Mehr als zufrieden mit den Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen bei deren Jahresschlussübung zeigte sich nicht nur Kreisbrandmeister Henning Nöh. „Alle Hilfsorganisationen in Überlingen arbeiten gut zusammen“, sagte er bei der Nachbesprechung in der Feuerwache. Auch Thomas Stollenwerk, hauptamtlicher Brandschutzsachverständiger und kommissarischer Feuerwehrkommandant, war sehr erfreut: „Eine bessere Werbung wie die heutige Übung kann es für uns nicht geben.“ Auch Oberbürgermeister Jan Zeitler zog ein positives Fazit: "Eine überragende Hauptübung und eine mustergültige Präsentation unserer Feuerwehr."

Video: Kleinstück, Holger

Die Abteilung Stadt mit Unterstützung der Abteilung Hödingen unter Einsatzleiter Christian Gorber hatte sich mit dem Kolpingheim in der Münsterstraße ein Brandobjekt ausgesucht, in dem man ein realistisches Szenario habe entwickeln können, welche die Herausforderungen biete, die es für ein Übung in dieser Größenordnung brauche, so Gorber. Übungsschwerpunkt waren neben der Menschenrettung die Brandbekämpfung und Vermeidung einer Brandausbreitung in der dicht bebauten Altstadt. Schon vor der Hauptübung hatte die Jugendfeuerwehr ihr Können mit der Vorführung eines Hilfeleistungseinsatzes eindrucksvoll unter Beweis gestellt. "Vom Einsatz und dem Engagement der Jugend war ich begeistert", lobte Martin Schweitzer, Abteilungskommandant Stadt. Viele Bürger sowie Vertreter benachbarter Wehren verfolgten die Schlussübung, bei der auch die Drehleiter der Wehr aus Uhldingen-Mühlhofen zum Einsatz kam. „Die Leute sind heute förmlich in euch gekrochen“, drückte es Nöh aus. Auf dem Vorplatz der ehemaligen Seeschule und dem Gebäude der Wasserschutzpolizei fand zudem eine Ausstellung mit Fahrzeugen und Gerätschaften der Feuerwehr statt.

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Übungsannahme war ein Brand in der Diele der Wohnung im zweiten Obergeschoss, der trotz Ansprechen des Brandmelders nicht sofort bemerkt wurde und sich rasch ausbreitete. Aufgrund der Temperaturnentwicklung zersprangen die Scheiben des Glasabschlusses zum Treppenraum. Die Mieter alarmierten über Notruf 112 die Feuerwehr und teilten mit, dass ihnen der Fluchtweg abgeschnitten sei, Bewohner des ersten Obergeschosses hatten sich auf das Flachdach des Anbaus retten können.

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Wie Gorber sagte, müsse im Ernstfall schnell dafür gesorgt werden, dass Nachbargebäude geräumt und vor einem Überreifen des Brandes geschützt werden. Dafür benötige es auch Wasser, das nicht nur aus dem Hydrantennetz, sondern auch aus dem Bodensee entnommen werde. Zwei von mehreren Trockenleitungen, die fest an verschiedenen Stellen zwischen dem Seeufer und Kreuzungsbereichen innerhalb der Innenstadt verlegt sind, waren in Betrieb genommen und über Pumpen mit Seewasser gespeist worden.

Das zusätzliche Wasser wurde den Wenderohren der beiden Drehleitern zugeführt, um den Brand des Dachstuhls zu löschen. Die Übung habe gezeigt, dass es kein besonders außergewöhnliches Einsatzszenario brauche, „um die vorhandenen Ressourcen bis auf notwendige Redundanzreserven auszureizen und dass wir rasch auf die Hilfe unserer Kameraden in den anderen Ortsteilen und in benachbarten Gemeinde angewiesen sind“, so der Einsatzleiter.

Oberbürgermeister Jan Zeitler (Zweiter von rechts) und Thomas Stollenwerk (rechts), kommissarischer Feuerwehrkommandant, verfolgen die Übung der Jugendfeuerwehr mit großem Interesse.
Oberbürgermeister Jan Zeitler (Zweiter von rechts) und Thomas Stollenwerk (rechts), kommissarischer Feuerwehrkommandant, verfolgen die Übung der Jugendfeuerwehr mit großem Interesse. | Bild: Kleinstück, Holger

Einsatzleiter Gorber: "Keine reine Show-Veranstaltung"

Christian Gorber, Einsatzleiter und Kreisfeuerwehrsprecher, erklärt, weshalb die Jahresübung der Feuerwehr so wichtig ist.

Warum eigentlich eine Jahresübung?

Bei der Übung wird ein größeres Brandszenario in der Altstadt dargestellt und geübt. Sie ist kein Selbstzweck oder eine reine Show-Veranstaltung. Für die Bewohner der Altstadt ist solch eine Übung möglicherweise lebensrettend, denn alles, was man immer wieder übt, klappt im Ernstfall besser, als wenn es einen unvorbereitet trifft. Und die Liste der Ernstfälle in der Altstadt ist lang.

Welche Übungsannahme lag heute vor?

Ich bin von einem leicht verspätet entdeckten Wohnungsbrand im zweiten Obergeschoss ausgegangen, der sich nach Bersten des Wohnungsabschlusses rasch über den Treppenraum verbreitete und den Bewohnern so den Fluchtweg versperrte.

Wie viele Personen und Fahrzeuge waren heute im Einsatz?

Feuerwehrseitig waren 14 Fahrzeuge und 75 Einsatzkräfte vor Ort. Das Rote Kreuz war mit vier Fahrzeugen und 17 Helfern dabei. Die Polizei unterstützte mit Kräften des Freiwilligen Polizeidienstes die Sicherungsmaßnahmen an der Einsatzstelle.

Fragen: Holger Kleinstück