Überlingen – Nein, Stress haben sie nicht, sagen Edgar und Nelly Schmidt gelassen. Um sie herum wuseln noch die Lieferanten, die Mitarbeiter, die die Regale bestücken, und die Vertreter der Telekom. "Doch viel Arbeit ist es schon", räumen die Betreiber des neuen Edeka-Markts Schmidt ein, der am 11. Juli um 7 Uhr in der Kurt-Hahn-Straße zwischen Wohnmobilhafen und "P und R"-Parkplatz seine Türen öffnet. Während Nelly Schmidt zwischendurch kurz zu einer Videokonferenz verschwindet, gleicht Edgar Schmidt einem Fels in der Brandung. "Lieber trinken", ruft er durch einen Regalgang, nachdem beim Einräumen hörbar eine Flasche zu Bruch gegangen ist, und gibt gleich Tipps zum Saubermachen. Rund die Hälfte der 1300 Quadratmeter ist zwölf Tage vor der Eröffnung schon mit Waren bestückt.

Schon 2007 erste Ideen für neuen Markt

Einige der Regale ist schon bestückt und Nelly und Edgar Schmidt freuen sich auf die Eröffnung am 11. Juli. Auf rund 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche bieten sie über 15 000 Artikel an.
Einige der Regale ist schon bestückt und Nelly und Edgar Schmidt freuen sich auf die Eröffnung am 11. Juli. Auf rund 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche bieten sie über 15 000 Artikel an. | Bild: Hanspeter Walter

Seit 2003 hatte Edgar Schmidt den Markt am Mantelhafen betrieben und schon 2007 erste Ideen für größere Standorte gehabt. "Wir waren damals schon im Gespräch mit Oberbürgermeister Weber und Stadtplaner Nöken", erinnert sich Schmidt: "Damals hatte ich noch das Grundstück an der Ecke Uhlandstraße unterhalb des Helios-Spitals vorgeschlagen." Doch die Stadt habe dies abgelehnt und zunächst die Gemeinbedarfsfläche zwischen Schättlisberg und Hildegardring favorisiert. "Doch der Anlieferverkehr mitten ins Wohngebiet wäre weder den Bewohnern noch den Lastwagen zuzumuten gewesen", erklärt Schmidt. Erst später sei der aktuelle Standort ins Gespräch gekommen.

Großes Sortiment regionaler Erzeuger

Die Freude ist bei den Schmidts spürbar. Sie haben den bevorstehenden Moment fast ebenso lange herbeigesehnt wie die Bewohner von Schättlisberg und Weststadt, die bald ihren Supermarkt vor der Haustür haben werden. Eine lokale Verankerung versuchen die Betreiber auf verschiedenen Wegen zu erreichen, durch ein großes Sortiment von regionalen Erzeugern und durch die optische Gestaltung, zum Beispiel im Kassenbereich. Dort erinnern großformatige Fotografien aus dem Lauterwasser-Archiv an die Überlinger Geschichte – mit Motiven von der Uferpromenade und den Stadtgräben. "Hier kommen sicher auch viele Feriengäste her", sagt Edgar Schmidt: "Für die kann das doch interessant sein."

Mehrere Hürden bis zur Baugenehmigung

Über sechs Jahre ist es her, dass Edeka im Frühjahr 2012 unter fünf öffentlich vorgestellten Bewerbern mit seinem Konzept für den neuen Standort Härlen den Zuschlag des Gemeinderats bekommen hatte. Bis zur Baugenehmigung mussten allerdings noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden. Nach Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans musste die Stadt zunächst ihr Einzelhandelsentwicklungskonzept aktualisieren und den Bedarf nachweisen.

Hebeanlage für Entwässerung des Geländes

Später verzögerte der fehlende Entwässerungsnachweis die Zustimmung des Regierungspräsidiums. Mehrere Monate hatte Edeka mit angrenzenden Grundstückseigentümern verhandelt, um das Oberflächenwasser in freiem Gefälle in den nahen Erlenbach leiten zu können. Am Ende blieb dem Lebensmittelversorger keine andere Wahl, als eine Hebeanlage für die Entwässerung des Geländes zu installieren.

Bauarbeiten am Markt starteten am 1. August 2017

Mit dem Spatenstich im Juni 2017 begann zunächst nur die Verlegung des Wohnmobilhafens. Am Einkaufsmarkt selbst seien die Bauarbeiten am 1. August gestartet, betont Edgar Schmidt: "Wenn man es genau nimmt, hatten wir damit gerade mal eine Bauzeit von gut elf Monaten."

Baukosten um 2 Millionen Euro höher

Mit der großen Glasfront des Gebäudes zur Straße seien die Planer den Wünschen der Stadt entgegengekommen. "Es gibt wenig Märkte, in denen so viel Tageslicht für Helligkeit sorgt", sagt er. Edeka investiert hier rund 8,5 Millionen Euro – das sind rund 2 Millionen mehr als ursprünglich geplant.

Parkplatz nachts mit Schranke geschlossen

106 Parkplätze stehen unmittelbar links neben dem Markt zur Verfügung. "Die Schranken sind nicht gegen die Kunden, sondern für die Kunden", erklärt der Betreiber. Sie würden abends geschlossen und morgens geöffnet. Sonst sei der Parkplatz möglicherweise morgens schon belegt. Selbst während der Bauphase habe der eine oder andere Wohnmobilist sogar einen Platz zwischen den Baufahrzeugen gesucht. Schließlich solle der Markt ganzjährig von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein. Handwerker oder Beschäftigte des Helios-Spitals seien schließlich schon sehr früh unterwegs. Ein Parkverbot an der Kurt-Hahn-Straße sei trotz der zahlreichen Stellplätze dringend erforderlich, ist Edgar Schmidt überzeugt.

Planer spekulierten ursprünglich über Eröffnung Mitte 2014

Die Hoffnungen auf eine Einkaufsmöglichkeit im Neubaugebiet Nördlicher Ammann und Schättlisberg schwelten schon vor mehr als 15 Jahren und konzentrierten sich zunächst einige Jahre lang auf eine Lösung im Erdgeschoss des Ärztehauses an der Maurus-Betz-Straße. Mehrere Anläufe des Investors, einen Betreiber zu finden, scheiterten. Teilflächen wurden anderweitig vermietet, der Rest wurde immer kleiner, bis am Ende nichts mehr übrig war und auch nahezu das gesamte Erdgeschoss an dieser Stelle für die ärztliche Praxis genutzt wurde.

Vor mehr als zehn Jahren machte sich die Stadt auf die Suche nach einem Standort für einen Supermarkt, der das wachsende neue Wohngebiet, aber auch den Westen und die hier liegenden Teilorte bedienen könnte. Im Jahr 2010 entschied sich der Gemeinderat für die Kurt-Hahn-Straße und schrieb das Vorhaben aus. Im März 2012 stellt das Gremium eine Prioritätenliste der fünf Bewerber auf und brachte im Oktober den Bebauungsplan auf den Weg. Über eine mögliche Eröffnung Mitte 2014 war damals von den Planern spekuliert worden. Doch taten sich mehrfach neue Hindernisse auf und es wurden vier Jahre mehr.