Seit Jahren versucht der Überlinger Ingenieur Eric Hueber, seine Elektro-Bahn der Stadt Überlingen anzudienen. Bisher ohne Erfolg, wie er sagt. Was ihm direkt vor seiner Haustür bisher nicht gelingen mag, klappte im ostwürttembergischen Schwäbisch Gmünd. Die 60 000-Einwohner-Stadt übernahm von ihrer Landesgartenschau-Gesellschaft zwei der insgesamt sechs elektrischen Wegebahnen und stattete jetzt eine davon mit einer eigenen Fotovoltaikanlage aus.

Erster Vorstoß Eric Huebers im Juli 2016

Bereits im Juli 2016 hatte Hueber einen Prototypen seiner Wegebahn in Überlingen-Kogenbach vorgestellt. Dem waren Gespräche mit „BW Grün“, der Förderungsgesellschaft für die baden-württembergischen Landesgartenschauen, mit der Landesgartenschau-Geschäftsführung und dem Oberbürgermeister vorausgegangen. Die von Hueber so dringend ersuchte Absichtserklärung „pro Elektrobahn“ war allerdings ausgeblieben. „Es gibt ja bisher nicht einmal eine Absichtserklärung, ohne diese kommt man auch nicht an die Fördertöpfe“, sagt der Ingenieur.

Zweite Offensive am Hofgut Rengoldshausen

Am Dienstag startete Hueber nun eine zweite Offensive und lud zur Probefahrt auf dem Hofgut Rengoldshausen ein. Der Konstrukteur hatte die Gmünder Elektrobahn in Überlingen vom TÜV abnehmen lassen. Er sagt: „Bei unserem TÜV sitzen dafür die richtigen Koryphäen, so wurde der Ortstermin möglich. An Bord waren die Frauen des Überlinger Trachtenbunds um Renate Lohr sowie weitere große und kleine Fahrgäste.

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Auch Gemeinderäte unter den Fahrgästen

Auch das Interesse des Überlinger Gemeinderats war groß. Marga Lenski von der LBU/die Grünen sprach von einer Unterstützung von Anfang an für das tolle Projekt.

„Verkehrsentlastung der Überlinger Innenstadt“

Umso weniger versteht der Überlinger Ingenieur die bisherige Zurückhaltung seiner Heimatstadt. „Niemand fühlt sich hier verantwortlich und das ist so eine Überlinger Spezialität“, schmunzelt Hueber. Er sieht in seiner Wegebahn nicht nur ein zusätzliches und ökologisch sinnvolles Transportmittel auf dem weitläufigen Gelände der Landesgartenschau, sondern für die Zukunft auch ein adäquates Mittel zur Verkehrsentlastung der Überlinger Innenstadt.

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LGS-Geschäftsführer: Charmant, aber zu wenig Sitzplätze

Roland Leitner, Geschäftsführer der Überlinger Landesgartenschau (LGS), machte am Dienstag in Huebers Bahn eine Probefahrt Richtung Gewächshaus. Der LGS-Chef erklärte, er sehe zwar eine charmante Möglichkeit eines „Hop-On, Hop-off“-Betriebs zwischen den weit auseinanderliegenden LGS-Stationen, wie Uferpark und Villengärten. Aber das Sitzplatzangebot sei nicht ausreichend für den zu erwartenden Besucherstrom.

Unterstützung aus dem Überlinger Gemeinderat wünscht sich Fahrzeug-Konstrukteur Eric Hueber (Mitte), damit seine Bahn auch in Überlingen Fahrt aufnehmen kann. Bei der Probefahrt drehten auch Marga Lenski (LBU/die Grünen) und Robert Dreher (Freie Wähler) eine Runde in der Wegebahn.
Unterstützung aus dem Überlinger Gemeinderat wünscht sich Fahrzeug-Konstrukteur Eric Hueber (Mitte), damit seine Bahn auch in Überlingen Fahrt aufnehmen kann. Bei der Probefahrt drehten auch Marga Lenski (LBU/die Grünen) und Robert Dreher (Freie Wähler) eine Runde in der Wegebahn. | Bild: Stef Manzini

Transportalternativen für Landesgartenschau im Gespräch

Die LGS könne für eine solche Bahn nur als Treiber dienen, nicht als Betreiber, betonte Leitner. Die Stadt Überlingen müsse diese Bahn dann auch aus Kostengründen dauerhaft in ihr Konzept aufnehmen. Im Zuge der LGS seien aber auch andere Transportalternativen im Gespräch, wie Wassertaxis, erklärte Leitner im Gespräch auf dem Hofgut.

Hueber: Steigungen wie Gradeberg kein Problem

60 Sitzplätze bietet Huebers Elektro-Bahn, bestehend aus Zugmaschine und zwei Anhängern. Für den Betrieb außerhalb eines geschlossenen Geländes braucht der Fahrer einen großen Busführerschein. Die Bahn läuft 25 Stundenkilometer, laut Hueber sind Steigungen wie der Überlinger Gradeberg kein Problem. Die Anschaffungskosten seines Fahrzeugs belaufen sich auf etwa 100 000 Euro, zuzüglich 25 000 Euro pro Anhänger.

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Schwäbisch Gmünd setzt zwei Züge als „Naturbähnle“ ein

Die Touristik und Marketing GmbH in Schwäbisch Gmünd übernahm zwei der sechs Züge vom Erstbesitzer, der dortigen Landesgartenschau, wie Hueber erklärt. „Hier hatte der Wirtschaftsförderer den Auftrag vom OB, das zu organisieren, und er hat es quasi zu seinem Baby gemacht. Jetzt wollen die Gmünder meine Elektrobahn nicht mehr hergeben“, sagt Hueber. Unterstützt wird die Gmünder Bahn durch Sponsoring der dortigen Stadtwerke und trägt daher den Namen „Naturbähnle“, bezogen auf den Naturstrom. Der Gmünder Wirtschaftsförderer habe auch Fördermittel beim Umweltministerium Baden-Württemberg beantragt und erhalten.

LGS: Noch keine konkrete Anfrage von Hueber

Dagegen teilte Petra Pintscher von der LGS GmbH mit, dass auch in anderen Städten die LGS GmbH kein derartiges Bähnchen selbst betrieben habe: „Die LGS kann keine Busse, Schiffe oder anderes finanzieren. Dies wurde nach außen immer so kommuniziert. Eine konkrete Anfrage von Herrn Hueber, ob und wie ein Betreibermodell in irgendeiner Form unterstützt werden kann, liegt bislang nicht vor.“