Wenn es nach Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen gegangen wäre, stünde die Bareselinsel vor der Überlinger Uferpromenade jetzt nicht mehr. Sie hatte im Zuge der Planung zur Landesgartenschau vorgeschlagen, die Beton-Plattform zu schleifen. Dagegen hatten sich jedoch die Überlinger im Bürgerbeteiligungsprozess zur Landesgartenschau erfolgreich zur Wehr gesetzt.

Lounge bei "ÜB on Ice"

Zuletzt rückte die Insel wieder in den Fokus der Bevölkerung, weil auf ihr in den vergangenen Wochen ein zweigeschossiger Pavillon stand, er diente als Lounge während des Betriebs der Eisbahn "ÜB on Ice". Nächsten Dienstag wird das viel beachtete Gebäude wieder abgebaut – Zeit genug für die Überlinger, es sich noch einmal anzuschauen und dabei die Frage zu erörtern, ob die Bareselinsel nicht besser genutzt werden könnte.

Einsame Insel

Die Betoninsel, die als Rest der Baustelleneinrichtung zum Bau des Ufersammlers Mitte der 70-er Jahre übrig geblieben war, ist bei den Überlingern beliebt, weil von ihr aus ein besonderer Blick auf die Uferpromenade geworfen werden kann. Wer einen Euro investiert, kann mit einem Fernrohr in die andere Richtung auf See und Alpen blicken. Im Sommer wird hier auch mal ein Salsa-Abend veranstaltet. Mehr aber auch nicht. Die Insel ist insgesamt ein recht einsames Eiland.

Wie ginge es schöner?

Als schön wird sie nicht empfunden. Deshalb war beim Bürgerbeteiligungsprozess 2016 zur Landesgartenschau die Rede davon, die Insel im Zuge der Promenaden-Sanierung einem Verschönerungsprozess zu unterziehen. In einem Workshop der "Freunde der Landesgartenschau" entstanden im November 2016 erste Ideen, die aber nie mehr weiterverfolgt wurden. Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass es diesbezüglich keine Überlegungen gebe.

"Lasst die Lounge doch stehen"

Mit "ÜB on Ice" kam die Betoninsel nun wieder zurück auf die Tagesordnung. Nicht nur bei Eisbahn-Betreiber Reinhard A. Weigelt gingen sehr viele Anfrage ein, ob der Pavillon, in dem Getränke ausgeschenkt wurden, nicht stehen bleiben könne. "Mir sagten wahnsinnig viele Leute, lasst die Lounge doch stehen. So wie schon im Sommer beim Pavillon vor dem Kapuziner."

„Mir sagten wahnsinnig viele Leute, lasst die Lounge doch stehen.“Reinhard A. Weigelt, Event-Manager
„Mir sagten wahnsinnig viele Leute, lasst die Lounge doch stehen.“Reinhard A. Weigelt, Event-Manager | Bild: Kleinstück, Holger

Weigelt würde es befürworten

An ihm solle es nicht liegen, sagte Weigelt. Er würde es befürworten, wenn die Insel auf diese Weise eine neue Nutzung erfährt. Doch gebe es ein rechtliches Problem. Denn ein "fliegender Bau" wie der Pavillon einen darstellt, dürfe drei, maximal sechs Monate stehen. Sonst benötige man eine Baugenehmigung mit entsprechend höheren Auflagen. Wobei sich auch diese erfüllen ließen. Allerdings, räumt Weigelt ein, könne eine Bebauung auch kritisch gesehen werden, weil sie vergleichbaren Ansinnen am Ufer "Tür und Tor" öffne. Er wisse von einem Unternehmer, der den Antrag gestellt habe, die Bareselinsel "für eine kleine Open-Air-Bar" zu nutzen. Dieser Antrag sei abgelehnt worden.

