Wer war Jörg Zürn? Diese Frage stellte Kulturamtsleiter Michael Brunner zu Beginn seines Vortrags, der den Abschluss der Feierlichkeiten zur 400-Jahr-Feier der Weihe des Altars im Münster am 6. Dezember 1616 bildet. Das Interesse an dem Vortrag und dem Thema war immens, der Saal war mit 160 Zuhörern voll besetzt, einige mussten sich gar den Vortrag im Stehen anhören.

Brunners Vortrag führte zunächst in die damalige Zeit, in der gerade die Oper erfunden wurde und Claudio Monteverdi und Rubens wirkten. Da schaffte Jörg Zürn den Hochaltar, der seinem Namen alle Ehre macht: „30 bis 50 Zentimeter fehlen noch bis zur Decke“, erklärte Brunner die Ausmaße. „Und wenn das Münster höher gewesen wäre, hätte auch Zürn noch höher gebaut.“

Doch die Ausmaße gehen nicht nur in die Vertikale, sondern auch in die Horizontale: Denn Brunner verwies darauf, dass die Figuren in den Raum hineinreichen. „Zürn will den Raum erobern.“ Der Altar ist 2,20 Meter tief, Zürn habe damit die Bühne erfunden, so Brunner.

Entstehung und Realisierung

Doch zunächst ging es Brunner um den Entwurf des Hochaltars, der im Städtischen Museum ausgestellt wird. „Ich bin der Überzeugung, dass die Zeichnung von Jörg Zürn ist.“ Brunner zeigte Parallelen auf, erklärte die Entstehungsphasen, veranschaulichte, was realisiert wurde, und was weggelassen wurde. Und er erklärte auch, was die Figuren auf dem Altar bedeuten und wie sie in Verbindung stehen, beispielsweise mit Blickachsen.

Auch eine Frage beantwortete Brunner: Warum ist der Altar entstanden? Die Pest war nicht der Anlass, die Pestheiligen fehlen, ebenso wie das Pestgelöbnis. Das mögen andere in Überlingen differenzierter sehen. Brunner jedenfalls sieht in dem Altar ein „städtisches Selbstverständnis, die Potenz der Stadt“. Und auch den Vergleich mit heute stellt Brunner her: „Damals baute mal Altäre, heute Landesgartenschauen.“

Auch auf einzelne Figuren geht Brunner ein, erklärt den Dudelsackpfeifer, Ochs und Esel, den Stier, die Engel und andere – zunächst auf dem Entwurf, um dann aufzuzeigen, was davon in der damaligen Zeit realisiert werden konnte und durfte. „Zürn hätte sicherlich mehr gewagt“ ist sich Brunner sicher.