Verwundert und überrascht war mancher Besucher des traditionellen Dreikönigstrunks, als er an der Tür zum Ratssaal vom Ersten Beigeordneten und Bürgermeister Matthias Längin sowie dessen Assistentin Manuela Schmidt mit den besten Wünschen für das neue Jahr bedacht wurde. Die Einladung der Stadt zum traditionellen Dreikönigstrunk hatte Oberbürgermeisterin Sabine Becker zwar unterzeichnet. Daran teilzunehmen, sah sie sich offensichtlich nicht mehr in der Lage. Wie solle eine abgewählte Oberbürgermeisterin, deren Tage gezählt sind, noch einen Blick in die Zukunft der Stadt skizzieren, wie es bei diesem Anlass üblich ist, wurden ihre Gedanken wiedergegeben. So blieb die frisch verheiratete Becker mit ihrem Gatten im Kurzurlaub im Toggenburg.

Dafür waren mit Reinhard und Jutta Ebersbach, Jutta Patzel, die Witwe des im Jahr 2000 verstorbenen Klaus Patzel, sowie Volkmar und Bärbel Weber die vorausgegangenen Generationen im Amt des Stadtoberhaupts vollständig vertreten. Auch Beckers gewählter Nachfolger Jan Zeitler, der sich allerdings dezent im Hintergrund hielt, war unter den gut 150 Gästen aus Politik und Wirtschaft. Als amtierender überregionaler Mandatsträger war lediglich Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen (CDU) präsent. Zwischen den Zeilen war bei manchem Gast ein mehr oder weniger starkes Stirnrunzeln herauszuhören ob der Absenz der amtierenden Oberbürgermeisterin. Einige zeigten nach dem Wahldebakel allerdings auch Verständnis, zumal sie dem Dreikönigstrunk als Empfang für ausgewählte Honoratioren skeptisch gegenüber gestanden hatte. Weniger verstanden wurde, dass Becker den Bürgerempfang, den sie selbst als Alternative dachte und als Ergänzung einführte, abgesagt hat.

So blieb es Bürgermeister Matthias Längin – quasi in einem kurzen Interregnum – vorbehalten, die Grüße Beckers zu überbringen und nach seiner kurzen Ansprache den von den Überlinger Trachten gefüllten Dreikönigsbecher zu erheben. Statt eines großen Rückblicks referierte Längin eine kurze Geschichte der zahlreichen Überlinger Gärten und deren Entwicklung nach Westen, über wichtige Wegbereiter und Gestalter wie Wilhelm Beck und Hermann Hoch. Nicht zuletzt, um damit vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussionen aufzuzeigen, dass es auch vor Jahrzehnten schon heftige Kontroversen gegeben hatte und dass die Entwicklung eines Bürgerparks im Westen die Fortsetzung einer langen historischen Tradition darstelle. Sowohl Inhalt als auch die Kürze der Ansprache wurden von den Gästen wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Zum Auftakt hatten wie gewohnt die Sternsinger ihren Auftritt gehabt und animierten zum gemeinsamen Lied, ehe sie sich mit ihren Spendendosen zum Publikum begaben. Anschließend zollte Matthias Längin den zahlreichen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern Respekt und dankte den anwesenden Vertretern mit Worten und einem symbolischen Präsent. Längin: "Die Stadtverwaltung hat hierbei eine großartige Unterstützung durch unzählige ehrenamtlichen Helfer erfahren", erklärte Längin, "ohne deren Engagement die Betreuung und letztlich die Integration dieser Menschen nicht bzw. nur sehr viel schwieriger zu bewältigen wäre."

Dass der amtierende Bürgermeister der Partnerstadt Bad Schandau sich entschuldigen und durch seinen Vorgänger Andreas Eggert vertreten ließ, verkürzte die offiziellen Reden zudem deutlich. Was von den Gästen weidlich zu den Gesprächen und dem Gedankenaustausch genutzt wurde, der im Grunde Ziel der traditionellen Veranstaltung ist. Nachdem die "Vierharmoniker" das Badnerlied intoniert hatten, bewirteten die Frauen des Trachtenbunds das Publikum mit kleinen Häppchen und Überlinger Wein.