Das Wintertheater Überlingen in „Noltes Theater“ stellt vom 17. Oktober bis 24. November auch in seiner zweiten Saison Ungewöhnliches auf die Bühne: ein ganztägiges Philosophie- und Theaterfestival mit dem Star-Intellektuellen Julian Nida-Rümelin, einen „Jedermann“ für zwei Personen und eine von Birgit Nolte eigens neu konzipierte musikalische Soirée über „starke Frauen, starke Lyrik“ mit dem Titel: „Die Welt hochwerfen“. Das Programm 2019 soll, ebenso unterhaltsam wie ernsthaft, dazu anregen, sich mit den wichtigen Fragen der menschlichen Existenz auseinanderzusetzen.

Im vergangenen Jahr startete die Kooperation von Birgit und Oliver Nolte mit der Stadt Überlingen. Letztere hatte ein neues Konzept für ein Wintertheater gesucht, das davor aus Gastspielen bestanden hatte.

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OB Jan Zeitlers Rückblick auf die Premiere 2018 fällt rundum positiv aus. Die Gesamtauslastung habe nahezu 100 Prozent betragen, Noltes Inszenierung des Martin-Walser-Stücks „Zimmerschlacht“ sorge bis heute für Resonanz. Noltes gaben damit auch ein Gastspiel in Konstanz. So kam es laut Zeitler auch dazu, dass sich das Theater Konstanz 2019 am Wintertheater beteilige. „Das freut mich sehr, wir gehören ja doch irgendwie zusammen, daher ist es folgerichtig zu kooperieren“, so Zeitler.

Vor noch leeren Rängen in „Noltes Theater“ in Überlingen stellten die Verantwortlichen das Überlinger Wintertheater 2019 vor. Untere Reihe, von links: Kulturamtsleiter Michael Brunner, der Konstanzer Schauspieldirektor Mark Zurmühle, Birgit Nolte. Hinten: OB Jan Zeitler (links), Oliver Nolte.
Vor noch leeren Rängen in „Noltes Theater“ in Überlingen stellten die Verantwortlichen das Überlinger Wintertheater 2019 vor. Untere Reihe, von links: Kulturamtsleiter Michael Brunner, der Konstanzer Schauspieldirektor Mark Zurmühle, Birgit Nolte. Hinten: OB Jan Zeitler (links), Oliver Nolte. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Das Theater Konstanz ist mit seiner Eigenproduktion „Der Reichsbürger“ beim ganztägigen „Festival der Monologe“ vertreten. Der Name ist vielschichtig: Vordergründig bezieht er sich auf die beiden Monologstücke, die gezeigt werden, neben dem „Reichsbürger“ auch Oliver Noltes Inszenierung von Eugen Ruges „Ruhestörung“. Auf der zweiten Ebene geht es um die von digitalen Echokammern befeuerte Fixierung auf die eigene Meinung, das Ausgrenzen anderer Ansichten und ihrer Vertreter sowie die Folgen, die diese zunehmende Vereinzelung für Gesellschaft und Politik hat.

Birgit Nolte.
Birgit Nolte. | Bild: Noltes Culture Lounge

Doch „Frieden und Freiheit gibt es nur gemeinsam“, betont Oliver Nolte. Damit zitiert er den Untertitel des Festivals, dem noch das Schlagwort „Einstimmig“ vorausgeht. Letzteres spielt auf die Gemeinwohl-Philosophie von Jean-Jacques Rousseau an. Tatsächlich will das Festival trotz seines absichtlich irritierenden Titels Menschen in Kontakt und ins Gespräch bringen. Die Idee für diese Veranstaltung lieferte Oliver Nolte sein berufsbegleitendes, interdisziplinäres Studium an der Uni München. Unter anderem belegt er Philosophie bei Ex-Staatsminister Nida-Rümelin, den Nolte prompt für das Festival gewinnen konnte.

Oliver Nolte.
Oliver Nolte.

Zum Thema „Ausgrenzung“ fiel auch Birgit Nolte ganz schnell etwas ein: „Frauen wurden schon immer ausgegrenzt. Man hat ihnen schlicht das Denken abgesprochen.“ Aus der Fülle an Material, das das Gegenteil beweist, hat Nolte für ihren Vortrags- und Gesangsabend „starke Lyrik starker Frauen“ ausgesucht, arrangiert und teils selbst vertont. Der vielversprechende Titel „Die Welt hochwerfen“ stammt aus einem Gedicht von Hilde Domin.

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Die existentielle Frage, um die es laut Oliver Nolte im 1911 uraufgeführten Stück „Jedermann“ geht, stellt sich Mann wie Frau durch alle Zeiten: „Was ist ein gutes Leben?“ Hugo von Hofmannsthals Protagonisten, so Nolte, treibe ja weniger die Angst vor dem Tod um, sondern vielmehr, dass er sein Leben nicht richtig gelebt habe. In Zeiten, in denen die Ungleichheit steige und sich die Gesellschaft immer mehr spalte, müsse man „Prioritäten neu überdenken“. Oliver Nolte ist überzeugt: „Ein gutes Leben kann man nur in der Gemeinschaft leben.“ Oberbürgermeister Jan Zeitler nickt. Er findet: „Wenn das Theater Anreize gibt, die gesellschaftliche Diskussion auf eine andere Ebene zu heben, dann ist der Politik schon geholfen.“

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