Nutzung ohne Pachtzahlung

Weigelt durfte während der Eiszeit "ÜB on Ice" die Bareselinsel temporär nutzen, vom 16. November bis 6. Januar. Eine Pacht fiel dafür nicht an, denn seine Veranstaltung wurde vom Gemeinderatsausschuss als Veranstaltung von öffentlichem städtischem Interesse anerkannt. Veranstaltungen mit diesem Prädikat, so die Information der Stadtverwaltung, erhielten gegen eine Verwaltungsgebühr eine Sondernutzungserlaubnis auf städtischem Grund, ohne weitere Gebühren. Die letzte Eiszeit am Mantelhafen ist nun vorbei und der Pavillon am nächsten Dienstag Geschichte. Im kommenden Winter will Weigelt seine Eisbahn wieder am Landungsplatz aufbauen.

Debatten 2007 und 2011

Die Überlegungen, die Stadt in diesem Bereich weiter zu entwickeln, ist nicht neu. Aus der jüngeren Geschichte sind hier die Diskussionen um den Bau eines Cafés am Mantelkopf zu nennen und die Überlegungen zur so genannten Seekantenbestuhlung. Beides wurde im Gemeinderat mit großer Mehrheit abgelehnt – nachdem zuvor in der Bevölkerung leidenschaftlich darüber diskutiert worden ist.

2007: Café am Mantelkopf?

Zur Debatte um das Café am Mantelkopf, dem Gelände, das der Bareselinsel genau gegenüber liegt, auf der anderen Seite des Mantelhafens: Im Februar 2007 sagte das Gremium Nein zur Bebauung mit einem Terrassen-Café. Winfried Ritsch, damals Fraktionssprecher der Freien Wähler, war ein glühender Befürworter gewesen, der Verein "Bürgersinn" mobilisierte dagegen. Wobei der Rat nicht nur Nein sagte, sondern zugleich in Aussicht stellte, das Gelände am Mantelkopf einem Verschönerungsprozess zu unterziehen. Denn der allgemeine Zustand hatte den Räten auch nicht mehr zugesagt. 2008 wollte man es anpacken, wie einem Bericht aus dem Zeitungsarchiv zu entnehmen – bis heute ist nichts daraus geworden.

2011: Seekantenbestuhlung?

Die Debatte zur "Seekantenbestuhlung" kam 2011 auf. Ihr ging eine Sondergenehmigung für das bei der Bareselinsel liegende Café La Vita voraus. Das damals von Kismet Unursal betriebene Café durfte im Sommer 2011 wegen einer Baustelle in direkter Nachbarschaft ausnahmsweise bis ans Geländer der Uferpromenade bestuhlen und bewirten. Das hatte so vielen Gästen so gut gefallen, dass sich 840 Personen auf einer Unterschriftenliste eintrugen, mit dem Ziel, dauerhaft direkt an der Seekante bewirtet zu werden. In der FDP-Gemeinderatsfraktion, zu der auch Reinhard Weigelt zählt, fand Unursal Fürsprecher. Der FDP-Antrag lautete, auf Flächen, die breit genug sind, die Bewirtung zuzulassen. Ingo Wörner argumentierte damals damit, dass die Stadt mit steigenden Einnahmen rechnen könne, weil eine Sondernutzungsgebühr fällig werde, die sich jährlich auf rund 40 000 Euro summiere. Die Mehrheit des Gemeinderats sagte im März 2012 allerdings Nein.

„Eine dauerhafte Nutzung der Bareselinsel ist nicht geplant.“Jan Zeitler, Oberbürgermeister
„Eine dauerhafte Nutzung der Bareselinsel ist nicht geplant.“Jan Zeitler, Oberbürgermeister | Bild: Hilser, Stefan

Käme es jetzt zu einer neuen Debatte in dieser Richtung, würde auch Oberbürgermeister Jan Zeitler, der die Debatte nur aus dem Archiv kennt, mit Nein stimmen. Es müsse, so sein Argument, die Möglichkeit geben, ans Ufer heranzutreten, ohne dass dort etwas konsumiert wird (siehe Wortlautinterview weiter unten).

