Nur für kurze Zeit waren die Menschen vom Balkan auf dem Zirkusplatz bei Altbirnau toleriert worden, wohin sie von der Anlegestelle der Bodenseefähre zu Fuß gewandert waren.

Kein legaler Aufenthaltsstatus

"Ich danke euch für eure Aufnahme", erklärte Roma-Sprecher Jasar Demirov damals auf der Tribüne der FC Stadions, als Oberbürgermeister Reinhard Ebersbach die hoffenden Gäste begrüßte, die keinen legalen Aufenthaltsstatus hatten und deshalb von keiner Stadt längere Zeit geduldet worden waren. "

Protestmarsch von Kehl bis an den Bodensee

Ich danke Euch für eure Aufnahme" war auch der Titel des SÜDKURIER-Beitrags Anfang August 1993 auf der ersten Überlinger Lokalseite. Der Protestmarsch von 80 Erwachsenen und 40 Kindern, darunter einige Kleinkinder, hatte in Kehl am Rhein begonnen und über die Ortenau und den Breisgau an den Bodensee geführt, von Singen nach Konstanz und schließlich nach Überlingen.

Sprecher drohte mit Hungerstreik

Samstags waren die Roma eingetroffen, ein Aufenthalt war ihnen von der Stadt zunächst nur bis Montagnachmittag zugestanden worden. Mit einem Demonstrationszug wandten sie sich gegen die Ablehnung ihres Asylantrags und die drohende Abschiebung nach Rumänien. Im Gespräch hatte Sprecher Demirov mit einem Hungerstreik gedroht und auf mehrere schwangere Frauen verwiesen, um einen längeren Aufenthalt zu erzwingen. Einen Tag Aufschub gewährte die Stadt bis Dienstagnachmittag als Entgegenkommen.

Kundgebung auf dem Landungsplatz

Bei einer Kundgebung auf dem Landungsplatz ergriff Dr. Lily Walther Partei für die Roma. "Wir sollten uns schämen", sagte sie: "Wir meinen, wir könnten nicht helfen. Dabei wäre dies in unserem reichen Land gar nicht so schwer." Die damalige Dekanin Doris Fuchs aus Salem hatte die Gruppe zuvor in Altbirnau besucht und an die Stadt appelliert. "Doch der Oberbürgermeister ließ sich nicht überreden", berichtete sie: "Er hat Angst, dass sie dann nicht mehr gehen."

Auch in Herdwangen nicht mehr Erfolg

Das Deutsche Rote Kreuz, das die Roma versorgt hatte, wünschte sich, dass sie in einen anderen Kreis weiterziehen sollten. Die Kräfte der Helfer seien erschöpft. So machte sich die Gruppe auf den Weg nach Herdwangen, wo sie bei Bürgermeister Lothar Riebsamen auch nicht mehr Erfolg hatten. Die Odyssee in Richtung Bonn sollte noch einige Zeit andauern.