Bislang gebe es so gut wie keine Frauen, die es in Überlingen auf ein Schild geschafft haben – außer Hildegard vom nahe gelegenen Ring oder Lore Voith, Mutter der 2018 verstorbenen Cornelia Hahn und Begründerin des heutigen Hofguts Rengoldshausen.

Noch ist das Schild „Anna-Zentgraf-Straße“ draußen nicht zu finden. Im Ratssaal schon mal symbolisch enthüllen ließ es Oberbürgermeister Jan Zeitler im Rahmen einer Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen der Zentgraf-Stiftung, die Anna Zentgraf nach dem Tod ihres Mannes begründet hatte. Dass verdientermaßen eine Straße nach ihr benannt wird, zeigt schon der Blick auf die Wohltaten, die aus dem Vermögen der Gönnerin möglich waren. Bis 2019 sind es mehr als 7,7 Millionen Euro an Erträgen, die in den 50 Jahren dem Stiftungszweck zugute kamen. Drei konkrete Zwecke hatte Anna Zentgraf in ihrem Vermächtnis formuliert: Den Unterhalt des Überlinger Münsters, die Kindertagesstätte der evangelischen Kirchengemeinde sowie „alte, pflegebedürftige Einwohner“.

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„Anna Zentgraf war eine herausragende Persönlichkeit ihrer Zeit, der die Stadt Überlingen bis heute viel zu verdanken hat,“ würdigt OB Zeitler die Stifterin. Seit 2017 betrage der jährliche Ausschüttungsbetrag insgesamt 336 000 Euro, sagt Kämmerer Stefan Krause, der die Stiftung für die Stadt verwaltet. Möglich sind diese hohen Ausschüttungen nur durch die stetigen Erträge aus Dividenden aus dem der Stiftung Zentgraf vererbten beachtlichen Aktiendepot.

Wilhelm und Anna Zentgraf stammten aus Kassel

Wilhelm und Anna Zentgraf stammten aus Kassel und hatten Mitte der 50er Jahre ein erstes Ferienhaus erworben, dem später ein zweites Gebäude folgte. Nachdem Wilhelm Zentgraf im Jahr 1959 in Kassel gestorben war, ließ ihn seine Witwe auf dem Überlinger Friedhof begraben – obwohl sie selbst bis zu ihrem Tod in ihren festen Wohnsitz in der alten Heimat behielt. Dennoch setzte die kinderlose Anna Zentgraf die lieb gewordene Stadt Überlingen 1968 als Haupterbe ein und vermachte ihr den Aktien- und Immobilienbesitz. Auch Anna Zentgraf wurde nach ihrem Tod 1969 an der Seite ihres Mannes auf dem Überlinger Friedhof bestattet. Direkte Nachfahren der Zentgrafs gibt es zwar nicht, doch lebt mit Elke Bittrich eine Großnichte des Ehepaares seit mehr als 20 Jahren in Überlingen und teilt die Liebe der Zentgrafs zur Stadt.

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