Was tun, wenn ein Verdacht auf Missbrauch besteht oder sich gar erhärtet? Der Verein Linzgau Kinder- und Jugendhilfe hat sich mit diesen Fragen beschäftigt und ein neues Schutzkonzept erstellt. Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg, nutzte seine Sommertour durch das Land, um sich über die sozialpädagogische Facheinrichtung und speziell über die neue Schutzkonzeption zu informieren. Bei seinem Besuch in den Räumlichkeiten begleiteten ihn Christoph Keckeisen, Erster Landesbeamter und Landratstellvertreter, Tobias Schneider, Abteilungspräsident Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Tübingen, sowie der Landtagsabgeordnete Martin Hahn. Günter Hornstein nahm als Bürgermeisterstellvertreter und in seiner Funktion als Polizist teil.

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Fast alle Kinder haben Einzelzimmer

Der Rundgang führte die Gäste exemplarisch in den Wohnbereich „Birkenhof“. Hier leben derzeit acht Kinder. „Fast alle Kinder verfügen über ein Einzelzimmer“, erklärte Barbara Hauser, Bereichsleiterin im Kinderhaus. Gerade im Hinblick auf das Anti-Missbrauch-Konzept sei das wichtig. Die Betten in den Räumen waren ordentlich gemacht. Von Teamleiterin Felicitas Baur erfuhren die Besucher, dass die Kinder extra ihretwegen die Zimmer schön hergerichtet hatten.

Viele Abläufe und Regeln sind wie die in einer Familie

An den Wänden und über den jeweiligen Kinderbetten sind Kinderzeichnungen aufgehängt. Im Treppenhaus nach oben zum Essbereich hängen die Hausregeln. Ein Blick darauf zeigt, dass es ähnlich zugeht wie in einer Familie. Die Kinder werden bekocht und essen zusammen. Bevor der Fernseher eingeschaltet wird, wird gemeinsam entschieden, was geschaut wird. Die Filmauswahl soll dem Alter entsprechen. Handys sind ab zwölf Jahren erlaubt. Jedes zweite Wochenende dürfen die jungen Bewohner nach Hause fahren. Bevor sie mit ihrer Familie telefonieren, müssen sie einen Erzieher fragen.

„Uns ist aufgefallen, dass wir sensibler werden müssen“

Doch wie geht man in der Einrichtung nun mit dem Thema Missbrauch um? Leiter Roland Berner stellte das Präventivkonzept vor. Den Ausschlag dazu, ein Schutzkonzept zu erarbeiten, habe die Beobachtung eines Mitarbeiters gegeben. „Uns ist aufgefallen, dass wir sensibler werden müssen“, sagte Berner und erzählte offen von den Anfangsproblemen. Teilweise habe es Schwierigkeiten gegeben, mit den Jugendlichen über das Thema Sexualität zu sprechen. Heikel sei auch, zwischen den im Entwicklungsprozess normalen Doktorspielen und tatsächlichen Übergriffen zu unterscheiden.

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Sozialminister lobt Schutzkonzept

Der Sozialminister nickte und sprach von der „hohen Kunst, mit Augenmaß zwischen Bagatellisieren und Hysterie zu unterscheiden“. Auch den Wunsch nach nahtloser Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz, Jugendhilfeorganisation und Eltern könne er nachvollziehen. Allein der Datenschutz könne da ein Hindernis sein. „Danke, dass Sie sich aus eigener Motivation dem Schutzprozess gegen sexuelle Gewalt und Vernachlässigung stellen“, lobte er.