Homeoffice für Anfänger

Als freie Journalistin arbeite ich eigentlich immer im Homeoffice. Für meine Freundin aus der Großstadt ist das neu und sie hadert mit den Tagen allein in der Wohnung. Allerdings findet sie die Möglichkeit, mal eben zwischendurch bei Freunden und Bekannten anzurufen genial. Das macht sie auch, mehrmals täglich. Dazwischen schickt sie lustige Bildchen und Nachrichten, wie öde das Homeoffice ist. Ich kann es nicht lassen, immer wieder aufs Display zu gucken und komme mit meinen Texten nicht voran. „Ping“. Auf meinem Handy sind zwei Fotos vom gleichen Motiv angekommen. Darunter die Aufforderung den Unterschied zu finden. Diesmal ist die Absenderin meine Tochter. Der Semesterstart ist verschoben und auch die Studenten machen Homeoffice. Die Bilder zeigen den Blick von ihrem Schreibtisch durchs Fenster. Ich finde beim besten Willen keinen Unterschied und erfahre am Telefon, dass sie sich die Langeweile mit Fenster putzen vertrieben hat. Kaum habe ich aufgelegt, ruft meine Freundin an: „Was mache ich denn jetzt? Das Klopapier ist alle und nirgendwo kann man welches kaufen!“ In der Krise führt man plötzlich Gespräche, die man sich vor wenigen Wochen nicht im Traum ausgedacht hätte. Irgendwann, wenn das alles vorbei ist und die Schränke der Hamsterer immer noch voll sind, loben wir das beste Rezept mit Nudeln und Klopapier aus. Irgendwann muss das Zeug ja mal weg! Sabine Busse

Bild 1: Mutmachergeschichten in Zeiten von Corona: So erleben unsere Mitarbeiter den neuen Alltag
Bild: Sabine Busse
Das könnte Sie auch interessieren

Tierisch gut drauf trotz Corona-Angst

Ignoranz zum Thema Corona ist absolut verwerflich – außer, man ist ein Hund. Dann weiß man nichts von Erregern – und das ist gut so. Nicht nur für das Tier, auch für Herrchen und Frauchen, die das Virus selbstverständlich ernst nehmen. Doch der Hund, in diesem Fall Cairn-Terrier Jester, bewegt uns nicht nur dazu, dreimal am Tag rauszugehen. Seine Lebensfreude, seine Begeisterung über den Frühling, die damit verbundenen Gerüche, die er, das Näschen keck in der Luft, begierig erschnüffelt, das warme Gras, auf dem Hund sich so wunderbar wälzen kann, sein Spaß am Sprinten und Springen sind wahrhaftig, nun ja, ansteckend – aber in diesem Fall ganz ungefährlich. Deshalb unser Tipp: Gehen Sie, trotz oder gerade wegen Corona, jeden Tag mehrmals mit Ihrem Hund raus – selbst wenn Sie gar keinen Hund haben! Sylvia Floetemeyer

Geschenkte Zeit

Die kleinen Dinge. Sie sind es, an welchen wir uns dieser schweren Tage erfreuen sollten. Dafür hat man sonst ja gar nicht mehr die Gelegenheit vor lauter Trubel und Geschäftigkeit. Doch nun verlangsamt sich die Zeit, steht fast still. Zeit für sich, die Familie und den Partner. Für ein leckeres Essen, einen fantastischen Roman, einen guten Kaffee. Meine Tipps: Lassen Sie die Bolognese auch einmal drei Stunden ganz ohne Eile vor sich hinköcheln, lehnen Sie sich in einem bequemen Stuhl mit meinem Lesetipp „Der Schwarm“ zurück (wird beim zweiten Mal lesen übrigens noch besser) und genießen Sie den Duft der frisch gemahlenen Röstaromen der „Monsooned Malabar“-Bohne. Dann wird die Welt mit jedem Biss, mit jedem Schluck, mit jeder Zeile ein kleines Stückchen besser. Timm Lechler

Gegenseitige Hilfe

In Zeiten solch‘ hoher Verunsicherung wie der Corona-Pandemie spüre ich ein maximales Bedürfnis nach sozialem Miteinander. Und gerade das soll derzeit heruntergefahren werden auf ein Mindestmaß. Umso mehr freue ich mich über die Arzthelferin, die sich beim Abholen eines Routine-Rezeptes noch freundlich nach meinem Befinden erkundigt. Ebenso ergeht es mir in der Apotheke. Die Angestellten am Tresen bleiben zuvorkommend und geben mir ein wohlmeinendes „Bleiben Sie gesund“, mit auf den Heimweg. Gut tun mir die Nachfragen von Seiten der Familie. Bis zu 800 Kilometer wohnen wir voneinander entfernt. Dennoch ist gleich eine enge Verbindung da, wenn wir telefonieren. Meine 78-jährige, alleinlebende Mama in Aachen zum Beispiel spricht mir und sich Mut zu. Täglich berichten wir uns von schönen Begebenheiten aus unserem derzeit eingeschränkten Alltag. Mein Bruder habe ihr vorhin einfach so, ein Paar schicke Schuhe vorbeigebracht als Geschenk, erzählt sie. Bis sie sie draußen tragen könne, probiere sie sie schon Mal drinnen, sagt meine Mutter und wir müssen beide lachen. Am Nachmittag klingelt eine Nachbarin von der anderen Straßenseite und fragt, ob wir nicht zusammen draußen auf der Terrasse einen Kaffee trinken sollen. Wir versichern uns gegenseitig, einander zu unterstützen, wenn wir Hilfe brauchen. Als dann noch eine sehr gute Freundin anruft, sich nach meinem Befinden erkundigt und vorschlägt, einfach eine Runde spazieren zu laufen, bin ich froh. Martina Wolters

