Atemlose Stille herrschte nach dem Schlusston, ehe tosender Applaus einsetzte. Mit Dvoraks Requiem setzten die Teilnehmer und Dozenten der Meersburger Sommerakademie am Samstagabend einen absoluten Höhepunkt hinter die vergangen Tage mit Proben, Fortbildungen und Konzerten. Frank Markowitsch ist ein Glücksfall für die Sommerakademie.

Er führte Orchester, Chor und Solisten mit sicherem souveränem Dirigat durch das anspruchsvolle Werk. Antonin Dvoraks Requiem dauert gut anderthalb Stunden und führt musikalisch durch alle Höhen und Tiefen einer Totenmesse. Die Veranstalter des Birmingham Music Festival wünschten 1888 ein geistliches Werk. Antonin Dvorak (1841 bis 1904) selber wählte die Gattung Requiem. Am 9. Oktober 1891 wurde das op. 89 unter Dvoraks Leitung mit großem Erfolg in Birmingham uraufgeführt. Bereits das intensive Motiv aus vier Tönen zu Beginn, wie aus dem Nichts von den Streichern intoniert, zog die Zuhörer in Bann.

Immer wieder durchlief dieses prägnante Motiv, in Klangfarbe, Rhythmik und Tonart verändert, wie ein roter Faden das Werk. Herrschten im ersten Teil überwiegend die düsteren melancholischen Stimmungen vor, begann mit dem Offertorium der helle, lichte und zuversichtlichere Part. In einer lieblichen und liedhaften Melodie, abwechselnd in den Solisten und im Chor, schwebte die ganze Seele mit und mündete in einer beeindruckenden und lebhaften Fuge, die die Chorsänger und Solisten in höchste Höhen führte. Frank Markowitsch vermittelte seine musikalische Auffassung dieses Werkes klar und deutlich, forderte und förderte Chor und Orchester zu Höchstleistungen und schuf ein spannungsvolles, nie langweilig werdendes Gesamtes.

Das Solistenquartett mit Annette Bretschneider (Sopran), Hanna Roos (Alt), Alexander Efanov (Tenor) und Simon Robinson (Bass) harmonierte bestens mit Chor und Orchester. Eine sehr gute stimmliche und körperliche Kondition wurde im Chor und Orchester vorausgesetzt. In zwölf von 13 Sätzen war der Chor beteiligt: die anspruchsvollen a-capella-Stellen, die kurzen Einwürfe, die vielen schnellen Wechsel von Fortissimo zu Pianissimo gelangen fast uneingeschränkt. Ebenso das Orchester: saubere Blech- und Holzbläsereinsätze, wunderbare Streicher, die Harfenistin, die Schlaginstrumente und ein Organist, Matthias Flierl, der das Beste aus der stark überholungsbedürftigen Franziskanerkirchenorgel herausholte. Eine großartige Aufführung dieses selten musizierten Werkes und ein hervorragendes Ergebnis der 40. Meersburger Sommerakademie.

Die Meersburger Sommerakademie ist eine vom Land Baden-Württemberg, den Regierungspräsidien und dem Verein der Freunde der Meersburger Sommerakademie getragene Fortbildungsveranstaltung für Schulmusiker. Durch die Erarbeitung von sinfonischen Werken und Oratorien sollen neue Impulse für die schulische Musikarbeit und den Musikunterricht gewonnen werden. Darüber hinaus soll die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit den ausgewählten Werken die Repertoirekenntnisse erweitern sowie die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in schulischen Kontexten fördern.