Parken in Überlingen sei zu teuer. Meint Reinhard Haas, Vorsitzender des Wirtschaftsverbundes Überlingen (WVÜ), und unternimmt nun etwas dagegen. Geanuer: Die Mitglieder des WVÜ. Sie geben ab dem 2. Dezember Rabattkarten aus, die am Bezahlautomat der drei Überlinger Parkhäuser eingelöst werden können. Die Aktion wird exklusiv für WVÜ-Mitglieder aufgelegt, die damit ihren Kunden etwas Gutes tun können. Weil die Kunden mit einer Nachfrage nach den Rabattkarten möglicherweise Druck auf Geschäfte in der Stadt machen, die nicht Mitglied im WVÜ sind, verspricht sich der Wirtschaftsverbund einen Zuwachs an Mitgliedern.

So funktioniert's

Die Karten, die die Größe einer Visitenkarten haben, können in den drei großen Parkhäusern West, Mitte und Post eingesetzt werden. Sie senken die Parkgebühr um 50 Cent oder einen Euro. Gute Kunden können auch mehr Karten erhalten, ganz, wie es dem Händler oder Gastwirt beliebt. Nach Einkäufen in verschiedenen Geschäften und einem Besuch in einer dem WVÜ angeschlossenen Gaststätte ist es sogar möglich, die Parkgebühren auf 0 Euro zu senken. Ziel war es, eine Lösung zu schaffen, die für den Kunden und den Händler so einfach wie möglich funktioniert. Die Kunden müssen die Rabattkarte lediglich an einen Scanner am Bezahlautomaten des Parkhauses halten, über einen QR-Code erkennt der Automat, von welchem Händler die Rabattkarte stammt, und dem Kunden wird der Rabatt gewährt. Anschließend erst zahlt der Händler die entstandenen Parkgebühren – nicht wie bei den früheren Parkmünzen bereits im Voraus.

Schuhhändler Uwe Zscherp, Mitgleid im Vorstand des WVÜ, zeigte sich verantwortlich für die Entwicklung der neuen Parkvergütungs-Aktion. Sie schließt an das alte Parkmünzen-System an, das zwar beliebt war, 2011 aber abgeschafft wurde. Wie Zscherp mitteilte, übernimmt das Stadtwerk als Betreiber der Parkhäuser nicht nur die Kosten für die Umrüstung der Bezahlautomaten, sondern beteiligt sich auch mit 20 Prozent an den Parkgebühren. Sprich: Für einen Gutschein im Wert von einem Euro bezahlt der Händler 80 Cent. Zscherp begründete das Entgegenkommen der SWÜ damit, dass auch sie Interesse an einer Auslastung der Parkhäuser haben. Die Gespräche mit SWÜ-Geschäftsführer Norbert Schültke seien auf Vermittlung von Gastwirt Michael Jeckel, Mitglied im WVÜ, zustande gekommen.

So sieht die Rabattkarte aus.
So sieht die Rabattkarte aus.

Als Starterpaket erhalten die aktuell 95 WVÜ-Mitglieder je 30 Rabattkarten, finanziert vom WVÜ. Uwe Zscherp und WVÜ-Vorsitzender Reinhard Haas forderten die Mitglieder dazu auf, von den Karten ab dem 2. Advent Gebrauch zu machen und reichlich Nachschub zu ordern. Sie versprechen sich davon einen Schub an neuen Mitgliedern. Marketingfachmann Markus Dufner sieht darin eine Möglichkeit, ein Angebot zu schaffen, das aktiv von Kunden nachgefragt wird und Druck auf jene ausübt, die die Nachfrage nicht bedienen können – "so lange, bis jedem klar ist, dass er Mitglied im WVÜ werden muss". Eine ähnliche Wirkung erhofft sich der WVÜ von einem Zertifikat, das alle Geschäfte in der Stadt auszeichnet, die sich an den Kosten für die Weihnachtsbeleuchtung beteiligen – und umgekehrt alle Geschäfte stigmatisiert, die sich vor den Kosten drücken, den positiven Effekt im Weihnachtsgeschäft aber gerne mitnehmen.

Nachdem der Vorstand sich vor einem Jahr neu bildete und mit Uwe Zscherp oder Stefan Mayer frischer Wind in den WVÜ kam, ist die Mitgliederzahl nach Jahren des Sinkflugs wieder im Steigen begriffen. "Eine Aufbruchstimmung ist erkennbar", sagte ein sichtlich zufriedener Reinhard Haas. Zscherp will gar ein neues Wir-Gefühl ausgemacht haben. Er kündigte an, noch viele Marketing-Ideen zu haben, mit der die Einkaufsstadt Überlingen dem Internet begegnen könne. Zugleich forderte er die WVÜ-Mitglieder dazu auf, sich in anderen Städten umzuschauen und gute Ideen zu kopieren. "Kleine charmante Aktionen, die bei den Kunden einen sympathischen Eindruck hinterlassen."

Der WVÜ: Aktuell zählt der WVÜ 95 Mitglieder, Vorsitzender ist Reinhard Haas. Mitglied können Einzelhandelsgeschäfte, Dienstleister, Handwerker oder Gastronomiebetriebe werden. Der Jahresbeitrag ist an die Betriebsgröße gebunden. Von 150 Euro mit einem Beschäftigten bis zu 600 Euro ab 21 Beschäftigten. Der WVÜ ist u. a. für die Organisation des Weihnachtsmarkts (7. bis 17. Dezember 2017) und für die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt verantwortlich. Die nächsten verkaufsoffenen Sonntage sind 22. April und 28. Oktober 2018. Einen verkaufslangen Abend plant der WVÜ am 8. Juni, wenn sich mindestens 50 Geschäfte daran beteiligen.