sei die Fähigkeit anzusehen, so der Film, Harmonie in der Welt zu schaffen, wobei Ausbeutung und Verachtung kontraproduktiv wirkten. Als Ausweg aus der momentanen Krise mit Massentierhaltung mahnt der Filmemacher Mitgefühl an. Im Film wird hierzu Franz Kafka zitiert: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht!“ Dass dabei letztlich auch eine grundlegende Veränderung der Ernährungsgewohnheiten angesagt sei, weg vom Fleisch und Tierprodukt, demonstriert Oliver Kyr mit seiner Hinwendung zum Veganismus. Unterstützt wird er dabei im Film und bei der Premiere von der Überlingerin Katharina Kuhlmann, die einst als „Miss Tuning“ berühmt wurde und heute als vegane Konditorin und Kinderbuchautorin Bekanntheit genießt.

Die Überlingerin Katharina Kuhlmann (rechts), hier mit Uta Devone, ist als vegane Konditorin und Kinderbuchautorin. Sie kommt im Film zu Wort und war auch bei der Premiere am Samstagabend anwesend. Bilder: Erwin Niederer
Die Überlingerin Katharina Kuhlmann (rechts), hier mit Uta Devone, ist als vegane Konditorin und Kinderbuchautorin. Sie kommt im Film zu Wort und war auch bei der Premiere am Samstagabend anwesend. Bilder: Erwin Niederer

Der Film läuft in Cinegreth Überlingen noch zwei Mal am heutigen Montag, 9. April, und am Mittwoch, 11. April, jeweils um 18 Uhr.

 

Zur Person

Oliver Kyr ist in Überlingen aufgewachsen, Abitur 1990, Studium in Stuttgart an der Schule für Film und Medien. Er war 20 Jahre Inhaber einer eigenen Werbeagentur in Stuttgart, machte Imagefilme für namhafte Firmen. 2010 orientierte er sich neu und brachte seinen ersten, umweltkritischer Spielfilm "The Big Bang" heraus, gefolgt von dem Roman "Ascheland", ausgezeichnet auf der Frankfurter Buchmesse. Seit 2015 ist er mit seiner Frau, Kind und zwei Hunden im Wohnmobil weltweit unterwegs, immer auf der Suche nach Motiven für seine Filme, die den Umgang des Menschen mit Natur und Umwelt anmahnen. (eni)