Keiner freut sich, wenn er vor einer verschlossenen Kirche steht – ob es Gläubige, Kultur- oder Architekturinteressierte sind. Bei der Überlinger Auferstehungskirche war dies jedoch bislang der Fall. Im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Kirche beschloss die evangelische Kirchengemeinde aber die Öffnung des zentral gelegenen Gotteshauses in die Stadt. Dieses soll künftig nicht nur Raum für Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen, Andachten und stille Gebete sein, sondern zugleich eine Stätte für Musik- und Kulturveranstaltungen. Dies alles sind Gründe, weshalb die Kirchengemeinde schon seit dem ersten Adventssonntag die Türen täglich öffnet. Derzeit entriegelt eine automatische Schließanlage den Zugang von 9 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag. Im Sommer werden die Öffnungszeiten auch länger sein und sich an der Tageshelligkeit orientieren.

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„Wir haben schon vorher immer wieder Anrufe von Menschen bekommen, die danach gefragt hatten“, erklärt Dekanin Regine Klusmann, „und wir sind froh, dass dies jetzt möglich ist.“ Ein Grund mag für die Dekanin auch sein, dass die Sanierung und Erweiterung der Kirche bei ab der jüngsten Kür der „beispielhaften Baumaßnahmen“ durch die Architektenkammer zu einem von 14 ausgezeichneten Projekten im Bodenseekreis gehört. Im westlichen Kreis sind dies noch das Bürgerhaus in Owingen, das Seniorenzentrum in Frickingen sowie die Turnhalle von Schloss Salem und der Naturerlebnispark am Salemer Schlosssee. Benannt wurden die Beispiele für gute Architektur schon im Oktober, offiziell gekürt werden die Preisträger allerdings erst am 5. Februar im Owinger Kultur|O. Klusmann: „Einige haben das wohl schon gelesen und sind neugierig geworden. Das freut uns natürlich.“

So haben die katholischen Kirchen geöffnet

Während der freie Zugang bei der Auferstehungskirche neu ist, ist dieser beim katholischen Münster schon immer möglich. Hier sorgt Mesner Markus Korn mit seinem Schlüssel dafür, dass das Gotteshaus von 8 bis 18 Uhr offen steht. Bei der Franziskanerkirche haben Besucher von 9 bis 17 Uhr Zutritt.

Mit der Öffnung der Auferstehungskirche einher ging auch ein neues Angebot, das Klusmann jeweils mittwochs von 12 Uhr bis 12.30 Uhr macht und noch nicht überall bekannt ist. Unter dem Stichwort „Zeit für Stille“ lädt sie zu einem liturgischeneinem einem Gebet ein. „Meistens kamen bislang eine Handvoll Menschen“, sagt die Pfarrerin, „mal sind es ein paar mehr, mal weniger.“ Selbst wenn keiner kommt, will Regine Klusmann das Ritual beibehalten. „Dann mache ich es eben alleine. Es gibt immer Menschen, für die man beten kann.“ Doch freut sie sich über alle, die diese Gelegenheit zur Besinnung nutzen.

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Ansonsten ist die Sanierung des Gotteshauses inzwischen weitgehend abgeschlossen. Das umfangreiche Projekt hatte sich aus verschiedenen Gründen am Ende doch merklich verzögert. Erhoffte hatte sich die Gemeinde die Eröffnung schon am 1. Adventssonntag im Jahr 2017 – dem Jubiläumsjahr der Reformation. Schließlich passte der Name Auferstehungskirche auch ganz gut, um den Sakralbau am Ostersonntag 2018 im Beisein des Landesbischofs feierlich seiner Bestimmung zu übergeben. Einige Gewerke mussten auch anschließend noch nachgearbeitet werden. Doch mit der Adventszeit waren auch diese Baumaßnahmen abgeschlossen.

Kostensteigerung von 10 bis 15 Prozent

„Auch der Aufzug funktioniert jetzt gut“, betont Klusmann, nachdem es an diesem wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit immer wieder Probleme gegeben hatte. Optimiert ist inzwischen die akustische Anlage, die in mehreren Schritten an den neuen Raumklang angepasst werden musste, um gute Verständlichkeit zu erreichen. Jetzt fehlt nur noch die neue Gartengestaltung hinter der Kirche, die als LGS-Plus-Projekt anerkannt ist. Die Verzögerungen und unerwartete Überraschungen haben auch zu einer Kostensteigerung des auf 2 Millionen Euro kalkulierten Vorhabens geführt. So offenbarte sich etwa erst im Lauf der Arbeiten der marode Dachstuhl. Die Dimensionen der Kostensteigerung schätzt Klusmann im Moment auf 10 bis 15 Prozent.

Eigentlich war geplant, den Vorplatz der Kirche an der Christophstraße als Mosaikstein zu Verkehrberuhigung umzugestalten. Die ...
Eigentlich war geplant, den Vorplatz der Kirche an der Christophstraße als Mosaikstein zu Verkehrberuhigung umzugestalten. Die Neugestaltung liegt aber vorerst auf Eis. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Gestaltung des Vorplatzes liegt auf Eis

  • Die Stadt und die Kirchengemeinde haben ein gemeinsames Interesse daran, den Vorplatz der Auferstehungskirche in den öffentlichen Raum zu integrieren, den Verkehrsfluss zu dämpfen und damit für mehr Aufenthaltsqualität zugunsten der Fußgänger zu sorgen. Verschiedene Entwürfe und Vorschläge wurden in den letzten Jahren diskutiert, die nach Abschluss der Baustelle realisiert werden könnten. Die jüngste Beratung des Verkehrsausschusses datiert vom November 2017. Damals hatte das Tiefbaumt die Kosten mit rund 140 000 Euro beziffert. Aufgrund der Flächenanteile müsste die Kirchengemeinde 20 Prozent davon tragen.
  • Doch vorläufig liegt das Vorhaben auf Eis – was allen Beteiligten gar nicht so unrecht ist, wie auch Baubürgermeister Matthias Längin in einer Sitzung der Verkehrsausschusses im Herbst 2018 deutlich machte. Vor dem Hintergrund der zahlreichen anderen Baustellen komme der Verwaltung die Zurückhaltung der Kirchengemeinde ganz gelegen. Noch ist auch nicht endgültig über die Gestaltung entschieden. Die vorgesehene Pflasterung soll sich zum einen an den Anforderungen der Straßenverkehrsordnung und des Verkehrs orientieren, vor allem aber zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Passanten beitragen. „Da muss man sich noch einmal intensiv Gedanken darüber machen“, betont Regine Klusmann.
  • Drängeln will die Dekanin derzeit auch aus anderen Gründen nicht. „Wir haben noch keine endgültige Kostenabrechnung für die Kirchensanierung“, erklärt Regine Klusmann. Die werde den Ansatz vermutlich um 10 bis 15 Prozent überschreiten. „Da erschiene es uns im Moment noch etwas verwegen, weiteres Geld für die Kostenbeteiligung der Kirche zu verplanen“, betont sie. Immerhin wären es voraussichtlicht rund 30 000 Euro. (hpw)