Überlingen – Über ein Leitsystem für die Autofahrer spricht die Stadt seit rund einem Jahrzehnt und immer dann, wenn es um das Thema Verkehrsberuhigung geht. Mehrfach wurde die Einführung verschoben, ab Ostern soll es nach Aussagen von Baubürgermeister Matthias Längin den Parkplatz suchenden Autofahrern nun den rechten, vor allem kürzesten Weg weisen.

Auch die Fußgänger werden ein neues Stadt-Leitsystem bekommen, das bedarfsgerecht beschriftet und ästhetisch anspruchsvoll gestaltet ist. Das Konzept entwickelte die Überlingen Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT) mit dem Institut für Stadt- und Regionalmanagement (ISR) aus München, die Gestaltung mit der Sipplinger Agentur Blateral.

Wo nicht genug Platz ist, bleibt es bei Metallstangen mit Fahnen

Nur an Engstellen sollen weiterhin solche Wegweiser stehen.
Nur an Engstellen sollen weiterhin solche Wegweiser stehen. | Bild: Bildmontage ÜMT/Blateral

An die Stelle der bisherigen fahnenartigen Wegweiser an Metallstangen sollen überwiegend auf dem Boden verankerte Stelen in Anthrazit treten, die mit den wichtigsten Zielen beschriftet sind. ÜMT-Geschäftsführer Jürgen Jankowiak erklärt: Wo nicht genügend Platz sei, die Fußgänger jedoch wichtige Informationen benötigten, "dort sollen in Ausnahmefällen noch Wegweiser in ähnlicher Form wie heute stehen." Als Beispiel dafür nennt er die enge Spitalgasse, während am Landungsplatz, auf der Hofstatt oder in der Münsterstraße die breiteren Stelen genügend Platz hätten und gestalterische Akzente setzen könnten.

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Grundlage für die Veränderungen hat die Stadt Überlingen gemeinsam mit der ÜMT und dem Institut für Stadt- und Regionalmanagement geschaffen, das die aktuelle Situation schon 2016 analysierte und das neue Konzept für eine tourismusrelevante Beschilderung entwickelte. Ausgehend von den wichtigen Ankunftspunkten der Gäste und den zu beschildernden Zielen wurden die Standorte und die Schilderinformationen festgelegt. "Hier gibt es bislang kein festgelegtes Konzept für ein Leitsystem und es fehlt auch ein Kümmerer, der die Beschilderung regelmäßig prüft und aktualisiert", betont Jürgen Jankowiak.

So sehen die aktuellen Wegweiser aus.
So sehen die aktuellen Wegweiser aus. | Bild: Hanspeter Walter

Mängel: Schilder überladen, versteckt und uneinheitlich

Als markante Mängel, die von dem beauftragten Institut diagnostiziert worden waren, nennt der ÜMT-Geschäftsführer, dass die Schilder teilweise mit zu vielen Zielen überladen seien, diese bisweilen versteckt oder ungünstig positioniert seien und kein einheitliches Corporate Design hätten. Auch manche Details fielen den Fachleuten auf: Manche Ziele seien doppelt beschildert, zudem gebe es verschiedene Schreibweisen.

Hinweise an 55 Standorten in der Innenstadt

Um der Gefahr eines Schilderwalds vorzubeugen, sagt Jankowiak, habe man im vorläufigen Entwurf 26 Ziele festgelegt und in die Beschilderung aufgenommen. Für jedes Ziel wurde eine Routenführung definiert: Die möglichen Wegeverbindungen zum Ziel wurden geprüft und ausgewählt. Aus diesen Wegeverbindungen ergaben sich die notwendigen Standorte für die Beschilderung der Ziele mit Stelen und Wegweisern – insgesamt sind es rund 55 Standorte in der Innenstadt.

Übersichtspläne mit Orientierungspunkten

An den festgelegten Ausgangspunkten, unter anderem Landungsplatz, Bahnhöfe und Parkhäuser, wird jeweils ein Übersichtsplan der Innenstadt mit den wichtigsten Orientierungspunkten installiert. Für eine "Vorwegweisung" wurden die Ziele Altstadt und Uferpromenade als Sammelbegriff gewählt. Dieses Ziel wird ab dem Ausgangspunkt angegeben und dann in der Nähe des Zieles weiter differenziert, beispielsweise durch Münster St. Nikolaus oder Rathaus. "Es handelt sich überwiegend um Ziele, die für Besucher unserer Stadt und Touristen zur Orientierung wichtig sind", betont Jürgen Jankowiak.

Gesamtkosten liegen bei 112 000 Euro

Die Gesamtkosten für das neue Leitsystem liegen nach Angaben der ÜMT bei rund 112 000 Euro. Darin enthalten sind die Konzeption der Beschilderung, die Begleitung mit Festlegung von Zielen und Standorten, die Gestaltung des Stadtleitsystems sowie die Produktion und Montage der Stelen, Übersichtspläne und Wegweiser. "Die Stadt hat einen Förderantrag für eine Bezuschussung des Projektes nach dem Tourismusinfrastrukturförderprogramm Baden-Württemberg eingereicht", erklärt der ÜMT-Geschäftsführer. Die beantragte Zuwendung betrage 50 Prozent der Kosten. Die Ausschreibung für die Produktion der Stelen, Wegweiser und Übersichtspläne kann erst nach der Förderzusage erfolgen. Die Montage des Leitsystems soll spätestens zum Jahreswechsel 2019/2020 abgeschlossen sein.

Informationstafeln an historischen Gebäuden

Während die neuen Orientierungshilfen für Fußgänger und Autofahrer noch in der Mache sind, hat der Münsterbauverein Überlingen nicht zuletzt auf Initiative von Friseurmeister Rainer Wilbert bei einer Beschilderung von Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten schon erste Nägel mit Köpfen gemacht. "Schon seit fast 20 Jahren habe ich immer wieder darauf gedrängt und nicht locker gelassen", sagt Wilbert, der mit Bernd Kuhn vom Überlinger Münsterbauverein einen Mitstreiter gefunden hatte.

Dem Verein gehört das "Haus Hölle" an der Ecke zur Münsterstraße, in dem Wilbert seinen Salon hat. Die ersten beiden Schilder weisen in der Münsterstraße auf die Geschichte dieses Hauses hin und darauf, wie es als frühere Kneipe eines Anton Teufel zu seinem Namen im Volksmund gekommen ist. Das zweite Schild ist neben dem darüber gelegenen Eingang zum Haus angebrecht und gibt Informationen zur Entstehung und Bedeutung des zum Nikolaus-Münster gehörenden Ölbergs über der Münstertreppe. Er wurde erst jetzt restauriert und erscheint in neuer Pracht.

Unterdessen freut sich Rainer Wilbert über die ersten Früchte seiner Initiative: "Es wäre schön, wenn dies eine Initialzündung für die Stadt und andere Hausbesitzer sein könnte."