Ihre ambitionierte Planung, mit der Neugestaltung des Landungsplatzes zugleich eine attraktive fußläufige Verbindung von der Hofstatt zur Seepromenade für alle Verkehrsteilnehmer zu schaffen, muss Marianne Mommsen zumindest vorläufig aufgeben. Bis zum Landesgartenschaujahr 2020 wird es hier lediglich eine halbe Lösung geben, die den aktuellen Platzbereich umfasst. Die jetzigen Busbuchten sollen weitgehend erhalten bleiben, lediglich die Übergänge sollen sanfter und fußgängerfreundlicher gestaltet werden. Verschwinden wird dagegen das aktuelle Taxirondell zugunsten einer durchgehend begehbaren Fläche. Die Taxis sollen ihre Plätze im aktuellen Busbereich bekommen.

Im Grundsatz befürwortete der Gemeinderat den Entwurf nach intensiver Beratung einstimmig. Auf diese Entscheidung besonders gedrängt hatte Rolf Geiger vom Grünflächenamt. "Wir sollten in der nächsten Sitzung des Baubeschluss fassen können", sagte Geiger. Nur so könne die Maßnahme auch pünktlich bis zum Saisonbeginn 2019 abgeschlossen werden.

Die Taxi-Stellplätze werden in den Busbereich verlegt, das derzeitige Rondell wird in den Platz integriert. Der Kiosk (im Hintergrund) bleibt.
Die Taxi-Stellplätze werden in den Busbereich verlegt, das derzeitige Rondell wird in den Platz integriert. Der Kiosk (im Hintergrund) bleibt. | Bild: Hanspeter Walter

Die Zeitfrage war auch einer von drei Gründen, die aus Sicht der Verwaltung die nun geplante Teillösung auf dem Landungsplatz erforderlich machen. Auf die Unstimmigkeiten und die fehlende Lösung beim Verkehrskonzept für Hofstatt und Hafenstraße wies Marianne Mommsen hin. Dazu kommt nach Oberbürgermeister Jan Zeitler, dass die erforderlichen Finanzmittel noch nicht ausreichten. Die belaufen sich für den aktuellen Abschnitt nach derzeitigen Kalkulationen schon auf insgesamt 1,82 Millionen Euro. Hier seien Erkenntnisse aus dem ersten Bauabschnitt an der Promenade wie teerbelasteter Untergrund eingeflossen. Demnach müsse eine gewisse Kostensteigerung zumindest eingeplant werden. Davon seien 280 000 Euro noch nicht im Haushalt abgedeckt. Dagegen bewege man sich bei der Umsetzung des ersten Bauabschnitts noch innerhalb des Budgets.

Fast noch größere Bedenken hatte Baubürgermeister Matthias Längin, dass eine Fertigstellung der Gesamtlösung bis zum Gartenschaujahr 2020 aus heutiger Sicht nicht garantiert werden könnte. Eine ganz andere Sorge beschlich die Robert Dreher (FWV/ÜfA) und Udo Pursche (SPD). Sie warnten davor, das ehrgeizige Gesamtkonzept könnte sich mit der vorläufig gedachten halben Lösung ganz in Luft auflösen. Dreher: "Wir brauchen den Termin und den Zeitdruck." Um den erklärten Willen des Rats zur Umsetzung des zweiten Teils deutlich zu machen, ergänzte OB Zeitler den Beschluss noch um die Absichtserklärung des Gemeinderats, diese bei den nächsten Haushaltsberatungen in der mittelfristigen Finanzplanung zu bedenken.

