Das war eine gelungene Premiere. Bei der ersten Bürger-Lounge von Oberbürgermeister Jan Zeitler durften sich die Überlinger stets gehört, ja bisweilen sogar mitgenommen fühlen. Zeitler selbst machte an manchen Stellen deutlich, dass er Mut zu Visionen für die Stadt hat. Auch wenn diese teilweise noch wenig Konturen haben. Sei es bei der zukunftsweisenden Gestaltung des Freiraums an Zimmerwiese und Schlachthausstraße. Nur oberirdische Parkplätze seien ihm in dieser zentralen Lage zu wenig, erklärte der OB dezidiert. "Ich hab tolle Ideen, dieses Gelände architektonisch hochwertig zu bebauen", sagte Zeitler, ohne mehr von seinen Ideen preiszugeben. "Doch diese Stadt ist spannend und für viele Leute interessant."

Eine harte Nuss wird sicher die attraktive Entwicklung des Bahnhofs Stadtmitte werden, den Zeitler unter anderem an die Zimmerwiese anbinden will. Handlungsbedarf, was Erreichbarkeit und Willkommensqualität des Haltepunkts angeht, wurde schon häufig formuliert, doch Jan Zeitler versprach, dies auch mutig anpacken zu wollen. Eine schnelle Verbesserung kündigt er schon mal für die nicht immer einladende Szenerie rund um den Bahnhof an. "Wir werden den Platz mit Licht fluten", sagte Zeitler: "Da finden schon erste Umbaumaßnahmen statt."

Dass mehr als 40 Bürger am frühen Abend in das Rathauscafé gekommen waren, mag teilweise noch der Neugier zuzuschreiben zu sein. Allerdings harrten die meisten mehr als zwei Stunden bis nach 20 Uhr aus. Erfreulich zu beobachten war, dass die Bürger sich einer gepflegten Kommunikation bedienten, auch wenn sie nicht immer zufrieden waren mit den Aussagen. Wie Florian Jekat, der Elternbeiratsvorsitzende der Kindertagesstätte St. Angelus, der sich über die am Mittwochabend beschlossene Erhöhung der Gebühren beklagt hatte. "Soll das stetig so weitergehen", fragte Jekat: "Hat sich der Gemeinderat schon einmal Gedanken gemacht, diese Erhöhung anders zu finanzieren?"

Petra Wandelt hakte konkret nach, wie es denn mit der Beteiligung der Bürger strukturiert weitergehen könne: "Sind sie dafür offen, dass auch die Bürgerschaft eine organisierte legitimierte Stimme bekommt?" Eine konkrete Antwort gab Zeitler darauf nicht, verwies auf das aktuelle Beispiel Jugendforum und Jugendgemeinderat. "Auch Sie werden von uns auch immer wieder Einladungen erhalten." Um allerdings auch deutlich zu machen, dass lediglich der Gemeinderat nach der Gemeindeordnung legitimiert sei Entscheidungen zu treffen. Als Beispiel einer geplanten Beteiligung nannte er konkret eine Veranstaltung zum Thema: "Wie wollen wir künftig wohnen?"

Selten gab es leicht aggressive Untertöne wie bei Josef King, der der Polizei unterstellte, sie drehe in der Stadt sinnlos ihre Kreise im Pkw, während die Vollzugsbeamten der Stadt in den Außenbezirken zu Fuß für Recht und Ordnung sorgten. Unterdessen sei bei seinem Geschäft in der Kessenringstraße ein regelrechter Kontrollverlust zu beobachten und jeder parke nach Belieben auf Gehwegen. Oder "junge Autofahrer" rasten unbehelligt mit 90 durch die Temp-20-Zone.

Zeitler blieb kaum eine Antwort schuldig, bezog Position, auch wenn diese dem einen oder anderen Fragesteller nicht ganz gefallen wollte. Wie die verkehrsrechtlichen Argumente der Aufsichtsbehörde, die die von Friedrich Hebsacker eingeforderte Wiederöffnung des Aufkircher Tores einfach nicht zuließen. "Es sei denn, wir reißen ein paar Häuser ab", sagte Zeitler. Das wolle er nun auch nicht, sagte Hebsacker, aber einen geharnischten Brief werde er dem Regierungspräsidium schon schreiben.

Heide Hebsacker wünschte sich nicht nur einen ordentlichen Vollsortimenter in der Innenstadt und ergriff Partei für Investor Nabholz. Dazu bedürfe es weiterer Kurzzeitparkplätze, um auch mal kurz zum Bäcker zu gehen. Zeitler verwies auf den Altstadtcharakter. Dezent in den Rücken fiel der OB seinem Gemeinderat lediglich, als er die Abschaffung der öffentlichen Kurzzeitparkplatz nicht als Maßnahme gegen den Parksuchverkehr erklärte, sondern eine gewisse Skepsis gegenüber dem Beschluss formulierte. Er sehe durchaus Mehrbedarf an Parkplätzen für Besucher aus dem Osten. Deshalb werde er die geplante Umgestaltung des Seesportplatzes erst dann befürworten, wenn gleichzeitig darunter ein großes eingeschossiges Parkdeck geschaffen werden könne.

 

Im Gespräch bleiben

Er wolle auch weiterhin mit den Bürgern in regelmäßigem Dialog bleiben, sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler am Ende des sachlichen Gedankenaustausches. Er werde sich gerne an einem Samstag auch mal wieder auf den Wochenmarkt stellen, um den Passanten in Einzelgesprächen Rede und Antwort stehen, allerdings "erst im Frühjahr, wenn's nicht mehr so kalt ist". An den Wahlkampf erinnerte auch jetzt das Rollbanner mit seinem Konterfei, das Zeitler mit neuem Text ("Im Gespräch mit Herrn Oberbürgermeister Jan Zeitler") neben sich aufgestellt hatte. Zugleich ein Indiz, dass Zeitler das Gespräch weiter pflegen will. Wieder aufgreifen will der OB auch den Bürgerempfang, den seine Vorgängerin Sabine Becker eingeführt hatte, der im Vorjahr allerdings dem Interregnum zum Opfer gefallen war. Am 14. Januar werde es eine Neuauflage geben, kündigte Jan Zeitler an. (hpw)

 

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