Kontrastreicher hätten die Diskutanten der sechsten Auflage des „Gemischten Doppels“ kaum sein können: Friedrich Hebsacker zählt zu jenen Überlingern, die finanziell ausgesorgt haben. Jens Eloas Lachenmayr dagegen macht sich nichts aus Geld. Doch eines eint das ungleiche Paar: das große Interesse für, und die Zuneigung zur Kunst. Der eine als Kunstförderer und Mäzen, der andere als Musiker und Barde. SÜDKURIER-Redaktionsleiter Stefan Hilser beschreibt, wie er beide erlebte: Hebsacker, in Wohlstand lebend, der sich von der Polizei Tipps geben lassen muss, wie er sein Lager mit historischen Waffen vor Einbrechern schützt. Lachenmayr dagegen in einem Bauwagen lebend, dessen Eingang eine klapprige Tür gebildet hat.

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„Mich interessiert, was Sie glücklich macht“, fragt Stefan Hilser. „Ich träume immer noch von meinem Zelt, das ich mit zehn Jahren aufgebaut hab“, sagt Hebsacker. Schiebt in Richtung Lachenmayr hinterher: „Machen Sie nur alles, solange Sie jung sind.“ Denn am wichtigsten sei ihm die Gesundheit, sagte Hebsacker auf die Frage nach Wünschen, die nicht bezahlbar sind.

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Wunsch: Eigenes Grundstück

Und Lachenmayr, hat er Wünsche, die für ihn finanziell unerreichbar sind? „Ja, ein eigenes Grundstück.“ Lachenmayr ist in die Schlagzeilen geraten, weil er in Bauwagen und Jurte auf einer Waldlichtung bei Frickingen lebte und von den Behörden dort vertrieben wurde. Am liebsten wäre ihm dann ein Grundstück in Deutschland, in der Nähe des Bodensees. „Aber auf jeden Fall am Wald.“ Bäume sind dem Barden, der ein „Lied der Bäume“ dichtete, sehr wichtig.

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Wichtig ist Hebsacker die Kunst- und Kulturförderung. Seine Brötchen hat der gelernte Büchsenmacher mit historischen Waffen verdient. Schon der Vater habe mit Sportwaffen gehandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Deutschland „praktisch entwaffnet worden, auch von allen Jagdgewehren“, so Hebsacker. Die Nachfrage der Sportschützen und Jäger habe er bedient. Später hat er das Deutsche Waffenjournal gegründet, das ihm half, Kunden für seine Produkte zu finden. Mit den historischen Nachbildungen habe er verschiedene Filmsets ausgestattet, unter anderem den Filmklassiker „Der mit dem Wolf tanzt“. Aber auch Bürgerwehren habe er mit historischen Waffen ausgestattet: „12 000 Stück – das war ein großes Millionengeschäft“.

Eisenbahnwagon voll mit Malerei

Genug Geld, um in die Kunst und Gemälde zu investieren und der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. In Budapest habe er einen Eisenbahnwagon voll mit Malerei erworben, sagt Hebsacker. „Die brauchten das Geld und haben es mir angeboten. Und ich hab‘ diese Kunst nach Deutschland gebracht.“ Diese Bilder habe er fast alle verkauft und zu Geld gemacht – das er unter anderem in Überlingen investierte. So ließ Hebsacker in den 70-er Jahren das Zeughaus renovieren. So etwas dürfe die Stadt nicht verfallen lassen. Auf Hilsers Frage, ob sich das im weitesten Sinne auch lohne, sagt Hebsacker: „Mir gefällt es einfach.“ Hilser erinnert an die Posse um die Kanone vor dem Zeughaus. Hebsacker hatte sie zurückgeholt – mit einer Klageandrohung.

Dieses Bild zeigt die Kanone bei der Anlieferung nach der Instandsetzung im Januar 2014. Ohne Hebsackers Wissen war sie abtransportiert worden, jetzt soll sie zurück an ihren angestammten Platz.
Dieses Bild zeigt die Kanone bei der Anlieferung nach der Instandsetzung im Januar 2014. Ohne Hebsackers Wissen war sie abtransportiert worden, jetzt soll sie zurück an ihren angestammten Platz. | Bild: Hanspeter Walter

Lachenmayr hätte sich die ein oder andere Kulturförderung auch gewünscht: „Hätten wir uns doch früher kennengelernt“, sagt er mit breitem Lächeln. Sein „Fest der Bäume“ hätte er zur Landesgartenschau im kommenden Jahr gerne wieder starten lassen. Der Barde greift nach seiner Gitarre und gibt sein „Lied der Bäume“ zum Besten. Er erntet Mitgefühl beim Publikum, als er berichtet, wie er Bußgelder für zu langes Musizieren an der Promenade zahlen musste und ihm die Ordnungskräfte als Faustpfand die Gitarre abnahmen.

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„Hochinteressant“, sei die Debatte verlaufen, sagt Besucherin Rosemarie Laßkorn. „Vor allem der Kontrast – und doch haben sie etwas Gemeinsames: Mit handwerklichem Können Kunst schaffen.“ Auch Hubert Karle findet die Kontraste spannend. „Wie unterschiedlich man sein Leben gestalten kann.“ Und Besucher Rolf Briddigkeit meint: „Die gesungene Kunst auf der einen, und die Kunst im Zusammenspiel mit Geld auf der anderen Seite – das sind zwei Welten.“

Von links: Friedrich Hebsacker, Jens Eloas Lachenmayr und Heide Hebsacker unterhalten sich nach der Veranstaltung.
Von links: Friedrich Hebsacker, Jens Eloas Lachenmayr und Heide Hebsacker unterhalten sich nach der Veranstaltung. | Bild: Navid Moshgbar

Gesprächsreihe

Das Gesprächsformat „Gemischtes Doppel“ wird regelmäßig und seit zwei Jahren von der SÜDKURIER-Redaktion und dem Wohnstift Augustinum Überlingen organisiert. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist jedes Mal kostenlos, um Spenden wird jedoch gebeten. Beim Podium mit Friedrich Hebsacker und Jens Eloas Lachenmayr kamen 600 Euro zusammen. Hebsacker spendet an das Kulturamt Überlingen und Lachenmayr an die Fachklinik für Drogenkrankheiten Sieben Zwerge Salem. Die Gesprächsteilnehmer legen den Spendenzweck stets selbst fest. (nav)