"Irgendwie sieht der jetzt räudig aus", meint eine Passantin auf der Hofstatt und blickt nach oben. Über Nacht hat der 23 Meter lange Narrenbaum sein Aussehen verändert, ihm fehlt seit Montagmorgen die Krone.

Da werden Erinnerungen an vergangenes Jahr wach, als die Feuerwehr den damaligen Narrenbaum wegen eines heranziehenden Sturms sichern und einen Großteil der Äste aus der Krone absägen musste. Aber dieses Mal war die Feuerwehr nicht involviert, wie auf Anfrage bestätigt wird.

Die abgesägte und zersägte Krone beim Werkhof.
Die abgesägte und zersägte Krone beim Werkhof. | Bild: Dieter Leder

Die vier bis fünf Meter lange Krone jedenfalls lag am Montagmorgen neben dem Narrenbaum. Allerdings hat kein Windstoß oder Unwetter die Krone abgebrochen, dafür waren die Wetterbedingungen zu ruhig. Die Krone ist auch nicht abgebrochen, wie es zu vermuten wäre, stattdessen wurde die Krone in 20 Metern Höhe glatt abgesägt.

Doch wer dafür verantwortlich ist, ist nicht bekannt. "Wir tappen alle noch im Dunkeln", fasst Wolfgang Schöllhorn am Montagmittag den aktuellen Stand der Erkenntnisse zusammen. Der Gildemeister der Zimmermannsgilde ist ratlos. Obwohl er schon eine Vermutung hat. Denn dass das Absägen der Krone just mit der Fällung der Platanen auf dem Landesgartenschaugelände zusammenfällt, könne kein Zufall sein. Schöllhorn spricht humorvoll von militanten Baumgegnern. Doch das ist nur eine Vermutung, ein Bekennerschreiben liegt bislang nicht vor.

Auch wenn ihm an diesem Tag nicht zum Lachen ist, ist Rolf Briddigkeit von der BÜB dennoch über so viel Humor amüsiert: "Schuld und Ehre liegen in diesem Fall nah beieinander." So darf weiter spekuliert werden, wer hinter der Aktion steckt. Der Täterkreis lässt sich zumindest eingrenzen, denn nicht jeder Mann oder jede Frau kann den glattes Stamm emporklettern und in mehr als 20 Metern Höhe noch freihändig und gefahrlos die Krone absägen.

Die Mitarbeiter des Werkhofs haben die abgesägte Krone noch am Morgen eingesammelt und zum Werkhof gebracht – und zersägt. Für die Krone ist die Fasnacht damit vorbei, und für den räudigen Narrenbaum sind die Stunden langsam aber sicher auch gezählt: Spätestens am Aschermittwoch wird auch er gefällt – und zersägt.