Matthias Puchta ist die Vorfreude deutlich anzumerken. Der Diplom-Ingenieur ist Abteilungsleiter Energiespeicher am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel. Dort arbeitet er an einem Meerespumpspeicher, und in den nächsten Tagen beginnt ein spannender Test – und zwar im Bodensee.

In Zukunft sollen große Betonkugeln am Grund der Ozeane Strom erzeugen. Mit einer kleineren Testkugel im Maßstab 1:10 soll im Bodensee die Machbarkeit im realen Betrieb simuliert und getestet werden. Die drei Meter breite Testkugel wurde Anfang des Jahres gebaut und ist seither an Land erfolgreich getestet worden.

Am 1. November geht es an den Bodensee. An diesem Nachmittag wird die Kugel in Bad Hersfeld auf einen Tieflader verladen und nach Konstanz gefahren, genauer an den Fährhafen in Staad. Dort kommt der Tieflader nach derzeitiger Planung am 2. November an.

Die Betonkugel wird abgeladen und bleibt die nächsten Tage erst einmal dort stehen. Denn die dazugehörige Technik, also die Pump-Turbine, wird separat transportiert, wie Puchta erläutert: "Die Technik der Kugel sitzt in einer Röhre, und die wird erst in Konstanz in die Kugel eingebaut. Das Transportrisiko ist zu hoch."

Nach dem Einbau laufen in Konstanz noch die letzten Tests. Für den Einbau und diese Tests an Land sind sechs Tage vorgesehen. Matthias Puchta erklärt: "Wir brauchen die Zeit, und zudem können wir uns auch nicht immer auf das Wetter verlassen. Daher haben wir eine flexible Zeitplanung."

In den frühen Morgenstunden des 8. Novembers kommt die Kugel dann erstmalig mit Wasser in Kontakt. An einem Kran wird sie ins Wasser gesetzt. Damit die tonnenschwere Kugel nicht sofort untergeht, werden Schwimmer an ihr befestigt sein, ähnlich wie Schwimmflügel. Am 9. November wird die schwimmende Kugel dann von dem auf Tauch- und Bergungsarbeiten spezialisierten Unternehmen Bodensee-Taucher aus dem Hafen geschleppt. Die Reise der Kugel geht nach Überlingen.

"Wir haben uns den Bodensee genau angesehen, das Seenforschungsinstitut in Langenargen hat ihn ja ganz gut kartographiert", erläutert Matthias Puchta: "Diese Unterwasserkarten waren sehr hilfreich bei der Wahl des Standortes." Aber nicht nur der Seeboden, auch der Uferbereich war maßgeblich für die Entscheidung, den Test vor Überlingen durchzuführen.

Den idealen Standort haben die Beteiligten vor dem Bodensee-Yacht-Club gefunden. "Der Bodensee fällt dort zuerst steil ab", erläutert Puchta die Topografie. In 100 Metern Tiefe wird die Testkugel installiert. Sie wird dort einfach auf Grund gesetzt und nicht verankert. "Egal wie voll sie ist, sie steht ganz sicher auf dem Seeboden." Begleitet wird die Aktion von der Wasserschutzpolizei. Und weil in 100 Metern Tiefe das Tauchen problematisch wird, wird ein Tauchroboter zum Einsatz kommen und Bilder vom Seegrund liefern.

Von der Kugel werden elektrische Leitungen an Land führen, Puchta geht von 300 Metern Kabel aus. "Die Kugel wird damit 100 bis 200 Meter vom Ufer entfernt sein." Die Verantwortlichen hoffen, dass diese Arbeiten noch am 9. November abgeschlossen werden können. Denn gutes Wetter ist dafür notwendig. Aber es ist hierfür ein Puffer von fünf Tagen eingeplant.

Begrenzungsbojen werden den Bereich auf dem See markieren, mehr ist dann an der Oberfläche nicht mehr zu sehen. An Land beziehen die Ingenieure ein kleines Gebäude auf dem Gelände des Yachtclubs. Von dort aus werden die Tests gesteuert und die Daten aufgezeichnet. Am 10. November sollen die Tests beginnen. Mit einer Netznachbildung wird simuliert, wie es später laufen soll. "Strom werden wir aber noch keinen in das öffentliche Netz einspeisen", erklärt Puchta.

Die Tests im Bodensee sollen bis maximal 5. Dezember laufen, danach wird das ganze System wieder abgebaut, die Kugel wieder aus dem Wasser geholt und über Konstanz zurück nach Bad Hersfeld gebracht. Soweit die Planung. Matthias Puchta freut sich schon. "Wir fahren jetzt noch die letzten Tests, dann packen wir alles ein, und los geht's!"

Meerespumpspeicher

Stromnetze müssen regelbar und stabil sein. Dem unterschiedlichen Bedarf an Strom stehen Schwankungen in der Ökostromproduktion beispielsweise bei Windstille oder bewölktem Himmel gegenüber. Daher muss Strom gespeichert werden können.

Eine Kugel, ein Hohlkörper, wird auf dem Meeresboden installiert. Darin befindet sich eine Öffnung mit einer integrierten Pumpturbine, ähnlich einem Pumpspeicher-Wasserkraftwerk an Land. Wird zusätzlicher Strom benötigt, wird das Ventil an der Kugel geöffnet, Wasser strömt hinein und treibt die Turbine an. Dabei wird Strom wird erzeugt.

Mit überschüssigem Windstrom wird das Wasser später aus der Kugel herausgepumpt. Die leere Kugel steht dann wieder zur Verfügung, um bei Bedarf neuen Strom zu erzeugen. (dle)