Welch ein Spektakel. Was für eine musikalische, choreografische und schauspielerische Teamleistung, die die Schüler der Schule Schloss Salem mit Unterstützung des Salem Kollegs unter der Regie von Keith Le Fever binnen kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. "Willkommen, bienvenu, welcome!" Wie selbstverständlich und wie ein TV-Entertainer schwebt der Conférencier (Carl Werner) die rote Treppe herunter.

Wer kennt nicht die bekanntesten Ohrwürmer des Musicals Cabaret, das 1966 uraufgeführt wurde und die Berliner Leichtigkeit des Seins vor dem Hintergrund des dominanter werdenden Nationalsozialismus inszeniert. Mit Ironie auf der einen Seite und politisch-ernsthaften Facetten auf der anderen. "Money makes the world go round" spielt das Orchester, singt der Chor (Leitung Thomas Braun und Albert Franz), während die Geldscheine durch die Luft und mit den Tänzern unter Mitwirkung der Choreografen Louisa Rähse und Allen Siller-Valdes um die Wette wirbeln. Köstlich das Spiel von Herrn Schulz (Cedric Landsmeer) und Fräulein Schneider (Chiara Stockhausen), deren vorsichtige Annäherung – "Ich habe Ihnen eine Ananas mitgebracht" – in einem schönen Kontrast zu der sonstigen Offenherzigkeit der Begegnungen steht.

Showtime im Musical "Cabaret" mit Chiara Abenteuer als Sally Bowles (zweite von links): Choreografie und Gesang standen bei der Aufführung im Salem College auf hohem Niveau.
Showtime im Musical "Cabaret" mit Chiara Abenteuer als Sally Bowles (zweite von links): Choreografie und Gesang standen bei der Aufführung im Salem College auf hohem Niveau. | Bild: Hanspeter Walter

Beeindruckend sind die Stimmen von Chiara Abenteuer als Sally Bowles oder Marion Ihls als Fräulein Kost, die bei der Premiere zusehends an Sicherheit und Souveränität gewannen. Der begeisterte Beifall ging dem Publikum leicht von der Hand. Mucksmäuschenstill wurde es, als die lauernden Gefahren des Nationalsozialismus offenkundig und verdrängt werden.

Carl Werner spielte den Conférencier und lief wie eine geübter Entertainer die rote Showtreppe hinunter.
Carl Werner spielte den Conférencier und lief wie eine geübter Entertainer die rote Showtreppe hinunter. | Bild: Hanspeter Walter

"Die Revolution habe ich überlebt, die Inflation habe ich überlebt, dann werde ich auch den Nationalsozialismus und den Kommunismus überleben", formuliert die Zimmervermieterin und gibt das Geschenk zurück, das sie und ihr jüdischer Verlobter bekommen sollte. "Das geht doch alles vorbei", versucht der amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw zu beruhigen. Doch als Ernst Ludwig plötzlich mit Hakenkreuz-Uniform auf der Bühne steht, wird die Situation spürbar beklemmend.