Die Notunterkünfte nahe des Entsorgungszentrums Füllenwaid seien als Unterbringungsort für Obdachlose in einer wohlhabenden Stadt wie Überlingen nicht angemessen: Diese Meinung vertritt Stadtrat Roland Biniossek von der BÜB+. Seine Fraktion hatte deshalb eine Anfrage gestellt, wie der Stand der Planung für eine mögliche Sanierung beziehungsweise einen Abriss und Neubau der Gebäude ist.

So sieht es im Inneren der Notunterkunft der Stadt unweit der Müllkippe in der Ottomühle aus. Das Bild zeigt das sechs Quadratmeter große Zimmer einer Bewohnerin.
So sieht es im Inneren der Notunterkunft der Stadt unweit der Müllkippe in der Ottomühle aus. Das Bild zeigt das sechs Quadratmeter große Zimmer einer Bewohnerin. | Bild: Stef Manzini

Kein Neubau vorgesehen

Baubürgermeister Matthias Längin erteilte einem Neubauvorhaben erst einmal eine Absage. Eine vollumfängliche Sanierung sei aus seiner Sicht ebenfalls nicht möglich. Notwendige Instandhaltungsarbeiten würden im gesetzlich vorgeschriebenen Umfang erledigt und aus Haushaltsmitteln finanziert.

Mutwillige Zerstörung?

Weiter erzählte der Baubürgermeister, die Bewohner der Baracken in Goldbach würden in ihren Räumlichkeiten „massive Zerstörungen“ vornehmen, um eine neue Unterkunft zu erhalten. Roland Biniossek äußerte Zweifel an der These: „Das müssen Sie erst einmal belegen.“ Längin betonte, dass die städtischen Notunterkünfte an der Ottomühle „technisch okay und auch sauber“ seien. Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte, es solle nicht der Eindruck entstehen, dass „dort keine angemessenen Zustände herrschen“.

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Anonymer Spender stellt 10 000 Euro in Aussicht

Kristin Müller-Hauser von der BÜB+ verwies auf die Summe von 10 000 Euro, die ein Spender, der noch anonym bleiben will, für die Verbesserung der Zustände in der Notunterkunft Ottomühle in Aussicht gestellt habe. Jan Zeitler entgegnete, er freue sich zwar darüber, Geld sei hier aber nicht das Thema.

Kritik an Lage nahe der Müllkippe

Roland Biniossek forderte, die Baracken zu verlegen, da in der Nähe einer Müllsammelstelle von den Lastwagen auch Schmutz und Staub aufgewirbelt werde. Die Bewohner der Notunterkünfte könnten dadurch oft ihre Fenster nicht öffnen. „Die Menschen wohnen dort bei der Müllkippe nicht nur ein paar Wochen, sondern Jahre und Jahrzehnte“, betonte Biniossek. Auch fehle jegliche psychosoziale Betreuung durch entsprechende Sozialdienste. In dieser Angelegenheit wolle er zügig eine Klärung mit dem Landratsamt in Friedrichshafen erreichen, versprach daraufhin Oberbürgermeister Zeitler.

Verlegung derzeit nicht möglich

Baracken in der Bauweise wie an der Ottomühle seien in der heutigen Zeit nicht mehr denkbar oder zugelassen. Somit tue sich eine Kommune auch sehr schwer, derartige „Einfachstgebäude“, wie Matthias Längin sagte, in Wohngebiete zu verlagern. Damit erteilte der Baubürgermeister der Forderung nach einer Verlegung ebenfalls einen negativen Bescheid.

Zeitler wirbt um Verständnis: „Brauchen Zeit für einen neuen Standort“

Der Oberbürgermeister betonte, auch er sei über die aktuelle Situation nicht glücklich und es werde daran gearbeitet. Es gebe durchaus Möglichkeiten der Verbesserung, aber die könnten nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. „Wir brauchen Zeit für einen neuen Standort“, warb er um Verständnis. Roland Biniossek versprach: „Wir werden im Herbst wieder nachfragen.“

Räte planen Besichtigung

Stadtrat Robert Dreher von den Freien Wählern/ÜfA regte eine Besichtigung in der Ottomühle an. Dem stehe nichts im Wege, teilte die Stadtverwaltung mit.