Jedes Wohnhaus der Gemeinschaftsunterkunft in Goldbach gliedert sich in zwei Wohngruppen für jeweils maximal zehn Bewohner. Theoretisch wäre so Platz für 40 Menschen, allerdings achten die Betreuer bei der Belegung auf die kulturellen Hintergründe, um ein harmonisches Miteinander nicht von vorneherein zu gefährden.

Die neue Fassade in hellbrauner Farbe wertet die seit 1992 hier stehenden beiden Holzgebäude in Goldbach optisch auf. Neue Fenster und eine komplett neue Haustechnik mit Wohnküche und neuem Sanitärbereich sollen in den hellen Räumen nun für eine ansprechende Aufenthaltsqualität sorgen. Dazu gelernt haben die Verantwortlichen auch bei den kulturellen Gewohnheiten, wie sie bei dem Rundgang erzählen. So habe man unter anderem auch jeweils ein neues "Hock-WC" eingebaut.

Die sanierten Räume sind hell und bieten unter anderem eine große Wohnküche mit doppelter Grundausstattung. Vertreter des Landkreises, der Diakonie und ehrenamtliche Helfer konnten sich ein erstes Bild davon machen.
Die sanierten Räume sind hell und bieten unter anderem eine große Wohnküche mit doppelter Grundausstattung. Vertreter des Landkreises, der Diakonie und ehrenamtliche Helfer konnten sich ein erstes Bild davon machen. | Bild: Hanspeter Walter

Wohngruppen jeweils rund 100 Quadratmeter groß

In einem der beiden Gebäude sind die beiden Wohngruppen jeweils rund 100 Quadratmeter groß, im zweiten Haus hat die Stadt ein Büro für die Betreuungskräfte des Diakonischen Werks berücksichtigt und zudem noch zwei Räume für die Integrationsarbeit ehrenamtlicher Helfer eingerichtet. Hier soll es Zeit für Gespräche geben und der Sprachunterricht stattfinden.

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Es fehle jetzt lediglich noch an der Aufwertung der Außenanlagen, erklärt Gerald Goldbach vom Technischen Facility Management, der für die Planung und Umsetzung des Umbaus verantwortlich ist. Ein altes kleines Nebengebäude, das im rückwärtigen Bereiche der sanierten Pavillons steht und derzeit nicht mehr genutzt wird, solle abgerissen werden, sagt Goldbach. Stattdessen werde an dieser Stelle ein kleiner Quartierstreff und ein Spielplatz entstehen. „Hier können sich die Bewohner treffen und haben dabei ihre Kinder im Blickfeld“, sagt der Verantwortliche.

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Kosten dafür belaufen sich auf jeweils rund 350 000 Euro

Die Holzgebäude der Gemeinschaftsunterkunft waren schon im Zuge der Balkankrise von der Stadt Überlingen gebaut worden. Dann waren sie jedoch bis zu diesem Frühjahr an den Bodenseekreis als verantwortlicher Träger der Gemeinschaftsunterkünfte vermietet gewesen. Für die Anschlussunterbringung von Menschen, die ein Bleiberecht haben, ist die Stadt nun selbst zuständig. Vor diesem Hintergrund und angesichts des aktuellen Defizits an Plätzen, bot sich die Sanierung der beiden Gebäude an. Die Kosten dafür belaufen sich auf jeweils rund 350 000 Euro. Da sich die Grundstücke in einem nicht bebaubaren Außenbereich befinden und direkt an das Landschaftsschutzgebiet angrenzen, nutzte die Stadt den aktuellen Bestandsschutz. Gerald Goldbach betonte, dass es genauso teuer gewesen wäre, die Gebäude abzureißen und anschließend neue Wohnmodule zu bauen.

Die neue Fassade in hellbrauner Farbe wertet die seit 1992 hier stehenden beiden Holzgebäude in Goldbach optisch auf.
Die neue Fassade in hellbrauner Farbe wertet die seit 1992 hier stehenden beiden Holzgebäude in Goldbach optisch auf. | Bild: Hanspeter Walter

Nur Betriebe aus Überlingen und Umgebung

Erfreut zeigte sich Goldbach, dass bei den Baumaßnahmen nur Betriebe aus Überlingen und unmittelbarer Umgebung beauftragt werden konnten. Um die Sanierung möglichst zügig abschließen zu können, habe es aufgrund der aktuell guten Konjunktur erheblichen Druck gegeben.

Elke Dachauer verwies auf den rechtlichen Status der Geflüchteten mit Bleiberecht. Die Bewohner würden hier quasi „polizeilich eingewiesen“ und sollen einen sicheren Wohnraum bekommen – aber auch den Anreiz, auszuziehen und eine Alternative zu finden. Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger ergänzte: Die Stadt verlassen dürfen die Geflüchteten in den kommenden drei Jahren nur, wenn sie andernorts eine „voll auskömmliche Beschäftigung“ nachweisen können.

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