Es sollte eine offene Diskussionsrunde mit Oberbürgermeister Jan Zeitler werden, zu der der Überlinger Ortsverband der FDP in Person des stellvertretenden Vorsitzenden Ingo Wörner am Montagabend alle Gewerbetreibende und Gastronomen eingeladen hatte. Das Thema war die Auswirkung des Verkehrs- und Parkkonzeptes in der Innenstadt. Dass es in diesem Punkt dringenden Gesprächs- und vor allem Handlungsbedarf gibt, zeigte die rege Beteiligung. Etwa 80 Händler und Gastronomen waren ins Restaurant Arena gekommen.

Stein des Anstoßes war die Schließung des Felderhausparkplatzes und der Gemeinderatsbeschluss, die Kurzzeitparkplätze in der Innenstadt abzuschaffen. „Man hat einfach Schritt fünf vor Schritt eins gemacht“, erklärte Ingo Wörner in seiner Begrüßung. Er hatte die Idee zu dieser Gesprächsrunde, da er in der Stadt von sehr vielen Händlern angesprochen wurde, was für eine fatale Entscheidung da vom Gemeinderat gefällt worden wäre.

Oberbürgermeister Jan Zeitler zeigte sich als sehr guter Zuhörer und erklärte, dass die Verwaltung momentan lediglich eine Entscheidung des Gemeinderates umsetze. „Und diese fiel übrigens mit 22 zu zwei Stimmen sehr eindeutig aus“, betonte er. Er könne die Sorgen absolut verstehen und werde die Anregungen in den Gemeinderat tragen. „Wir von der FDP werden einen Antrag auf Aufhebung dieses Beschlusses stellen“, kündigte Ingo Wörner an.

Schnell entwickelte sich eine muntere Gesprächsrunde, in der sehr deutlich formuliert wurde, dass die Innenstadt Kurzzeitparkplätze benötige, vor allem von Spätherbst bis ins Frühjahr. Ludwig Köberle, der sein Geschäft in der Franziskanerstraße hat, betonte, dass sich der Verkehr, seit der Schließung des Felderhausparkplatzes, keinesfalls verringert habe. Ebenfalls in der Franziskanerstraße hat Uwe Zscherp sein Geschäft. Er sagte, dass die Stadt momentan ein ernsthaftes Imageproblem habe. „An den Ortseinfahrten stehen momentan Plakate, auf denen steht, dass es in der Innenstadt keine Parkplätze gebe“, sagte er. „Das stimmt nicht. Wir haben doch Parkhäuser in der Innenstadt.“ Dies bestätigte auch Klaus Munding, der sagte, dass vor allem Kunden aus dem Umland abgeschreckt werden. Sie würden schon gar nicht mehr nach Überlingen zum Einkaufen kommen. „Wir spüren das jetzt schon deutlich“, sagte er und kritisierte außerdem, dass in Überlingen „alles gleichzeitig gemacht“ werde. Wenn der Spatenstich für den neuen Edeka-Markt in Härlen gesetzt werde, fallen die Park-and-Ride-Parkplätze auch noch weg. Hierauf sagte Jan Zeitler, dass die Stadt momentan händeringend nach einem Gelände suche, um den Park-and-Ride-Parkplatz zu ersetzen. Dies gestalte sich aber als schwierig.

Alternativen gibt es in Überlingen aber durchaus. Dies bewiesen die zahlreichen Ideen, die von den Händlern in die Runde geworfen wurde. Fridolin Zugmantel sagte beispielsweise, dass nach der Fertigstellung des Familienzentrums in der Schlachthofstraße, in der jetzt noch Container stehen, kurzfristig zahlreiche Parkplätze geschaffen werden könnten. Hansjörg Kübler meldete sich zu Wort und sagte: „Auch wenn man mich jetzt für verrückt hält, aber eine saisonale Benutzung der Hofstatt und des Landungsplatzes im Winter und Frühjahr wäre zu überdenken, solange es kein effektives Parkleitsystem gibt.“ Andere Städte wie Konstanz würden so etwas vormachen. Klaus Munding nannte seinen Vorschlag selbst „provokativ“ und sagte, dass man den unteren Sportplatz am Bodensee-Yachtclub nutzen und dort eventuell sogar ein Seetaxi in die Innenstadt oder dann auf die Landesgartenschau einrichten könne.

Uwe Zschep betonte, dass man Kunden in Sachen Parkgewohnheiten keinesfalls umerziehen könne, wie es der Gemeinderat argumentierte. „Die Konkurrenz mit Internet und umliegenden Gemeinden ist viel zu groß“, sagte er. „Deshalb müssen wir uns unbedingt nach den Kundenwünschen richten und sie nicht umerziehen wollen. Sonst sind sie weg.“ Hansjörg Kübler verwies darauf, dass Überlingen ab 2019 mit dem großen Einkaufszentrum in Singen eine „Riesenkonkurrenz“ bekomme und mahnte: „Wir müssen bis dahin unsere Kunden halten, sonst haben wir ein Riesenproblem.“ Und dieses würde zahlreiche Existenzen bedrohen.

Der Oberbürgermeister zeigte sich von der Kreativität und der Sachlichkeit der Diskussion angetan. „Ich habe erkannt, dass die Händler in der Innenstadt ernsthafte Sorgen haben“, sagte er und fügte hinzu: „Allerdings weiß ich auch, dass beispielsweise die Diskussion über eine Benutzung der Hofstatt sehr ideologisch geführt wird.“ Dennoch sagte er an diesem Abend zu, dass die Plakatierung an den Ortseingängen geändert werde und entsprach damit den Wünschen vieler Händler: „Wir werden neue Plakate aufstellen und das Ganze freundlicher formulieren.“ Außerdem betonte er, dass die Problematik mit den Kurzzeitparkplätzen eine Suche nach der „eierlegenden Wollmilchsau“ sei, er sich aber sehr gerne einer offenen Diskussion stellen werde.

Der FPD-Vorsitzende Raimund Wilhelmi machte zum Ende deutlich, dass es im Interesse aller Überlinger sein müsse, dass „die Innenstadt nicht tot ist und die Lichter ausgehen“. Die Innenstadt müsse belebt werden. Aus diesem Grund forderte er Reinhard Haas vom Wirtschaftsverbund Überlingen auf, gemeinsam mit den Händlern, Gastronomen und Gemeinderäten das Gespräch zu suchen, was dieser prompt bejahte.

Sperrungen ab März

Nachdem zum 1. Februar bereits der Feldparkplatz und die Stellplätze vor der Kapuzinerkirche für die Öffentlichkeit gesperrt wurden, sollen im März auch die öffentlichen Parkplätze am Mantelhafen und Ochsen sowie Parkbuchten in der Christoph- und der Klosterstraße abgeschafft werden. "Dazu sind Fahrbahnmarkierungen nötig, die eine gewisse Mindesttemperatur brauchen", erklärt Raphael Wiedemer-Steidiginger, Pressesprecher der Stadt. Die Schilder lägen schon bereit. Eine Schranke wie am Felderhausparkplatz wird es am Mantelhafen nicht geben, da dieser ab Oktober umgebaut werden soll. "Da lohnt sich eine temporäre Schranke nicht", so Wiedemer-Steidinger. Wann das geplante Parkleitsystem kommen wird, konnte er auf Anfrage noch nicht sagen. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es noch in diesem Jahr kommt." (mde)