Nach 19 Wochen und 22 794 Besuchern hat die Städtische Galerie "Fauler Pelz" ihre Ausstellungstore der Peter-Lenk-Retrospektive "40 Jahre Zoff und Zwinkern" geschlossen. Die Sonderschau anlässlich des 70. Geburtsjahrs des Bodmaner Bildhauers hat nach Angaben des Überlinger Kulturamts sämtliche Rekorde seit Bestehen der Städtischen Galerie 1954 gebrochen. Die bisherige Bestmarke lag bei 14 500 Besuchern der Ausstellung "Rückkehr der Moderne" 1995.

Für Peter Lenk kam der Erfolg nicht von ungefähr. "Ich hatte die Freiheit, auszustellen, was ich wollte. Die Ausstellung war unzensiert", sagt der Künstler. Sein satirischer Blick auf die Zustände in der Republik, seine Geschichten erzählenden Objekte und die entblößenden Darstellungen seiner Protagonisten zog die Massen an.

Die Lenk-Ausstellung im "Faulen Pelz" ist beendet, die Exponate wurden abtransportiert.
Die Lenk-Ausstellung im "Faulen Pelz" ist beendet, die Exponate wurden abtransportiert. | Bild: Hanspeter Walter

Mitte August, zehneinhalb Wochen nach Ausstellungsbeginn, hatten Oberbürgermeister Jan Zeitler und Kulturamtsleiter Michael Brunner die zehntausendste Besucherin begrüßt. Damals gingen die Verantwortlichen noch von insgesamt 15 000 Besuchern bis Ausstellungsende aus. Es wurden fast 8000 Besucher mehr als angenommen. "Die 10 000 war die Pflicht. Soviel Besucher mussten wir erreichen. Auf 15 000 hatten wir gehofft. Aber an 20 000 habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gedacht", sagt Brunner zur Erwartung im Vorfeld der Ausstellung.

Es hätten mehr werden können. Hatte die Galerie an Wochenenden von 11 bis 17 Uhr zugänglich, so war sie unter der Woche drei Stunden kürzer von 14 bis 17 Uhr den Kunstinteressierten offen. Zudem durften sich wegen der schweren Objekte aus statischen Gründen nur 80 Besucher gleichzeitig in den Ausstellungsräumen aufhalten. Die Frauen am Eingang mussten bei den unverständlichen Besuchern geduldig sehr viel Überzeugungsarbeit leisten.

Auch Künstler Peter Lenk (links) war beim Abbau anwesend.
Auch Künstler Peter Lenk (links) war beim Abbau anwesend. | Bild: Hanspeter Walter

Zudem wurde die Anzahl der angebotenen Führungen bald erhöht. Anfänglich war jeweils mittwochs eine Führung mit maximal 30 Teilnehmern vorgesehen. Anfang Juli verdoppelten die Organisatoren das Angebot. Der Besucherstrom riss nicht ab, so wurden ab Mitte August täglich Führungen angeboten. Zusätzlich ging jeden ersten Sonntag im Monat eine Sonderführung raus zu den Lenk-Objekten im öffentlichen Raum. "Der Bodenseereiter" am Landungsplatz und das "Napoleondenkmal" im Innenhof des Gasthofs "Krone" stehen permanent in Überlingen. "Kampf um Europa" an der Hauswand der Galerie und die Mönchsfigur von "Abt Wilhelm von Hirsau" auf dem Landungsplatz wurden für die Dauer der Ausstellung ausgestellt. Beide Figuren wurden zu beliebten Fotomotiven im Überlinger Sommer.

Angeboten wurden die detailreichen Führungen von Kunsthistoriker Thomas Hirthe und seinem Team. 2649 Besucher nahmen an einer der 72 öffentlichen Führungen teil. So waren in einer Gruppe durchschnittlich 37, meistens jedoch 60 Personen. "Ursprünglich war eine Begrenzung auf 30 Teilnehmer vorgesehen, das war aber nicht durchzuhalten", sagt Hirthe. Die Teilnehmerbegrenzung wurde auf 60 Teilnehmer angehoben. Eine Führung brachte es auf eine Spitzenzahl von 80 Teilnehmern. "Es gab Besucher, die dreimal kamen und dreimal abgewiesen werden mussten, weil die Führung schon voll war", kann sich Hirthe erinnern. Der Ansturm wollte bis zuletzt nicht enden. Allein am letzten Ausstellungstag boten die Museumsführer vier Führungen an. Aufgelockerter ging es bei den zusätzlichen 27 privaten Gruppenführungen zu. An ihnen nahmen insgesamt 352 Personen teil.

 

Thomas Hirthe

Im Auftrag des Überlinger Kulturamtes konzipierte Thomas Hirthe das Begleitprogramm. Um das Besucherinteresse befriedigen zu können, wurde in Absprache mit dem Kulturamt das Angebot stetig erweitert. Mit der Koordination von Besuchermassen kennt sich Hirthe aus. Der promovierte Kulturhistoriker gilt als profunder Fachmann für Kulturmanagement und Museumswesen. Er hat in München und Berlin studiert, bevor er 1985 im Rahmen eines Stipendiums am Deutschen Studienzentrum in Venedig promovierte. Bevor 1991 an das niedersächsische Landesmuseum in Hannover ging, war er wissenschaftlich in Augsburg und München tätig. Am Landesmuseum leitete er als Oberkustos zuletzt den Bereich Kommunikation und Öffentlichkeit. (mt)