Gleich zweifachen Grund zum Feiern haben die Lippertsreuter Narren in dieser Saison: Ihr Narrenverein besteht seit 60 Jahren, weshalb sie am ersten Februarwochenende erstmalig zu einem großen Festumzug einladen. Außerdem wird der beliebte und von ihnen im Wechsel mit dem Musikverein organisierte Bunte Abend am kommenden Wochenende (26./27. Januar) zum 40. Mal über die Luibrechthallen-Bühne gehen.

Das Organisatorenteam freut sich auf die heiße Jubiläumsphase und ist offensichtlich gut gerüstet. Die Fasnachtsfähnle hängen schon in den Dorfstraßen und die frisch gedruckten Flyer liegen aus. Beim Vorabtermin präsentierte das Präsidententrio bestehend aus Andreas Schairer, Michael Keßler und Gottfried Mayer zusammen mit Schriftführer Daniel Dillmann und dem Musikvereinsvorsitzenden Florian Keller die harten Fakten zu den Jubiläen. Gleichzeitig sprudelten die Erinnerungen bei den Narren zu den vergangenen sechs Jahrzehnten förmlich.

Das Organisationsteam um Narrenpräsident Andreas Schairer freut sich auf viele begeisterte Zuschauer beim Bunten Abend und beim Festumzug. Von links: Daniel Dillmann, Gottfried Mayer, Florian Keller, Andreas Schairer und Michael Keßler.
Das Organisationsteam um Narrenpräsident Andreas Schairer freut sich auf viele begeisterte Zuschauer beim Bunten Abend und beim Festumzug. Von links: Daniel Dillmann, Gottfried Mayer, Florian Keller, Andreas Schairer und Michael Keßler. | Bild: Martina Wolters

Das Festwochenende beginnt am Samstag, 3. Februar, nach morgendlichem Zunftmeisterempfang mit dem traditionellen Narrenbaumstellen im Teildorf Ernatsreute. Für den Samstagnachmittag wartet dann noch ein Festzelt mit dem Motto "Zirkus" auf närrische Gäste. Als Schmankerl soll es für angemeldete Narrengruppen ein Pokalspiel mit witzig-unterhaltsamen Aufgaben geben.

Erstmalig in der Vereinsgeschichte wird es am Sonntag, 4. Februar, um 13.30 Uhr einen Großumzug mit 31 teilnehmenden Gruppen in Lippertsreute geben. Vertreten sind die zum Zusammenschluss "Landadel" gehörenden Gruppierungen aus Überlingens Teilorten. Aber auch die Überlinger Narrenzunft nebst Löwen ist mit von der Partie. Zehn Musikvereine und -gruppen sorgen für flotte Unterhaltung, wobei die Harmonie Lippertsreute mit jeweils 50 Musikern aus Verein und Jugendkapelle antritt. Auch bei der Gästebewirtung auf dem Festplatz rund um den Gasthof Keller können die Organisatoren mit helfenden Händen aus Dorf und Umgebung rechnen. Drei Besenwirtschaften und ein Schankwagen warten dann auf Gäste. Der Umzugsweg reicht von der Alten Landstraße über die Bruckfelderstraße bis zum Autohaus an der Hauptstraße. "Wir haben das Maximum ausgeschöpft", sagt der Schriftführer zufrieden. Moderiert wird das Ganze vom ehemaligen Elferrat Hermann Männi Keller von einer eigens eingerichteten Ehrentribüne aus, die beim Gasthaus Adler stehen wird.

Schon früh legen die Lippertsreuter Narren Wert auf eine vielfältige Dorffasnet.
Schon früh legen die Lippertsreuter Narren Wert auf eine vielfältige Dorffasnet. | Bild: privat

Fastnacht wird seit jeher großgeschrieben in Lippertsreute. Im Zusammenhang mit einem an das Spital abzuliefernden "Fasnachtshuhn" wird sie laut Chronik schon 1540 zum ersten Mal erwähnt. "Vor allem die Dorffasnet halten wir hoch", unterstreicht Präsident Andreas Schairer und verweist auf das vielfältige Angebot für jedes Alter von Hemdglonker über Narrenmesse bis Kehrausball mit Maskenprämierung. Die Narrenpolizei fahre sogar ein schickes Cabrio.

Der Lippertsreuter Fasnachtsbaum wird traditionell am Schmotzigen Dunschdig hochgezogen, der in Ernatsreute am Samstag vorher. Seit den 30er Jahren sei es Tradition, dass beide Dörfer ihren eigenen Narrenbaum bekommen, weiß Gottfried Mayer. "Dass das sogar im Eingemeindungsvertrag festgeschrieben wurde, zeigt, wie wichtig uns hier die Fasnacht ist", sagt er. Schmunzelnd erzählen Mayer und Schairer auch von der bis heute währenden Tradition, nach Ober- und Unterdorf getrennt jährlich je ein Fasnachtsmotto aufzustellen. "Das Motto bleibt bis zum Fasnachtsdonnerstag geheim", erinnern sie sich an ihre Aufregung schon aus Kindertagen.

Nicht wegzudenken aus der Dorffasnet ist auch die dreistündige Unterhaltungsshow vorab, die pro Fasnachtssaison insgesamt rund 400 Gäste anlockt. Seit 28 Jahren müssen die rund 70 Akteure der Dorfvereine an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auftreten, so gut kommt ihr Mix aus Live-Musik, Sketchen und Tanz an. Ein Clou liege sicher in "gespielten Witzen a la Didi Hallervorden", die die Zeit zwischen den einzelnen Programmpunkten ruckzuck überbrücke, meint Gottfried Mayer. Ein anderer Knüller sei der vormals eigentlich als Provisorium gedachte rote Vorhang. Der befindet sich nach den Erzählungen des Musikvereinsvorsitzenden direkt beim Publikum, sodass "Spickeln, was als Nächstes kommt" durchaus erlaubt sei. Jedes Mal wird die seit 29 Jahren bestehende Show-Kooperation zwischen Musikanten und Narren aufs Neue besiegelt.

"Machen wir dieses Jahr einen Bunten Abend oder machen wir keinen?" Die jedes Jahr erneut gestellte Frage des Narrenpräsidenten sei Ausdruck des familiären Miteinanders, das keinesfalls als selbstverständlich gesehen werde, erläutert Mayer. Für die 40. Show wurde die Frage bereits positiv beschieden. Das Programm steht.

Wer noch einen Tisch ergattern will, kann noch telefonisch reservieren unter der Nummer 0 75 53/91 98 32.

Jubiläumsprogramm

Freitag, 26. Januar, und Samstag, 27. Januar: 19.30 Bunter Abend in der Luibrechthalle

Samstag, 3. Februar, in Ernatsreute: 14 Uhr: Narrenbaumstellen und anschließendes Zeltfest mit Pokalspiel

Sonntag, 4. Februar, in Lippertsreute: 9.30 Uhr: Zunftmeisterempfang (geladene Gäste), Ab 11 Uhr: Besenwirtschaften, 13.30 Uhr: Fasnetsumzug durch Lippertsreute