Die Stadtverwaltung von Überlingen ließ am Freitagnachmittag eine gut 80 Jahre alte Linde fällen. Die Aktion war nicht angekündigt und führte auf den sozialen Medien zu einer aufgeregten Debatte, geradezu zu Hasstiraden von Leuten, die die Fällaktion in Verbindung zur Landesgartenschau brachten. Oberbürgermeister Jan Zeitler klinkte sich in die Debatte ein und teilte via Facebook mit, dass der Baum verpilzt gewesen sei und Gefahr in Verzug bestanden hätte. Auf SÜDKURIER-Anfrage teilte er am Sonntagnachmittag mit: "Wir mussten am Freitag auf dem Münsterplatz neben dem Kreuz eine Linde fällen. Anwohner haben die Stadt Freitagnachmittag darauf aufmerksam gemacht, dass der Baum über Nacht eine deutliche Schräglage bekam. Die Situation wurde sofort untersucht und es wurde festgestellt, dass eine akute Gefahrenlage für Passanten besteht. Daraufhin wurde von der Leitung des Grünflächenamtes richtigerweise die sofortige Fällung eingeleitet und ich wurde unterrichtet." Ein Brandkrustenpilz, der von der Wurzel her kommt, habe den Baum bereits soweit angegriffen, "dass er umzustürzen drohte". Zeitler auf Nachfrage: "Über eine Ersatzpflanzung konnte aufgrund der Aktualität des Ereignisses noch nicht gesprochen werden."

Anwohner Peter Geissele hielt mit seiner Kamera das Ende einer rund 80 Jahre alten Linde am Münsterplatz in Überlingen fest. OB Jan Zeitler teilte auf einer Debatte in Facebook mit, dass der Baum von einem Pilz befallen gewesen sei. Bild: Peter Geissele
Bild: Peter Geissele

Anwohner Peter Geissele kennt die Bäume seit Kindheitstagen. "Wir haben Indianer um die Bäume gespielt und die Nachbarskinder wie an einem Marterpfahl festgebunden." Wie er sagt, sei ihm vor mehreren Jahren schon vom früheren Grünflächenamtschef Thomas Vogler mitgeteilt worden, dass die Bäume keine hohe Lebenserwartung hätten. Nach Geisseles Information war das Wurzelwerk von einem Pilz befallen, bei Sturm habe man beobachten können, wie sich der Baum neigt, weil ihm die feste Verankerung im Boden gefehlt habe. Als am Freitag die Holzfäller ohne Vorankündigung kamen, war Geissele zu Hause und er dokumentierte das Ende der Linde mit dem Fotoapparat.

Die Linden haben an dieser Stelle eine historische Bedeutung. Bereits vor 400 Jahren standen hier, im Bereich des ehemaligen Friedhofs, Lindenbäume, aus denen Bildhauer Jörg Zürn den 1616 eingeweihten Hochaltar schnitzte.