Als Carl Fahr und seine Frau am Montag die Nachrichten hörten, trauten sie erst ihren Ohren nicht. Auf der Neuseeländischen Insel White Island ist ein Vulkan ausgebrochen. Menschen wurden getötet. Dass sich auf der Insel überhaupt jemand aufhalten würde, hatten die Fahrs damals nicht gedacht, als sie mit einem Containerschiff die Insel passierten.

Carl Fahr gehörten die Containerschiffe einst, mit denen er als Rentner Reisen um die Welt nahm.
Carl Fahr gehörten die Containerschiffe einst, mit denen er als Rentner Reisen um die Welt nahm. | Bild: Carl Fahr

Das war am 14. Februar 2013. Carl Fahr investierte Geld in den Bau von Containerschiffen, wie er berichtete. Nach seiner Pensionierung und seinem Umzug nach Überlingen wollte er die Welt bereisen. So verwirklichte er, was während des aktiven Berufslebens nicht möglich war, seinen Traum und reiste mit Containerschiffen einmal um die Welt.

Die Reise erfolgte in westlicher Richtung, wie Fahr berichtet. Er durchquerte den Panamakanal, machte Station in San Francisco und Hongkong, auf dem Rückweg ging es über den Suezkanal bis nach Rotterdam. Von einer späteren Reise, ebenfalls auf einem Containerschiff, berichtet diese Reise, die Fahr in seinem Reisetagebuch vermerkte:

Der Vulkan, der jetzt explodierte, zeigte damals schon seine Rauchschwaden.
Der Vulkan, der jetzt explodierte, zeigte damals schon seine Rauchschwaden. | Bild: Carl Fahr

„Nach einer weiteren eintägigen Seefahrt erreichten wir am 14. Februar abends Tauranga. Auf dem Weg nach Tauranga passierten wir in der Bay-of-Plenty gegen Mittag die kleine Insel White Island, einen aktiven Vulkan, aus dessen Krater stoßweise Dampfsäulen aufstiegen und sich am strahlend blauen Himmel über der Insel zu einer weithin sichtbaren Wolke verdichteten.“ Sein Tagebucheintrag liest sich wie die Ankündigung des Vulkanausbruchs, der am Montag ausbrach.

Das könnte Sie auch interessieren

Carl Fahr schrieb damals: „Am späteren Nachmittag konnten wir in der Ferne das berüchtigte Riff erkennen, das durch die Havarie des Containerschiffs ‚RENA‘ weltweit bekannt wurde. An der Unglücksstelle waren immer noch Arbeitsschiffe zu sehen. Ganz deutlich auch ein größeres Wrackteil, das von gelben Bojen markiert rostig-braun aus dem Wasser ragte.“

Carl Fahr ist Sprecher der Anwohner von Hafen- und Schulstraße in Überlingen. Dieses Bild entstand bei einem Nachbarschaftstreffen, in dem für mehr Rechte für Fußgänger geworben wurde.
Carl Fahr ist Sprecher der Anwohner von Hafen- und Schulstraße in Überlingen. Dieses Bild entstand bei einem Nachbarschaftstreffen, in dem für mehr Rechte für Fußgänger geworben wurde. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Tauranga sei der letzte Hafen in Neuseeland vor der elftägigen Überfahrt nach Japan gewesen, schrieb Carl Fahr damals in sein Reisetagebuch, das Fernweh weckt. „Die Stadt liegt in der ‚Bay of Plenty‘ an einer weitverzweigten Bucht, versteckt hinter dem 232 Meter hohen Vulkankegel Mount Maunganui, der uns sehr stark an den Hohentwiel im Hegau erinnerte. Im Schutz des Maunganui liegt die schmale Zufahrt und der Hafen von Tauranga, das in der Sprache der Maori ‚geschützter Ankerplatz‘ bedeutet.

Als wir am Maunganui vorbeifuhren, standen die Jungs der Crew, soweit sie nicht an der Maschine, auf dem Vorschiff und am Heck zur Vorbereitung des Anlegemanövers an den Festmacher-Leinen Dienst hatten, auf den Decks und pfiffen und winkten den badenden Mädchen am nahen Ufer zu. Eine Szene wie aus Zeiten alter Segelschiff-Romantik.“

Das könnte Sie auch interessieren