Glück gefunden

Bewegung und Frischluft beim Sammeln. Kreativität und Muße beim Bemalen. Vorfreude bei der Vorstellung, wenn andere ihn finden. Alles das kann ein kleiner Stein in sich bergen. Das Fehlen der sozialen Kontakte ist sicher nicht nur für mich ein schwieriger Aspekt in der Corona-Krise. Deshalb habe ich mir überlegt, kleine Steine mit Worten wie Glück, Heil und Segen, Mut- und vor allem Gesundheit zu bemalen, und diese Steine dann irgendwo abzulegen. Auf Gartenmauern, an Hauseingänge, Fensterbänke, oder auch am Wegesrand. Bei Freunden, Nachbarn, aber auch bei mir unbekannten Menschen. Ich stelle mir vor, welche Freude so ein Findling mit sich bringt, und vor allem das Gefühl: „Du bist nicht allein, ich habe an Dich gedacht“. Längst findet meine Idee Nachahmer im Freundes- und Bekanntenkreis, gerade auch Kinder sind mit Begeisterung dabei. Es erinnert ein bisschen ans Ostereier färben, sagte mir eine Freundin. „Glück gefunden“ nenne ich diese Aktion und freue mich über viele Menschen, die mitmachen. Wer weiß, vielleicht finden auch Sie demnächst so einen kleinen Glücksbringer vor Ihrer Haustür, und wissen dann, jemand hat an Sie gedacht, und möchte Ihnen in schweren Zeiten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Stef Manzini

Bild 2: Mutmachergeschichten in Zeiten von Corona: So erleben unsere Mitarbeiter den neuen Alltag
Bild: Stef Manzini

Auf Abstand

Die Sonne scheint, Blumen sprießen, die Luft riecht nach Frühling. Wenn wir zusammen waren, verstärkten sich diese Eindrücke. Es schien so, als ob sich die positiven Gefühle verdoppelten, wenn wir sie nur zusammen empfanden. Der Spruch, dass die Liebe das Einzige ist, was sich verdoppelt, wenn man es teilt, kann ich bestätigen. Meine Liebste ist jetzt aber in der Klinik. Die Sicherheitsmaßnahmen lassen es nicht mehr zu, dass wir uns treffen und den Sonnenuntergang gemeinsam genießen können. Aber wir haben Glück im Unglück. Es hätte viel schlimmer kommen können. Wenn der OP-Termin verschoben worden wäre. Dann hätte sie weitere Monate mit Schmerzen aushalten müssen. Kein Radfahren, keine Spaziergänge, keine Reisen. Die Reha wird enden, das Coronavirus zurückgedrängt werden. Die Freude ist groß für die Zeit danach. Sie gibt Kraft und trägt durch die belastende Zeit. Bald wieder gemeinsam die Zeit verbringen, zusammen all die Aktivitäten unternehmen, die wir mögen. Der Gedanke an die Liebste hilft über die Ausnahmesituation. Mardiros Tavit

Schluss mit Langeweile

Wir sollten die Krise auch als Chance begreifen. Den Satz kann ich jetzt schon nicht mehr hören, da er stark an das erinnert, was Erziehungswissenschaftler ohne Kinder verzweifelten Eltern raten. Trotzdem bin ich fest entschlossen, das Beste aus der Zeit zu Hause zu machen. Ich könnte endlich die Klassiker lesen, die seit der Zeit, als meine Mutter sich eine Mitgliedschaft in einem Buchclub aufschwatzen ließ, im Regal verstauben. Da wären auch noch die halbfertig gestrickten Socken, die seit dem Herbst auf Vollendung warten. Leider fröne ich nicht dem Wintersport und habe auch keinen Beamtenstatus, sonst könnte ich jetzt frei von wirtschaftlichen Sorgen am Rechner Fotobücher von der letzten Skitour basteln. Aber sich kreativ zu betätigen, ist schon einmal eine gute Idee. Da fällt mir der Zeichenkurs aus dem Sommer wieder ein. Wie alle Teilnehmer habe ich damals gelobt, weiter fleißig zu üben. Ich habe auch Bleistifte in allen erdenklichen Härtegraden und Skizzenbücher gekauft, deren leere Blätter mich irgendwie einschüchtern. Also wie und wo anfangen? Wie so oft findet sich im Internet Hilfe. Wer dort „perspektivisch zeichnen lernen“ eingibt, kann sich per Video das Prinzip der Fluchtpunktperspektive erklären lassen und gleich mitmachen. Ich finde allein das Wort Fluchtpunkt hat schon etwas Tröstliches! Sabine Busse

Mutmachgeschichten in der Corona-Krise.
Mutmachgeschichten in der Corona-Krise. | Bild: Sabine Busse