Drei Wochen zahnärztliche Hilfe in Myanmar in Südostasien: Das hat die angehende Zahnärztin Lisa Sophie Reder aus Überlingen jetzt mehrere Wochen freiwillig geleistet. Die 26-Jährige, die im siebten Semester Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke (UWH) in Nordrhein-Westfalen studiert, befindet sich derzeit auf Reisen in Indonesien. Nachdem sie ihr Abitur am Gymnasium Überlingen abgelegt hatte, stand für sie schon zu Beginn ihres Studiums ein Engagement in einem sozialen Projekt fest. Daher freute es sie jetzt, am „Zahnmedizinischen Myanmarprojekt“ der Universität, das sie schon in der Vergangenheit immer mit großer Neugier verfolgte, teilnehmen zu dürfen.

Kinder im Mittelpunkt des Projekts

Seit mittlerweile zehn Jahren fahren Studierende der Universität nach Myanmar, nachdem zwei Studierende der UWH das Projekt ins Leben gerufen hatten. Hintergrund war der tropische Wirbelsturm „Nargis“, der im April 2008 zehntausende Tote und hunderttausende Obdachlose in Myanmar forderte. Ziel des Projektes ist es, die Arbeit der Zahnärzte Myanmars praktisch, finanziell und materiell zu unterstützen. Besonders Kinder stehen nach Angaben Reders im Mittelpunkt des Projektes; so fänden konservierende Behandlungen, zahnmedizinische Präventionsprogramme und Aufklärung statt.

Gemeinsam mit ihren Kommilitonen, Tom Kovalev aus Castrop-Rauxel, Saskia Beyer aus Mülheim an der Ruhr und Moritz Staiger aus Berlin, startete Lisa Reder (rechts) mit 261 Kilogramm Gepäck, davon 151,5 Kilogramm Materialspenden, vom Frankfurter Flughafen nach Myanmar.
Gemeinsam mit ihren Kommilitonen, Tom Kovalev aus Castrop-Rauxel, Saskia Beyer aus Mülheim an der Ruhr und Moritz Staiger aus Berlin, startete Lisa Reder (rechts) mit 261 Kilogramm Gepäck, davon 151,5 Kilogramm Materialspenden, vom Frankfurter Flughafen nach Myanmar. | Bild: Privat

Gemeinsam mit drei weiteren Kommilitonen startete Lisa Reder mit 261 Kilogramm Gepäck, davon 151,5 Kilogramm Materialspenden, vom Dortmunder Hauptbahnhof Richtung Frankfurt am Main, um nach zwölf Stunden Flugzeit in Myanmar zu landen. Im ehemaligen Burma besuchte sie verschiedene Städte; darunter die Hauptstadt Naypyidaw, Bagan, Kalaw und Nyang Shwe.

Zähne von Karies befallen

Die vier Studierenden verteilten über 2500 Zahnbürsten und -pasta in Kindergärten und Schulen und brachten den Kindern in Kleingruppen das Zähneputzen bei. „Bei fast jedem Kind ist mindestens ein Zahn von Karies befallen, deswegen war ich umso erstaunter, als ich sehen konnte, wie geschickt und schnell die Kinder das ihnen Beigebrachte umsetzen konnten und mit was für einer Dankbarkeit sie Tipps bezüglich der Zahngesundheit angenommen haben“, freut sich die gebürtige Konstanzerin. „Ich hoffe sehr, dass wir einen kleinen Beitrag zur Verbesserung des Zustandes leisten konnten.“

Behandlung unter freiem Himmel

Neben der präventiven Tätigkeit standen auch Behandlungen für hilfsbedürftige Menschen auf dem Plan, die sie mit mobilen dentalen Einheiten vornahmen. Dazu gehörten kleinere Eingriffe wie das Entfernen kariös veränderter Zahnsubstanz, Füllungen legen und Zahnextraktionen, bei denen sie Hand in Hand mit den burmesischen Zahnärzten arbeiteten.

Das Team arbeitete in Myanmar unter ganz anderen Behandlungsbedingungen.
Das Team arbeitete in Myanmar unter ganz anderen Behandlungsbedingungen. | Bild: Privat

Im Rahmen eines Programms waren diese Behandlungen für die Patienten kostenlos. „Insgesamt stellten die Behandlungsbedingungen einen extremen Kontrast zu den europäischen Standards dar“, sagt Lisa Reder. Das habe zum großen Teil daran gelegen, dass die Behandlungen nicht in einer Zahnarztpraxis, sondern in improvisierten Massenbehandlungsräumen oder sogar unter freiem Himmel stattfanden. Speichel oder Wasser würden nicht etwa aus dem Mund gesaugt, vielmehr spuckten die Patienten in einen Mülleimer, der neben einer Behandlungseinheit steht.

Tief beeindruckt von den Menschen

Lisa Reder ist glücklich über die Erfahrungen, die sie während der drei Wochen hat sammeln dürfen. „Die Landschaft ist atemberaubend und die Natur strahlt überall in satten Grüntönen“, sagt sie. Zwischendrin fände man immer beeindruckende Pagoden und Tempel, die das Landschaftsbild komplettierten. Die junge Zahnmedizinerin zeigt sich „zutiefst beeindruckt“ von den Menschen in Myanmar. „Sie begegneten uns mit einer unglaublichen Gastfreundschaft, Höflichkeit und Freundlichkeit. Jeder grüßt hier mit einem Lächeln im Gesicht, wir bekamen Früchte und traditionelles Essen geschenkt und ich kann von keiner negativen Erfahrung berichten.“