Man sollte die Bedeutung eines Narrenbaumlochs nicht zu gering schätzen. In neuen Bebauungsplänen der Region darf es nicht vergessen werden, schließlich spielt es eine existenzielle Rolle für das gesellschaftliche Leben und das örtliche Brauchtum. Doch nicht nur beim Mummenschanz zur Fastnachtszeit ist es relevant, wenn der Narrenbaum von den Zimmermanngilden unter größter Anteilnahme der Mäschgerle mit großer Routine ins Lot gebracht wird.

Loch auch für Weihnachtsbaum

Was meist gar nicht auffällt: Genutzt wird es auf der Hofstatt auch für den großen Weihnachtsbaum, der vom städtischen Betriebshof allerdings in aller Ruhe und ohne viel Aufhebens aufgestellt und mit elektrischen Lichterketten bestückt wird. Zur Fastnachtszeit wird die Vertiefung gerade mal sechs Tage gebraucht, zur Weihnachtszeit schon mal sechs Wochen. Die meiste Zeit des Jahres ist das Narrenbaumloch verschlossen und mit profanen Metallplatten abgedeckt, die nichts über Sinn und Zweck der Einrichtung verraten.

Deckel soll von Sinn und Zweck des Orts erzählen

Hier setzen nun die Überlegungen der Überlinger Narrenzunft an, die die unauffällige Vorrichtung zwischen den Pflastersteinen beim Susobrunnen ästhetisch und zugleich optisch informativ aufwerten will – durch neue Deckel, die etwas mehr über Sinn und Zweck des Ortes verraten. Da fügt es sich als glücklicher Umstand, dass die Abdeckung vierteilig ist und eine Assoziation an den Viererbund auf dem Silbertablett serviert.

Die Figuren des Viererbundes (Überlinger Hänsele, Rottweiler Federahannes, Elzacher Schuttig und Oberndorfer Hansel) werden auf den Metallplatten verewigt.
Die Figuren des Viererbundes (Überlinger Hänsele, Rottweiler Federahannes, Elzacher Schuttig und Oberndorfer Hansel) werden auf den Metallplatten verewigt. | Bild: Stefan Hilser

Fertigstellung zum 20. Treffen des Viererbunds

Und da nun nächstes Jahr mit dem Jubiläumsnarrentag das 20. Treffen des erlauchten Kreises aus Elzach, Oberndorf, Rottweil und Überlingen in der Stadt steigt, soll die Abdeckung bis zu diesem Fest die wichtigsten Figuren der vier Städte tragen.

Narreneltern stellen Idee im Ratsausschuss vor

Den Narreneltern Thomas Pross und Wolfgang Lechler war es vorbehalten, dieses Projekt der Stadt und ihren Gremien anzutragen. Im Ausschuss für Bildung und Kultur stellten sie ihre Idee und erste Entwürfe für die Optik der Metallreliefplatten vor. Da die Finanzierung des Vorhabens von der Narrenzunft mit Unterstützung des Viererbunds geleistet wird und an der Stadt keinerlei Kosten hängen bleiben sollen, fiel dem Gremium die Zustimmung recht leicht. Allerdings muss die Zunft der Stadt und dem Betriebshof vor der Montage die Tragfähigkeit und die Vermeidung der Rutschgefahr für Passanten nachweisen.

Neue Optik auch Attraktion für Stadtführungen

„Die Umgestaltung des Narrenbaumloches soll eine Aufwertung und ein sichtbares Zeichen der traditionellen Überlinger Fastnacht zur Zugehörigkeit des Viererbundes fur Einheimische, Gäste und Touristen werden“, begründete Narrenvater Thomas Pross das Vorhaben. Die neue Optik wäre auch eine ganzjährige Attraktion im Rahmen der Stadtfuhrungen, warb er. Immerhin werde die Geschichte der Stadt Überlingen seit uber 500 Jahren von der traditionellen Überlinger Fastnachtskultur mitgeprägt, betonte Pross.

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Einsetzung am 24. Januar geplant

Die neu gestalteten Reliefplatten sollen zur Ausstellungseröffnung der Glanzjahresausstellung im Faulen Pelz unter dem Titel „Schwäbisch-Alemannische Fastnacht in Überlingen – Elzach – Oberndorf – Rottweil“ am Freitag, 24. Januar feierlich eingesetzt werden. Nicht fehlen darf hier der Freiburger Fastnachtskenner, Historiker und Buchautor Werner Mezger, der die Ausstellung im Rahmen der 1250-Jahre-Feier mit einem Festvortrag im Faulen Pelz eröffnen wird.

Fräsmaschine bringt Bilder aufs Metall

Einen Vorentwurf der gezeichneten Larven hatte Narrenvater Thomas Pross dem Ausschuss zur Ansicht vorgelegt. Nach der Übertragung auf die Abdeckungen werden sie dort etwa in Originalgröße zu sehen sein. Derzeit werden die Feinzeichnungen angefertigt, deren Daten auf eine Fräsmaschine übertragen und aus der Metallplatte herausgearbeitet werden. Dies sei eine gewisse technische Herausforderung, sagt Pross: „Doch wir hoffen, dass das gut klappt.“

Kulturausschuss befürwortet Antrag einstimmig

Der Kulturausschuss zeigte sich sehr angetan von der Idee und befürwortete den Antrag einstimmig. Lediglich die Vorskizze des Überlinger Hänsele beschwor einen Kommentar aus dem Gremium herauf. Der fastenerfahrenene FDP-Stadtrat Raimund Wilhelmi konnte sich die Anmerkung nicht verkneifen, dass ausgerechnet der Hänsele etwas füllig und wohlgenährt dargestellt sei. Doch Narrenvater und Zeichner Thomas Pross stellte in Aussicht, dass das Original schlanker ausfallen werde.