Noch 875 Tage zeigt das Display an der Landesgartenschau-Litfaßsäule vor dem Rathaus an. Die Uhr läuft unnachgiebig nach unten, das Ausstellungsjahr rückt immer näher. Höchste Zeit also für die Organisatoren, ihre Pläne voranzutreiben. Nun haben die LGS GmbH und die Stadt Überlingen ein Verkehrskonzept für die Zeit der Landesgartenschau vom 23. April bis 18. Oktober 2020 vorgestellt. Es sei, und das betonten die Planer ausdrücklich, lediglich ein Zwischenstand, der einer weiteren Ausarbeitung bedarf. Die Grundidee sei aber klar: "Jedes Auto, dass nicht durch die Stadt fährt, ist ein gutes Auto", sagt LGS-Geschäftsführer Roland Leitner. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, dem Landratsamt Bodenseekreis, dem Verkehrsverbund und den Verkehrsunternehmern werde daran gearbeitet, die Zahl der Besucher, die mit dem Auto anreisen, so gering wie möglich zu halten und möglichst viele für eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Reisebussen zu motivieren.

Um keinen zentralen Ballungspunkt entstehen zu lassen, werden die Besucher bereits bei der Ankunft zu verschiedenen Eingängen der Ausstellung geleitet. „Unser Ausstellungskonzept ist deshalb dezentral angelegt“,sagt Leitner. Insgesamt wird es vier Zugänge geben: Am Uferpark, im Bereich der Rosennobelgärten, der Menzinger Gärten und der Villengärten bei der Kapuzinerkirche. Die Verkehrsströme werden dementsprechend gelenkt:

