Bei der Vernissage im Faulen Pelz gab es viel Lob für die Künstler und ein bisschen Kritik in Richtung Kulturamt. Nach einem Jahr Pause freute sich Kornelius Otto, Vorsitzender des Internationalen Bodensee Clubs (IBC), wieder eine Winterausstellung der Überlinger Sektion eröffnen zu können. „Dalí war ein gewisser Ersatz, aber nun gibt es wieder Kunst im Original zu sehen“, sagte Otto.

Gleichzeitig bedauerte er, dass die Schau nur bis zum 6. Januar in den Räumen zu Gast sein wird. Erfreulich sei die sehr gelungene Hängung der 90 Arbeiten von 49 Künstlern, darunter einige neue IBC-Mitglieder. Im Vorgespräch betonte Otto, dass alle hier vertretenen Künstler sich zweimal einer Jury stellen mussten: Erst bei der Aufnahme in den Club und erneut bei der Auswahl der eingereichten Arbeiten für diese Ausstellung.

„Tag(Ge)schichten“ und „Nacht(Ge)schichten“ hat Walter Zepf seine Skulpturen aus Eisendraht genannt. Sie finden, wie viele gezeigte Werke, farblich oder formal korrespondierende Gegenstücke in der Nachbarschaft. In diesem Jahr sind auch einige neue Künstler mit ihren Arbeiten vertreten.
„Tag(Ge)schichten“ und „Nacht(Ge)schichten“ hat Walter Zepf seine Skulpturen aus Eisendraht genannt. Sie finden, wie viele gezeigte Werke, farblich oder formal korrespondierende Gegenstücke in der Nachbarschaft. In diesem Jahr sind auch einige neue Künstler mit ihren Arbeiten vertreten. | Bild: Sabine Busse

Als Vertreterin der Stadt begrüßte Stadträtin Kristin Müller-Hausser die Gäste. Diese waren so zahlreich erschienen, dass die Sitzplätze nicht für alle reichten. Nach ihrem Lob für die hohe Qualität der Arbeiten, wünschte sie sich künftig mehr junge Teilnehmer bei den Künstlern, als auch auf Seiten des Publikums.

In ihrer Laudatio pries Ulrike Niederhofer die künstlerische Vielfalt, die sich in unterschiedlichen Handschriften, Techniken und Materialien sowie zwei- und dreidimensionalen Werken ablesen ließe. „Künstler suchen nach Individualität, was sich in den hier gezeigten Arbeiten bestätigt.“ Laut Niederhofer folgten, wie allgemein zu beobachten, auch die regionalen Künstler keinem Trend, sondern blieben sich und ihrer Richtung treu, nicht ohne sich im eigenen Spektrum weiterzuentwickeln.

Zuviel Selbstdarstellung und Selfies?

Ferner ging sie auf die selten gewordene Darstellung des Menschen ein und nannte einige Ausnahmen wie die verhüllten Köpfe von Cirsten Widenhorn, die mit Aquarellstiften gezeichneten Frauen von Reinhard Wolters oder den Bronzekopf von Hannelore Bucher. Als mögliche Ursache, warum sich Künstler heute mehr mit der menschenleeren Fläche, unbewohnten Häusern oder abstrakten Farbsinfonien beschäftigten, vermutet sie in der Übersättigung in einer von Selbstdarstellung und Selfies dominierten Welt.

Vielfalt der Kunst in der Region

Bis Anfang Januar können sich die Besucher nun selber einen Eindruck verschaffen, wie vielfältig die Kunst in der Region ist. Die sei zudem käuflich, betonte Otto und warb für den Erwerb eines Originals, das die Aura des Künstlers in sich trage.

Für die musikalische Untermalung der Vernissage sorgten Ulrike Hethey und Bernhard Rißmann mit vielfältigen Klängen. Die Eröffnung war so gut besucht, dass nicht alle Gäste einen Sitzplatz fanden.
Für die musikalische Untermalung der Vernissage sorgten Ulrike Hethey und Bernhard Rißmann mit vielfältigen Klängen. Die Eröffnung war so gut besucht, dass nicht alle Gäste einen Sitzplatz fanden. | Bild: Sabine Busse

Joanna Klakla folgt auf Martina Fischer

Neue Leiterin der Sektion Bildende Kunst im IBC ist Joanna Klakla. Nach dem kurzfristigen Ausstieg von ihrer Vorgängerin Martina Fischer, die seit 2017 im Amt war, übernahm Klakla im Mai die Aufgaben kommissarisch und im September offiziell.

Joanna Klakla ist neue Leiterin der Sektion Bildende Kunst.
Joanna Klakla ist neue Leiterin der Sektion Bildende Kunst. | Bild: Sabine Busse

Joanna Klakla wurde 1971 in Krakau, Polen, geboren, wo sie ein Studium für Holzschnitt und Kunsterziehung absolvierte. Seit 2002 lebt die freischaffende Künstlerin am Bodensee. Sie malt, stellt Druckgrafiken sowie Collagen her. Seit 2006 unterrichtet sie zudem an der Jugendkunstschule Bodenseekreis in Meersburg. Die Mutter von drei Kindern spricht vier Sprachen und setzt in ihrer neuen Funktion vor allem auf Teamwork. „Mein Ziel ist es, besser gemeinsam zu arbeiten und die Aufgaben zu verteilen“, erläutert sie.

So habe sie Teams für verschiedene Aufgaben zusammengestellt. „Der Verein ist eine Plattform für alle“, betont sie. „Ich will und kann nicht alles selber machen.“ Viel sinnvoller sei es, so die Künstlerin weiter, die unterschiedlichen Fähigkeiten der Mitglieder optimal einzusetzen und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Um das zu erreichen setzte sie auf eine gute Kommunikation.