Stichwort: Die Die Baresel-Insel

Der Name "Baresel" geht auf den Namen der Firma zurück, die das Abwasserkanal-System, den Ufersammler, Mitte der 70-er Jahre baute. Auf dem Ufersammler liegt die heutige Uferpromenade. Überlingens ehemaliger Oberbürgermeister Reinhard Ebersbach berichtet, dass im Grunde genommen nur die vier Betonpfeiler der Insel für die Bauarbeiten nötig waren, nicht die Plattform. Die Firma Baresel habe sie errichtet, um an dieser Stelle die weiter westlich liegenden Betontröge zu erstellen, die an Ort und Stelle nicht gegossen werden konnten. Von hier aus seien die fertigen Betontröge mit einem alten Kies-Kahn, der irgendwann einmal abgesoffen sei, dann verfrachtet worden. Als die Baurbeiten fertig waren, sei er von Baresel gefragt worden, was nun mit den vier Betonpfeilern geschehen solle, da antwortete Ebersbach: "Na, ihr habt sie gebaut, dann baut sie auch wieder ab." Wohl, um sich diese Arbeit zu sparen, kam Baresel auf die Idee, sie mit einer Plattform zu ergänzen und die neu entstandene Insel der Stadt als "Geschenk" zu überlassen.

OB Jan Zeitler spricht sich für einen Zugang ans Promenadenufer ohne Konsumzwang aus

Fragen an Oberbürgermeister Jan Zeitler zum Gedankenspiel Bareselinsel.

Im Mommsen-Entwurf sollte die Bareselinsel entfernt werden, im Laufe des Bürgerbeteiligungsprozesses nahm man davon Abstand. Gab es danach weitergehende Überlegungen in der Stadtverwaltung, wie die Bareselinsel neu genutzt, umgebaut oder gestaltet werden könnte?

Nein, bis jetzt gab es keine weiteren Überlegungen, die Bareselinsel neu zu nutzen, umzubauen oder anders zu gestalten.

Zum Baurecht: Unter welchen Umständen wäre es möglich, die Bareselinsel dauerhaft zu bebauen, beziehungsweise für welche Art der Nutzung?

Hierfür müsste uns ein konkreter Antrag vorliegen, um konkrete Aussagen treffen zu können. Pauschal gibt es hierfür keine Antwort.

Unter welchen Umständen darf die Bareselinsel temporär mit einem fliegenden Bau, vergleichbar mit dem während ÜB on Ice aufgestellten Pavillon, genutzt werden?

Als Teil der Promenade kann die Bareselinsel im Rahmen von Veranstaltungen genutzt werden. Inwiefern ein fliegender Bau dort genehmigt wird, hängt zum Beispiel von der Abnahme durch das Baurecht ab. Hier wird insbesondere die Standsicherheit geprüft, zum Beispiel wegen Windlast am See.

Von Ihnen wurde im November der Wunsch geäußert, das gastronomische Angebot auf der Promenade zu verbessern. Wäre es aus Ihrer Sicht theoretisch denkbar, die Bareselinsel für eine gastronomische Nutzung einzubinden?

Eine dauerhafte Nutzung ist nicht geplant. Temporär ist eine Sondernutzung im Rahmen von Veranstaltungen möglich.

2011/12 gab es in Überlingen eine Debatte zur Bestuhlung der Seekante. Wie würden Sie sich positionieren – mit Blick auf eine Attraktivitätssteigerung des gastronomischen Angebots – sollte das Thema erneut zur Diskussion stehen?

Die Uferpromenade zieht eine Vielzahl von Besuchern an. Eine Einkehr in einen der vielen gastronomischen Betreibe ist dabei nur eine Möglichkeit, den See zu erleben. Wir müssen auch Gästen, die keine Getränke oder Speisen konsumieren wollen, die Möglichkeit bieten, an das Promenadenufer herantreten zu können. Eine weitergehende Bestuhlung entlang der Seekante halte ich daher nicht für zielführend.

Die Fragen stellte Stefan Hilser

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