Überlingen – „Lassen Sie uns mal über Bäume reden“, sagte der Geschäftsführer der Landesgartenschau Martin Leitner bei der Bürgerinformation im voll besetzten Kursaal. Die beiden Geschäftsführer der Landesgartenschau, Roland Leitner und Martin Richter, hatten die Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, den Leiter der städtischen Abteilung Grünflächen, Rolf Geiger, ferner noch Lothar Heissel vom Gewässerreferat beim Regierungspräsidium Tübingen sowie Jochen Kübler vom Büro 365 eingeladen.

Martin Richter eröffnete die Referate und zeigte die Chancen einer Landesgartenschau auf. Baumfällungen seien für ihn nichts Unübliches. In dem von Roland Leitner referierten Gesamtrückblick zeigte er die Wandlung der versiegelten und unattraktiven Flächen hin zur „grünen Oase im Westen“ „Ich finde es gut, dass sie mitmachen!“ Mit diesen lobenden Worten an die Bürgerschaft begann Marianne Mommsen ihren Vortrag. „Ich mache das für Sie“, sagte sie und erinnerte an ihren mutigen und prämierten Entwurf.
 

Marianne Mommsen (ganz rechts) und Dirk Diestel bei der Diskussionen vor Plänen im Anschluss an die Bürgerinformation.
Marianne Mommsen (ganz rechts) und Dirk Diestel bei der Diskussionen vor Plänen im Anschluss an die Bürgerinformation. | Bild: Dieter Leder

Sie packte auch das, wie sie sagte, „heiß diskutierte Thema Bäume“ an. „Wir machen streckenweise was kaputt“, gab sie offen zu, "aber wir wägen genau ab. Ich kann nur das Gelände modellieren, wenn wir die Bäume wegnehmen.“

Roland Leitner zeigte im Anschluss nochmals auf, dass hierfür 115 Bäume gefällt werden müssen, im Gegenzug aber 54 Bäume im Planbereich und 190 Bäume im gesamten Stadtgebiet neu gepflanzt werden. Die Geschichte der Platanenallee war Gegenstand von Rolf Geigers Referat und wie sie die Bäume in ihrer Wertigkeit beurteilt haben. „Wir werden massiv eingreifen, wenn erhaltenswerte Bäume gefällt werden“ versprach er. Er verwies auch auf den neuen Mehrwert, der geschaffen werde.

Lothar Heissel zeigte die Aufwertung des Ufers durch den Abriss der Ufermauer auf. Erst die Landesgartenschau mache eine neue Belebung des Ufers möglich. Und letztlich präsentierte Jochen Kübler die Bemühungen beim Artenschutz und bei der Natura 2000 auf. „Wir haben keinen Nachweis eines Juchtenkäfers wie bei Stuttgart-21 gefunden“ sagte er zum Abschluss seiner Ausführungen. „Gott sei Dank!“, war die Antwort aus dem Publikum.
 

Altbürgermeister Reinhard Ebersbach bei seiner Wortmeldung.
Altbürgermeister Reinhard Ebersbach bei seiner Wortmeldung. | Bild: Dieter Leder

Damit war die Diskussion mit den Bürgern eröffnet, bei der Dirk Diestel als erster das Wort ergriff: „Feuer frei!“, sagte er und konfrontierte Marianne Mommsen mit einer früheren Aussage, dass nahezu alle Bäume erhalten bleiben sollen. Ferner monierte er den fehlenden Dialog. Er überlege, eine Bürgerinitiative zu gründen und Unterschriften für einen Bürgerentscheid zu sammeln.

Gerhard Wenzke sagte, dass er Frieden mit den Bäumen wolle. Kristin Müller-Hauser vom Verein Futur wünschte sich bessere Informationen und ein grünes und lebenswertes Überlingen.

Uli Hoppe schlug vor, nach dem Fällen wieder ähnliche Bäume zu pflanzen. „Besondere Bäume werden gepflanzt“, entgegnete Marianne Mommsen und fügte leidenschaftlich hinzu: „Wir wollen einen Park machen, den es nur hier am See gibt.“

Herbert Dreiseitl lobte die Veranstaltung und insbesondere die Arbeit von Marianne Mommsen. „Das bringt die Stadt nach vorne.“ Auch sein Ruf nach mehr Klarheit und Nachvollziehbarkeit erntete viel zustimmenden Applaus. Viel Applaus gab es auch für Altbürgermeister Reinhard Ebersbach für seinen Hinweis, dass kein Vertreter der Stadt anwesend sei. „Was wir nicht brauchen ist eine neue Form von Bürgerbegehren und Bürgerentscheid.“ Er forderte auf, nicht wieder von vorne anzufangen.

In seinem Schlusswort sagte Martin Richter, dass sie die Kritiker sehr ernst nehmen würden. „Wir brauchen Sie als Bürger.“ Er bittet um Vertrauen und verspricht einen intensiveren Dialog. „Lassen Sie uns miteinander reden und eine tolle Landesgartenschau veranstalten!“

Uferrenaturierung

Die IGKB – Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee – behebt seit 1961 Defizite bei der Wasserqualität im Bodensee. Im Aktionsprogramm 2004 bis 2009 ging es um den oft mangelhaften Zustand der Ufer- und Flachwasserzonen und die Ausarbeitung von Gegenmaßnahmen. Durch die Ufermauer in Überlingen wurde der Bereich als "naturfremd" und "naturfern" eingestuft. Mit der Renaturierung im Zuge der Landesgartenschau wird der Uferbereich dann größtenteils als "naturnah" eingestuft werden.