Soll einer sagen, ein Ortsvorsteher habe nichts tun. Bei der Verabschiedung des ausgeschiedenen Amtsträgers Gottfried Mayer in Lippertsreute machten die Laudatoren Siegfried Hanßler, Juri Starosta und Andreas Keller deutlich, an wie vielen Stellschrauben ein Kommunalpolitiker auf dieser Ebene drehen und zumindest mitgestalten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Sei es bei der Entwicklung von Schule und Kindergarten, Feuerwehr, Vereinen und LGS-Projekten auf der einen Seite sowie bei der Förderung einer lebendigen Dorfgemeinschaft insgesamt, die hier mit Händen zu greifen ist. Nur ihr sei es zu verdanken, erklärte Gottfried Mayer in seiner Replik, dass er die von Nachfolger und Mitstreitern aufgezählten Vorhaben überhaupt habe erfolgreich umsetzen können. Nach 20 Jahren im Ortschaftsrat und zehn Jahren als Ortsvorsteher habe er allerdings nicht mehr den „Biss“ der Anfangsphase, der für das Amt hilfreich sei, sagte Mayer. Aus diesem Grund habe er den Stab gerne an Nachfolger Siegfried Hanßler weitergereicht.

Einst für Schlagzeilen gesorgt

Ein „Projekt“, das in Lippertsreute wohl am längsten mit dem Namen des Ortsvorstehers in Verbindung bleiben wird, war schon beim Betreten der Luibrechthalle als Kulisse zu erkennen. Eine symbolische gelbe Telefonzelle, die Siegfried Hanßler bei Ebay erworben hatte, um an die Nacht-und-Nebel-Aktion zu erinnern, die nicht nur das Dorf einige Wochen in Atem hielt und ihm einige Schlagzeilen bescherte. Einem öffentlichen Bücherregal zuliebe habe der alte Ortsvorsteher, so sein Nachfolger Hanßler, die örtliche Telefonzelle „auf kurzem Dienstweg konfisziert“, nachdem der Versuch sie käuflich zu erwerben gescheitert war. Dass diese auch außer Betrieb noch verkabelt gewesen war und abgenabelt werden musste, hatte damals für Komplikationen im Netz gesorgt.

Coup bei der Polizei gebeichtet

Und für „Alarmstimmung“ bei der Polizei, wie sich Günter Hornstein erinnerte, der zwar als Stellvertreter von Oberbürgermeister Zeitler die Würdigung zum Abschied überbrachte, sich aber als Polizeibeamter nur zu gut an den Störfall erinnerte. Mehrere Wochen hatten die Kollegen vergeblich nach der am 16. Februar 2012 abhandengekommenen Telefonzelle gefahndet.

Das könnte Sie auch interessieren

Fast sechs Wochen später hatte Gottfried Mayer am frühen Morgen auf dem Revier angerufen und den Coup gebeichtet, sagte Hornstein. Er habe seinen Ohren kaum getraut und sich „köstlich amüsiert“. Recht teuer zu stehen kam der geplante Fastnachtsstreich den Ortsvorsteher später allerdings dennoch, damit das Gericht das eingeleitete Strafverfahren einstellte. Inzwischen verfügt das Dorf über eine gelbe Zelle mit Sympathiewert, die Lippertsreute von privater Seite als Bücherregal erwerben konnte.

Das starke Wir-Gefühl des Ortsteils spiegelt sich auch in seinem „Blättle“ wider, dessen 25. Jubiläum an diesem Abend mitgefeiert wurde. Die Veränderungen in dieser Zeit schilderte Traudl Keßler als „gute Seele“ (Gottfried Mayer) dieser Publikation. Zu den festen Autoren gehört unter anderem auch Hermann Keller, der das Programm mit einem Text des Mundartdichters Walter Fröhlich (wafrö) bereicherte.

Vorreiter bei der Landesgartenschau

Zu den Vorreitern gehört der Teilort auch beim Engagement für die Landesgartenschau. Ein erstes Projekt war mit dem historischen Dorfweg schon im Vorjahr fertiggestellt worden. Derzeit ist unter anderem noch ein Themenweg in Arbeit. Grund genug für den Verein „Freunde der Landesgartenschau„, den Lippertsreutern finanziell etwas unter die Arme zu greifen. Doro Mittelmeier als stellvertretende Vorsitzende und Kassenwart Lothar Stolba würdigten dieses Engagement und übergaben dem neuen Ortsvorsteher Siegfried Hanßler einen Scheck über 500 Euro.