Dass eine Landesgartenschau stets ein Stück Stadtentwicklung bedeute und zukunftsweisende Veränderungen in geballter Form zurücklasse, werden Kommune und Land nicht müde zu betonen. Spätestens dann, wenn grundsätzliche Kritik an der Veranstaltung als solche einsetzt. Beim Bürgerempfang der Stadt Überlingen gab es aus Händen von Minister Alexander Bonde jetzt nicht nur den zugesagten Bewilligungsbescheid für die Landesförderung aus dem Programm „Natur in Stadt und Land“ in Papierform. Gartenschau-Geschäftsführer Roland Leitner informierte auch über den Stand der Planung und verteilte neben dem Glücksklee im Töpfchen reichlich Werbematerialien.

In ihrer Ansprache zeigte Oberbürgermeisterin Sabine Becker zudem erste Visionen auf, wie sich die viel beschworene Stadtentwicklung über die bisherige Planung hinaus konkretisieren und vom Hauptstandort rund um den künftigen Bürgerpark im Westen auf die Innenstadt ausstrahlen könnte. „Das Gartenschaugelände am See findet seine urbane Ergänzung und Fortsetzung am Landungsplatz, an unserer Uferpromenade, am Mantelhafen und in den Stadtgräben“, erklärte Becker.

Als viel versprechende Vision nannte die Oberbürgermeisterin den „Vorentwurf des neuen Platzes, den wir im Aufsichtsrat der LGS GmbH erarbeitet haben und der am 20. Januar in öffentlicher Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung stehen wird… Der Gemeinderat möge mir den Vorgriff verzeihen.“ Aus der Sicht Beckers wäre es schön, wenn „wir die Uferpromenade und den Landungsplatz mit der Hofstatt verbinden und als großen neuen innerstädtischen Platz gestalten könnten. Wir rücken die Hofstatt damit optisch näher an den See.“ Damit könne zum einen eine zusätzliche attraktive Aufenthaltszone entstehen, die die Innen-, Wohn- und Einkaufsstadt mit der Promenade verbinde. Durch die Platzgestaltung werde überdies der Verkehr gebremst und der Raum für Fahrradfahrer und Fußgänger vergrößert, erklärte Becker: „Liebe Bürgerinnen und Bürger, Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Ideen einzubringen.“

A propos Ideen einbringen: Gerade dies tun zu können, darauf warten nach wie vor viele Bürger. Nach den jüngsten Beteiligungsprozessen, deren geringe Wirksamkeit vielfach kritisiert worden war, will die Stadt nun noch klarere Regeln einführen, die jeweiligen Zielsetzungen und Möglichkeiten, aber auch den Erwartungshorizont deutlich formulieren. Noch im Februar soll erstmals eine Vorhabenliste vorgelegt werden. Auf dieser Basis soll die aus Räten und Bürgern paritätisch besetzte Koordinierungsgruppe das konkrete Beteiligungskonzept erarbeiten.

Mit Planung und Vorbereitung der Landesgartenschau 2020 sieht sich die Stadt grundsätzlich im Zeitplan, wie Sabine Becker ausdrücklich betonte. Das gelte auch für das Park- und Pflanzenhaus. Die Vorbereitungen liefen wie geplant, sagte sie. Aktuell arbeite die Stadt an der Bauleitplanung. Ab Herbst fange sie mit der Einrichtung der Baustelle auf dem Landesgartenschauareal an.

Becker äußerte sich auch noch einmal zu der kontrovers diskutierten Frage eines künftigen Campingplatzes am bisherigen Standort. Dies sei nur eine mögliche Nachnutzung des Geländes nach 2020. „Die andere – und die von mir bevorzugte – ist ein Bürgerpark für alle“, erklärte Becker: „Einen Platz und Raum zum Verweilen, um zu spielen, Sport treiben, ohne Eintritt oder ‚Sonnenbaden verboten‘.“ Sie sei überzeugt davon, sagte die Oberbürgermeisterin, „dass wir den Bürgerpark als stadtnahes Naherholungsgebiet am See dringend benötigen, auch für die Menschen, die in die 150 neuen Wohnungen nördlich des Hildegardrings und in anderen Wohngebieten in den kommenden Jahren einziehen werden.“


Weitere Bombensuche

Becker kündigte an, dass die Erdarbeiten zur Fortsetzung der Suche nach Blindgängern am Montag, 18. Januar, aufgenommen werden. Zeitliche Verschiebungen hätten sich im Herbst auch ergeben, da auf dem Areal überraschend weitere Altlasten entdeckt worden seien, die man habe sichern und entsorgen müssen. Sonst seien nur Bombentrichter und Bruchstücke von explodierten Sprengkörpern gefunden worden. Glücklicherweise sei eine Evakuierung bislang nicht erforderlich geworden, betonte die Oberbürgermeisterin, doch müssten sich die Bewohner der Sicherheitszone ab der kommenden Woche wieder darauf einstellen.