Nach der massiven Kritik des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs an Überlingens Radwegen konnte der Überlinger Oberbürgermeister zur gemeinsamen Radtour gleich zwei Vertreter vom ADFC begrüßen. Jan Zeitler hatte sich darüber geärgert, dass seine Aussage „das lässt mich kalt“ den Verhältnissen auf den Überlinger Radwegen insgesamt zugesprochen worden sei. Er habe nur den ADFC-Klimatest und die Beurteilung durch 75 Radfahrer damit gemeint, erklärte er. Bernhard Glatthaar, ADFC-Kreisvorsitzender aus Friedrichshafen, zeigte sich über die Brennpunkte im Überlinger Radwegenetz bestens informiert und argumentierte dagegen. Es seien Überlinger Bürger, nicht automatisch ADFC-Mitglieder, die Überlingen mangelhaft beurteilten und ihre Zahl repräsentiere die Stadt ausreichend. Jan Zeitler wehrte sich auch gegen die Aussage des ADFC-Experten, die Entwicklung der städtischen Radwege lägen seit Jahren unbearbeitet in der Schublade. Zeitler und seine Amtsleiter präsentierten gelungene Fakten, wie die Rad-Schließ-Bügel auf dem Landungsplatz, und stellten Lösungen für neuralgischer Punkte wie in der Hafenstraße und der Weierhalde alsbald in Aussicht.

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Der Rathaus-Chef und der Verkehrexperte in Sachen Fahrrad schenkten sich nichts. Beide argumentierten auf Augenhöhe und sehr konstruktiv. Zeitler fuhr auch mit zu den Stellen, wo es für die Stadt wehtut und in diese Wunden legte Glatthaar zurecht den Finger. Am Ende gab es einen Handschlag und ein Versprechen von Zeitler an Glatthaar zu einer jährlichen gemeinsamen Tour durch Überlingen. Dabei will der ADFC dann sehen, was sich getan hat. Das lohnt sich bereits im nächsten Jahr, sollte Zeitler seine Versprechungen zum raschen und beherzten Handeln noch vor der Landesgartenschau einhalten.

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Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut und Zeitlers Verwaltung kann nicht überall sofort handeln. Aber die Dauer der gemeinsamen Ausfahrt von drei Stunden machte doch etwas klar: Erstens besteht noch an vielen Punkten akuter Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit. Und zweitens hat der OB mit seinem Engagement jetzt Hoffnungen geweckt und ein Zeichen gesetzt. Angesprochen darauf, dass seine Vorgängerin im Wahlkampf von Überlingen als einer Fahrrad-Stadt visioniert habe, sagte er: „Na dann mach ich das jetzt, versprochen.“ Das wäre eine Kehrtwende um 180 Grad. Die Fraktionen würden es, wie sie sagen, mehrheitlich mittragen. Gute Radwege machen unsere Stadt sicher, attraktiv und zeitgemäß – wer könnte da etwas dagegen haben?