Die Landesgartenschau wird offensichtlich größer und umfangreicher als bisher kommuniziert: Nach derzeitiger Planung soll lediglich ein Höhensteg den St.-Johann-Graben mit dem Mantelhafen-Areal und den Menzinger-Gärten verbinden. Aber dabei soll es nicht bleiben. Auch die Menzinger-Gärten selbst sollen in die Landesgartenschau mit einbezogen werden.

Die Menzinger-Gärten dienten einst der Versorgung der Überlinger Bürger. Heute sind die Gärten unterhalb des Sandbergwegs verpachtet. 30 Kleingartenparzellen bilden die Menzinger-Gärten, jeder Kleingarten ist schön eingerahmt von säuberlich geschnittenen Buchshecken. Es ist eine romantische Gartenidylle inmitten der Altstadt, zentral gelegen hinter den Häusern der Münsterstraße und Gradebergstraße.

Eigentümer der Menzinger-Gärten ist der Spital- und Spendenfond Überlingen. Alle Kleingärten sind verpachtet. Wie die Stadt mitteilt, ist die Mehrzahl der Pachtverträge befristet bis 10. November 2017. Nur wenige Pachtverträge, die vor 2013 geschlossen wurden, haben eine Laufzeit auf unbestimmte Zeit. Vorausschauend auf die Landesgartenschau hat die Stadt seit dem Bürgerentscheid 2013 nur noch bis November 2017 befristete Verträge für die Menzinger-Gärten abgeschlossen.

„Im Zuge der Planungen für die Landesgartenschau 2020 bestehen Überlegungen dahingehend, dieses Gartenareal ganz oder teilweise mit einzubeziehen“, sagt die Assistentin der Oberbürgermeisterin, Ilona Miller. Ähnliches bestätigt Petra Pintscher, zuständig bei der Landesgartenschau für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: „Es ist vorgesehen, die Gärten im Ausstellungsjahr der Landesgartenschau 2020 zu nutzen.“

Ende 2015 hatte die Stadt die Kleingärten am Kneilisberg hinter dem Friedhof gekündigt, aus den Gärten wurde Bauland. Alternativ wurden den gekündigten Kleingärtnern damals Parzellen an der B 31 und auch in den Menzinger-Gärten angeboten. Auch Tatjana Nünninghoff hatte sich erfolgreich um eine Parzelle in den Menzinger-Gärten beworben. Dass die Verträge nur eine Laufzeit von zwei Jahren hatten, war ihr bekannt. „Aber die wussten nicht, ob sie die Gärten für die Landegartenschau brauchen, wir hatten somit Hoffnung, dass die Verträge verlängert werden.“

In den öffentlichen Planungen für die Landesgartenschau tauchten die Menzinger-Gärten bisher nicht auf. Auch das jüngst verteilten Magazin „Hallo Grün“ machte nochmals Hoffnung: Von dem Höhensteg ist die Rede, die Menzinger-Gärten als Teil der Landesgartenschau werden aber in dem Magazin nicht genannt.

„Ich bin für die Landesgartenschau“, sagt Tatjana Nünninghoff, „und muss es objektiv sehen.“ Dass ihr als Gartenpächterin das neue Landesgartenschaukonzept jetzt ohne Bürgerbeteiligung untergejubelt wird, stört sie. „Die haben doch schon alles längst geplant“, sagt sie etwas resigniert: „Die Bevölkerung hat keine Privilegien, es wird über ihre Köpfe hinweg entschieden.“

Die Pächter mit unbefristeten Verträgen erhielten vergangene Woche die Kündigungsschreiben. „Das war für einige sehr schmerzhaft“, weiß Tatjana Nünninghoff zu berichten. Sie versteht das alles nicht, blickt aber etwas optimistisch in die Zukunft. „Die Gekündigten werden sich wehren, die lassen das nicht auf sich sitzen.“

Was aus den Gärten werden soll, ist offiziell noch nicht bekannt. „Konkrete Pläne zu den Menzinger-Gärten gibt es augenblicklich noch nicht“, teilt Petra Pintscher von der Landesgartenschau mit. Auch ob die Gärten nach der Landesgartenschau wieder den Kleingärtnern zur Verfügung gestellt werden, „lässt sich derzeit noch nicht abschließend beantworten.“

Offensichtlich hat die Stadt aber schon weiterführende Ideen und Pläne für die Nutzung der Gärten nach der Landesgartenschau. Auf Anfrage bestätigt Ilona Miller: „Anschließend, so die momentanen Überlegungen, sollen die Gärten als dauerhafte Grünanlage öffentlich zugänglich sein für die ganze Bevölkerung.“ Ende 2017 ist also definitiv Schluss mit den Menziger-Gärten. Dann wird aus den historischen Gärten wohl eine dauerhafte Grünanlage.

 

Menzinger-Gärten

Die Gärten dienten wohl schon im Mittelalter der Versorgung der Bevölkerung. Bereits auf der Überlinger Ansicht von Merian aus dem Jahr 1643 sind im oberen Teil ein Weingarten und im unteren Kraut- und Baumgärten eingezeichnet. Der Garten verdank seinen Namen der Familie Menzinger. Bekannt ist die Familie durch den Maler Moritz Menzinger, der am 15. Juli 1832 im ungarischen Karansebès geboren wurde. Schon als Gymnasiast erhielt er Zeichenunterricht und schlug später eine Militärkarriere ein. Bei seiner Pensionierung 1889 hatte er den Rang eines Oberstleutnants und zog nach Überlingen, wo er am 12. Februar 1914 verstarb.