  • Auto: Gäste, die mit dem Auto anreisen – in der Regel sind das deutlich mehr als die Hälfte aller Gartenschaubesucher – sollen per Parkleitsystem (siehe Kasten) und manuellen Schildern direkt von B 31 auf einen provisorischen Großparkplatz im Bereich "Südlich Härlen" beim Krankenhaus gelenkt werden. Dort, wo nach der Gartenschau ein neues Wohngebiet entstehen wird, sollen 1200 Stellplätze angelegt werden. Das Gelände muss dafür geschottert und die Parkfläche begrenzt werden. Diese Arbeiten sind für Ende 2019 geplant. "Die Plätze werden für 95 bis 98 Prozent der Tage ausreichen", ist Leitner optimistisch. Für die Spitzentage, an denen die LGS GmbH mit bis zu 7000 Besuchern rechnet, und bei Sonder- und Großveranstaltungen werden weitere Parkmöglichkeiten ausgewiesen, etwa auf der Wiese am Heizkraftwerk. Vom Parkplatz bringt ein Shuttleservice die Besucher über die B 31 alt, dann "Stadtring" genannt, zum Gartenschaugelände. Die Busse sollen im 15- bis 20-Minuten-Takt fahren, um die Wartezeit für die Gäste möglichst niedrig zu halten. Das Parkticket dient gleichzeitig als Fahrkarte für den Shuttle. Zusätzlich werden zwei Fußwege ausgeschildert.Das Parkhaus Therme ist hingegen kein Teil des Verkehrskonzepts, natürlich könne man aber keinem LGS-Besucher verbieten, dort zu parken, sagt Baubürgermeister Matthias Längin. Um zu verhindern, dass zu viele LGS-Besucher die Parkhäuser ansteuern, wird wohl die Gebühr auf dem Shuttle-Parkplatz deutlich geringer ausfallen, als in den Parkhäusern. Zudem ist geplant, die Zufahrt ab dem neuen Parkhaus in Richtung Stadt im Ausstellungszeitraum nur für die Anlieger zu erlauben. "Das geht aber nur mit einem stringenten Kontrollaufwand", sagt Längin.
  • Bus: Der Hauptankunftsort für Busse ist der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB), von wo aus der Ausstellungseingang im Bereich Rosennobelgärten bequem zu Fuß zu erreichen ist. Zudem besteht für Busse die Möglichkeit zur Zufahrt bis zum Eingang Uferpark, von wo aus sie nach Abliefern der Fahrgäste über eine Wendeplatte wieder stadtauswärts geleitet werden. Wie auch bei den Autos werden für die Busse im Bedarfsfall weitere Parkflächen ausgewiesen.
  • Bahn: Für Bahnfahrer gibt es gleich zwei Ausstiegsmöglichkeiten: am Bahnhof Mitte und am Bahnhof Therme. An letzterem wird der Bahnsteig ausgebaut und soll anschließen barrierefrei sein. Die Schnellverbindungen zwischen Basel und Ulm werden aller Voraussicht nach aber nach wie vor nur am Bahnhof Mitte, nicht aber an der Therme halten. Um die Attraktivität der Anreise mit der Bahn zu erhöhen, werde noch geprüft, ob ein Kombiticket angeboten werden soll. Was denkbar sei, sei die Ausweitung der Nutzungsdauer des Baden-Württemberg-Tickets für Gartenschaubesucher. Zudem soll die Qualität der Bahnverbindung verbessert werden. "Es wäre ein erster Schritt, die Anzahl der Triebwagen zu erhöhen", sagt Roland Leitner. Zudem bestehe die Hoffnung, die Taktzahl der Züge zu erhöhen, was aufgrund der bestehenden Fahrpläne jedoch sehr schwierig umzusetzen sei. Da die Kosten hierfür erfahrungsgemäß eher hoch ausfallen, müsse beim Land Baden-Württemberg um Unterstützung für das Projekt geworben werden.
  • Schiff: Die Besonderheit der ersten Landesgartenschau am Bodensee sei die Möglichkeit, auf Schiffe als Zubringer zurückzugreifen. "Wir wollen unseren Besuchern eine Brücke über den See bauen",sagt Leitner. Mehrfach am Tag, mindestens jedoch dreimal täglich, soll ein Schiff zwischen der Insel Mainau und Überlingen verkehren. Es habe bereits gute Gespräche mit den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) und der Mainau gegeben, konkrete Vereinbarungen gebe es hierzu aber noch nicht. Hiervon versprechen sich die Planer eine deutliche Verkehrsentlastung, da ein Teil der Gäste, die mit Auto oder Bus anreisen, schon auf der anderen Seeseite abgefangen werden.
  • Fahrrad: Für Fahrräder sollen an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet und den Eingängen zum LGS-Gelände Abstellmöglichkeiten entstehen. „Wir würden auch sehr gerne Ladestationen für E-Bikes einrichten“, sagt Leitner. Ob und wie viele es sein werden, sei von den Kosten abhängig und werde momentan geprüft.

Die verschiedenen Ankunftspunkte und Ausstellungsflächen sollen miteinander verbunden werden. Denkbar wäre hier unter anderem ein Wassertaxi. Ob es ein ähnliches Angebot auf der Landseite in Form eines Bähnchens oder ähnlichem geben wird, ist noch nicht geklärt. Klar ist, dass die LGS GmbH in beiden Fällen auf die Initiative privater Unternehmen setzt.

Parkleitsystem

Ein wichtiges Instrument für die Verkehrsentlastung der Innenstadt, auch während der LGS, soll ein elektronisches Parkleitsystem sein. Seit langem angekündigt, wurde die Einführung immer wieder weitergeschoben, da sich die Stadt Fördermittel für die Einrichtung versprach. Vor zwei Wochen nun hat die Stadt einen Fördermittelbescheid erhalten. Allerdings werde dieser nochmals geprüft, "weil er nicht unseren Erwartungen entspricht", wie Baubürgermeister Matthias Längin sagt. Statt der erhofften Finanzspritze von 100 000 Euro habe das Land lediglich einen fünfstelligen Betrag zugesagt. "Es ist aber eine Betrag, auf den es sich gelohnt hat zu warten", sagt Längin. Die Stadt habe dennoch die Hoffnung, "nochmal nachjustieren" zu können. Das Parkleitsystem soll im nächsten Jahr installiert werden und 2019 in den Ernstbetrieb gehen.