Einen Spagat haben Kommunal- und Landespolitiker der SPD bei einem Besuch auf der Apfelplantage von Obstbauer Bernhard Kitt versucht. Im Juli hatte sich der Landesverband als Befürworter des Volksbegehrens „Pro Biene“ positioniert. Der Landtagsabgeordnete Jonas Nicolas Weber, Vertreter seiner Partei im agrarpolitischen Ausschuss, wollte sich vor Ort aber nicht mehr festlegen und sah die aktuelle Diskussion als Grundlage für einen Lösungsansatz. „Mir geht es um ein Miteinander von Landwirtschaft und Verbraucher zugunsten des Artenschutzes“, erklärte er: „Ich bin neutral und werde mich weder für noch gegen das Volksbegehren aussprechen.“ Doch stehe die Initiative im Raum, und wenn das Begehren angenommen werde, müsse man damit umgehen.

Höfesterben unabhängig von Diskussion um Artensterben

Niemand gebe den Landwirten die alleinige Schuld am Artensterben, hatten SPD-Kreisvorsitzender Reiner Röver und Kreisrat Norbert Zeller vorausgeschickt und versucht, damit den Boden für einen sachlichen Austausch zu bereiten. Auf der anderen Seite gebe es das Höfesterben schon lange, ganz unabhängig von der Diskussion um das Artensterben.

Kitt: „Macht mir keinen Spaß, zu fahren und zu spritzen“

Wie und wo er versucht, der Natur einen Platz einzuräumen, schilderte Bernhard Kitt mit seinem Hinweis auf die Blühstreifen am Rand der Plantagen, den Heckenbestand und die zahlreichen Nistkästen, die er schon vor 20 Jahren aufgehängt habe. Um markttaugliche Äpfel erzeugen zu können, bedürfe es allerdings des Pflanzenschutzes, erklärte Kitt: „Es macht mir keinen Spaß, zu fahren und zu spritzen.“ Im Durchschnitt hätten die Kollegen in diesem Jahr 22 bis 24 Mal gespritzt, er sei mit 14 Mal ausgekommen.

„Geht ständig nur um Pflanzenschutzmittel und Gifte“

„Ständig geht es nur um Pflanzenschutzmittel und Gifte“, beklagte selbst Naturschützer Gerhard Weyers. „Alle anderen Themen fallen hinten runter.“ Für die Artenvielfalt seien Faktoren wie Blühstreifen, der Bestand von Hecken und andere landschaftlichen Strukturen viel wichtiger. Einen absoluten Streuobstbaumschutz zu verordnen, hält der Nebenerwerbslandwirt, der selbst viele alte Sorten pflegt, auch für kontraproduktiv und sieht darin möglicherweise sogar den Todesstoß für viele Bäume.

Biologischer Pflanzenschutz wäre laut Volksbegehren tabu

„Die Bauern brauchen den gesellschaftlichen Rückhalt“, sagte die Diplom-Agrar-Biologin Katja Röser von der Marktgemeinschaft Bodensee, die konventionell wirtschaftende Bauern und Biobauern berät. Auch der biologische Pflanzenschutz wäre nach dem Vorschlag des Volksbegehrens tabu. Die biologischen Pyrethroide könnten schädlicher für die Biene sein als die zugelassenen chemisch-synthetischen.