Nosferatu begegnet den Besuchern der am Mittwoch im Städtischen Museum eröffneten Ausstellung "Monster und Geister vom Mittelalter bis heute" auf Schritt und Tritt. Auf Stoffbahnen gebannte Bilder des unsterblichen Max Schreck in seiner Paraderolle trennen die Sonderschau geschickt von den anderen Räumen des Renaissance-Palais, lassen sie aber durchschimmern.

Auch inhaltlich geht es bei der Ausstellung, deren Vernissage in eine "Lange Nacht der Geisterseher" eingebunden war, um Übergänge und Grenzen: zwischen Wunderkammer und Wissenschaft, zwischen Aberglauben und Aufklärung, zwischen Rationalität und Irrationalität. Angeschnitten werden Themen wie Monster und schwarze Romantik, aber auch Hexenverfolgung und Exorzismus. Dabei ist es Kulturamtsleiter Michael Brunner und Kuratorin Claudia Vogel wichtig, zu vermitteln, dass Letztere immer noch existieren. So würden etwa in vielen Ländern Afrikas oder in Papua-Neuguinea bis heute Frauen als Hexen angeschuldigt, gefoltert und ermordet.

Kulturamtsleiter Michael Brunner Auge in Auge mit einem hundsköpfigen Mischwesen des Überlinger Meisters Jörn Zürn.
Kulturamtsleiter Michael Brunner Auge in Auge mit einem hundsköpfigen Mischwesen des Überlinger Meisters Jörn Zürn. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Unter den rund 100 Exponaten der Schau sind Gemälde aus fünf Jahrhunderten, darunter ein Werk von Neo Rauch, Skulpturen, Dokumente und wertvolle Bücher, darunter auch eine Ausgabe des berüchtigten "Hexenhammers", und nicht zuletzt "magische Objekte" wie Devotionalien zur "Dämonenabwehr", die Archäologen in Schweizer Blockhäusern aus dem 14. Jahrhundert fanden.

Ein Gemälde von Malerstar Neo Rauch gehört zu den Stücken der Ausstellung.
Ein Gemälde von Malerstar Neo Rauch gehört zu den Stücken der Ausstellung. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Ein interdisziplinäres Expertenteam aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitete das Konzept, Museumsleiter Peter Graubach setzte es gestalterisch ansprechend um. Das Ziel sei gewesen: "Es soll keine Geisterbahn werden, aber ein leichtes Kribbeln darf schon sein." Und, so Graubach weiter: "Die Spannung wird dadurch erregt, dass man die eigene Fantasie spielen lässt." Der Besucher soll durch einzelne exponierte Objekte in den nächsten Raum gelockt werden. So zieht etwa das Gemälde "Trotzer" mit Totenkopf von Jonas Burgert fast magisch an, ebenso die Werwölfe von Zohar Fraiman. Aber auch ein Einhornkopf, ein seltsames Hundemischwesen – ein Holzrelief von Jörg Zürn – oder farbenprächtige Weltchroniken mit Darstellungen wunderlicher Wesen lenken die Blicke auf sich. Wenn es nach Brunner und Vogel geht, dann soll die Ausstellung Kunstliebhaber und Volkskundler ebenso ansprechen wie Touristen und Familien mit Kindern.

Kuratorin Claudia Vogel freut sich, dass die "Monster"-Schau nach über einem Jahr Vorbereitung eröffnet wird.
Kuratorin Claudia Vogel freut sich, dass die "Monster"-Schau nach über einem Jahr Vorbereitung eröffnet wird. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Die Idee zur Ausstellung entstand aus ihrer Vorgängerin heraus, die Tierbildern und -mythen gewidmet war. "Die Grenzen zwischen Tier und Monster sind fließend", begründet Brunner das. Es gebe unterschiedliche Monsterbegriffe, detailliert Vogel, so habe man früher alle Wesen, auch Menschen, deren Gestalt von der Norm abwich, als Monster bezeichnet, auch exotische Tiere galten als monströs. Die Vermischung von Fakten und Fantasie gebar eine Vielzahl von Fabelwesen, darunter auch freundliche wie das Einhorn. So etwas wie das Maskottchen der Ausstellung ist aber der "Schwanzmensch", der Brunner und Vogel gleichermaßen fasziniert. Noch Goethe hatte seine Existenz für möglich gehalten, er wusste es nicht besser. Warum aber Arthur Conan Doyle, der ja von Beruf Arzt war, auf dilettantisch gefälschte "Geisterfotos" hereinfiel, ist Brunner ein Rätsel. Doch bereits in früheren Jahrhunderten nutzten Betrüger die Leichtgläubigkeit ihrer Mitmenschen aus und verkauften etwa Narwalzähne als "Einhörner". Selbst das Wissen um solche Machenschaften trübte den Absatz jedoch nicht. Der Wunsch, an Wunder zu glauben, zieht sich durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart.

Wo von Fabelwesen die Rede ist, darf ein Einhorn nicht fehlen.
Wo von Fabelwesen die Rede ist, darf ein Einhorn nicht fehlen. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Was wünscht sich Brunner, welche Wirkung soll die Ausstellung beim Besucher erzielen? "Es wäre schön, wenn sie ein bisschen über sich selbst nachdenken würden." Graubach lächelt. Er hat in einem Guckkasten einen Spiegel versteckt. Ihm gefällt folgende Definition: "Ein gutes Museum zeichnet sich dadurch aus, dass die Leute ein bisschen schlauer und ein bisschen glücklich rausgehen, als sie reingegangen sind."

 

Ausstellung

Die Ausstellung "Monster und Geister vom Mittelalter bis heute" ist im Städtischen Museum Überlingen vom 30. März bis 15. Dezember zu sehen. Ein Begleitbuch wird im Laufe der nächsten Monate noch erscheinen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag: 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Sonn- und Feiertag: 10 bis 15 Uhr. Montag geschlossen. Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung am 1., 15. und 29. April, am 13. und 27. Mai, am 3. und 17. Juni, am 1., 8. und 29. Juli, am 19. und 26 August, am 2. und 16. September, am 7. und 28. Oktober.

Informationen telefonisch unter 0 75 51/99 10 79 oder im Internet: www. museum-ueberlingen.de