Gut Ding will Weile haben, heißt es. Schon im Januar 2012 hatten die Stuttgarter Architekten der Neuapostolischen Gemeinde in der Breitlestraße das Modell der geplanten Kirche erstmals öffentlich vorgestellt. An der Silhouette hat sich kaum etwas geändert, wenn man auf den fertigen Bau blickt, in der Bauweise schon. Der symbolische Spatenstich war im März 2017, ein Jahr später feierte die Gemeinde Richtfest. Am kommenden Sonntag, 28. Oktober, um 9.30 Uhr soll das markante Gotteshaus, das zugleich das Gemeindezentrum und Versammlungsstätte ist, nun feierlich seiner Bestimmung übergeben werden.

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Budget für den Bau war gedeckelt

Auf 3,5 Millionen Euro war das Budget für die Kirche 2012 gedeckelt. "Doch wir hoffen, dass wir mit etwas weniger auskommen", hatte Katrin Klenk, Architektin und Projektleiterin, damals optimistisch formuliert. Trotz überhitzter Baukonjunktur und steigender Preise scheint das ehrgeizige Ziel erreicht. Allerdings waren dazu manche Änderungen bei der Ausführung erforderlich, die man dem Sakralbau jedoch optisch nicht ansieht. Aus der finanziellen Selbstbeschränkung machte die Neuapostolische Gemeinde quasi eine Tugend. "Der Rohbau wurde nicht – wie ursprünglich geplant – aus Beton, sondern in einer leichteren Holzständerbauweise errichtet", erläutert Gerhard Reinhold, Gemeindemitglied und selbst Pastor im Ruhestand. "So hoffen wir, mit 2,8 Millionen Euro auszukommen."

Außen dunkel, innen sehr hell: Dieser Idee fühlten sich die Stuttgarter Architekten verpflichtet, die die Pläne für das multifunktionale Gemeindezentrum erstellten.
Außen dunkel, innen sehr hell: Dieser Idee fühlten sich die Stuttgarter Architekten verpflichtet, die die Pläne für das multifunktionale Gemeindezentrum erstellten. | Bild: Hanspeter Walter

Von außen sieht man das dem Bauwerk nicht an, das mit seinen dunklen geschlossenen Körpern nicht nur einen architektonischen Akzent setzt, sondern auch Würde ausstrahlt, wie Reinhold beim Blick auf die Schuppenfassaden sagt, die zumindest Assoziationen zu Schindeldächern wecken. Hell und lichtdurchflutet sind die Innenräume aufgrund der verglasten seitlichen Front und mehrerer Oberlichter.

Gemeinde hat derzeit rund 200 Mitglieder

"Für Überlingen alleine wäre die Kirche überdimensioniert", erläutert Gerhard Reinhold. "Doch die Gemeinde strahlt in das Umland aus und hat derzeit knapp 200 Mitglieder." Als Standort für einen Neubau habe vor einigen Jahren auch noch Konstanz zur Diskussion gestanden, wo es ebenfalls eine große Gemeinde gibt. Doch am Ende habe die bessere Erreichbarkeit Überlingens aus dem großen Einzugsgebiet am nördlichen Seeufer den Ausschlag gegeben. Neben dem Kirchenraum, der im Normalfall 150 Gläubige fasst, gibt es weitere Versammlungsräume, die sich bei Bedarf angliedern lassen. So entsteht ein veritables Kirchenschiff.

Die Kosten für den Neubau werden ausschließlich aus Spenden gedeckt. "Wir könnten unsere Mitglieder im Grunde ebenfalls zur Kirchensteuer veranlagen lassen", sagt Reinhold. Doch verzichte man darauf bewusst und setze stattdessen ausschließlich auf Spenden.

"In einer Zeit, in welcher man mehr darüber hört, dass christliche Kirchen umgewidmet, profaniert oder abgerissen werden, ist der Neubau ein schönes gemeinsames Zeichen für alle Christen", sagt Daniel Müller, Gemeindevorsteher.
"In einer Zeit, in welcher man mehr darüber hört, dass christliche Kirchen umgewidmet, profaniert oder abgerissen werden, ist der Neubau ein schönes gemeinsames Zeichen für alle Christen", sagt Daniel Müller, Gemeindevorsteher.

"In einer Zeit, in welcher man mehr darüber hört, dass christliche Kirchen umgewidmet, profaniert oder abgerissen werden", sagt Gemeindevorsteher Daniel Müller in seinem Grußwort zur Eröffnung, "ist der Neubau ein schönes gemeinsames Zeichen für alle Christen." Müller ist in Uhldingen-Mühlhofen zuhause und im Hauptberuf Rechtsanwalt. Die Gemeinde wünsche sich, "dass jeder, der das Gotteshaus betritt, Ruhe und Frieden in seinem Inneren erleben kann."

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