Bushaltestelle und Wendeschleife (rechts) werden vorläufig bleiben, doch südlich davon soll es ganz autofrei werden.
Bushaltestelle und Wendeschleife (rechts) werden vorläufig bleiben, doch südlich davon soll es ganz autofrei werden. | Bild: Hanspeter Walter

Neben einer neuen Pflasterung, einer besseren und normgerechten Ausleuchtung und einer funktionalen Versorgungsinfrastruktur für Veranstaltungen auf einer zentralen Freihaltefläche soll eine größere rote Sitzfläche aus Holz unter dem zentralen Baum an der Freitreppe geschaffen werden. Sie soll insbesondere für junge Menschen einladender sein als die aktuellen Bänke. Derartige rote Holzelemente sind auch an den beiden Enden der Seepromenade vorgesehen und sollen besondere optische Akzente setzen, ja mit den Worten von Planerin Mommsen zu einem "Signet", einem Erkennungsmerkmal, für Überlingen werden.

Bedenken meldete hierzu Ulrich Krezdorn (CDU) an. Eine solche Sitzfläche versperre den Durchblick zum See aus der Markstraße. "Das wird nicht der Fall sein", versuchte Marianne Mommsen diese Sorge zu nehmen. "Gerade die Seeblicke sind uns besonders wichtig", sagte sie. Bei einer Höhe von 30 Zentimeter werde die Sitzfläche sicher keine Sichtbarriere sein. Jörg Bohm (CDU) war es wichtig, dass auch ein hochwertiges, lange haltbares Holz verwendet werde. Zu der Liegefläche kommen zwei große Rundbänke unter anderen Bäumen, die ebenso ein Ausfluss des Bürgerworkshops gewesen waren wie der weitgehende Erhalt der Bäume überhaupt. Fallen werden die drei Kastanien unmittelbar an der Buswendeschleife.

Noch intensiver beschäftigte sich die Ratsrunde mit der Pflasterung, insbesondere der Begehbarkeit und dem Farbmuster. Das Muster sei nicht ganz so umgesetzt wie in den Plänen dargestellt, monierte Robert Dreher. Dem widersprach Planerin Mommsen und erklärte die Idee, die Verdichtung des Rots als farbige Verbindung in die Gassen hinein zu sehen. Dass Senioren mit Gehrad am neuen Promenadenabschnitt insbesondere das Band aus durchgehenden Granitplatten nutzten, hatte Udo Pursche beobachtet. Aus diesem Grund bat er um Prüfung, ob nicht eine Fortsetzung des Streifens über den Landungsplatz möglich und finanzierbar wäre. OB Jan Zeitler nahm die Bitte in den Beschluss zwar auf, wollte aber diese Umplanung nicht zu weit vertieft wissen.

Expertin und Oberbürgermeister sehr zufrieden mit Pflasterung

Zum wiederholten Mal kam in der Ratsrunde die Qualität der Natursteinpflasterung im neu gestalteten Bereich der Seepromenade zur Sprache. Schon vor Fertigstellung der Baumaßnahme waren von Bürgern und Räten vermeintliche Mängel und die Einhaltung von DIN-Normen moniert worden. Am Mittwoch habe es nun eine Abschlussbegehung gegeben, hatte schon Edith Heppeler, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Überlingen GmbH, in ihrem Bericht betont. Sie ist sehr zufrieden mit dem Endergebnis. "Das, was wir heute haben, ist eine absolut korrekte Bauausführung", betonte auch OB Jan Zeitler später. Die Stadt habe sich für ein hochwertiges Natursteinpflaster entschieden, bei dem es hin und wieder Abplatzungen gebe. Doch das Material sei sehr gut und normgerecht verlegt worden. Dies bekräftigte auch Planerin Marianne Mommsen. Nach den Diskussionen habe sie sich das Pflaster in der Spitalgasse genau angesehen. Dort sei die Ausführung wesentlich schlechter. Mit dem schmalen Band aus rundum gesägten, wesentlich teureren Steinen dürfe man es nicht vergleichen. Genug von der Diskussion hatte auch Stadtrat Ingo Wörner: "Ich kann das jetzt nicht mehr hören." Er habe sich die Promenade genau angeschaut und müsse feststellen: "Das sieht sensationell aus." (hpw)