Künstlern eine Plattform zu bieten, auch weniger bekannten, und das kulturelle Angebot in der Stadt zu bereichern: Das sind die erklärten Ziele des Kulturvereins Überlingen, der sich vor rund sieben Jahren formierte und heute meist die Räume der Freien Kunstakademie für die regelmäßigen Veranstaltungen nutzt. Wenn er nicht gerade ein großes Afrika-Festival in der Kapuzinerkirche auf die Beine stellt, wie vor zwei Jahren. Bemerkenswert ist zum einen das bunte Programm, in dem Künstler wie Dorle Ferber ebenso einen Platz haben wie der weltweit anerkannte Violinist Michael Grube. Allesamt kommen sie gern zum Kulturverein, dessen Engagement sich mittlerweile in der ganzen Republik herumgesprochen hat. Das beschwert ihm bundesweite Anfragen aus unterschiedlichen Genres über die Musik hinaus. Zum Spektrum gehören auch Autorenlesungen, Theaterstücke, Tanz, Kabarett und Kleinkunst aller Art.

"Wir machen nur, was uns Spaß macht", sagt Vorsitzender Joachim Büchelmeier. Das scheint allerdings auch vielen anderen Menschen Spaß zu machen. Denn mit einer großen Gala in der Kunstakademie feiert der Verein am Samstag, 18. November, seine 100. Veranstaltung. Mit einem exemplarischen Feuerwerk ganz unterschiedlicher Beiträge und Künstler, die hier schon einmal zu Gast waren. Vor diesem Hintergrund ist es fast noch bemerkenswerter, dass der Kulturverein alles ohne kommunale Unterstützung oder Sponsoren auf die Beine stellt. Nur einmal habe es einen kleinen Zuschuss vom Kulturamt gegeben. "Ganz schwierig", habe Kulturreferent Michael Brunner auf eine Anfrage gesagt und hinzugefügt: "Vielleicht, wenn am Jahresende noch etwas übrig ist." Am Ende seien dies 300 Euro gewesen, erinnert sich Vorsitzender Büchelmeier an diese Eintagsfliege.

Dabei ist der Eintritt zu den Veranstaltungen stets frei und die bescheidenen Gagen Künstler finanziert der Verein selbst. "Im Durchschnitt haben wir vielleicht 40 Besucher, manchmal sind es bis zu 80", erklärt der Vereinschef, der einige wenige aktive Mitstreiter hat. Doch meistens geht es auf, ja es gibt sogar einen kleinen Sicherheitspuffer.

"Ich bin ein 68er und fühle mich auch so", sagt Joachim Büchelmeier und scheint dies nach außen auch nicht verleugnen zu wollen. Nur mit Spontaneität hätten er und seine Partnerin Karin Merkle den Kulturverein allerdings nicht sieben Jahre erfolgreich am Leben erhalten und die Stadt um einige kreative Farbtupfer bereichern können – fast ganz ohne Förderung. Akribisch hat Büchelmeier die Plakate aller hundert Veranstaltungen ins Internet gestellt und alle Zeitungsbeiträge sorgfältig archiviert. Was man hinter dem alternativ gestylten Vorsitzenden nicht vermutet: Er hat viele Jahrzehnte als Maschinenbauingenieur und Werkstoffwissenschaftler gearbeitet.

"Da braucht man Struktur", sagt der Ruheständler, der sich nicht nur in Sachen Kultur und Natur stark engagiert: "Struktur ist alles." Diese braucht es auch, damit eine kulturelle Initiative sich nicht auf ein Strohfeuer beschränkt. Die eine oder andere Zusammenarbeit mit Mitstreitern sei gerade an zu großer Spontaneität und fehlender Berechenbarkeit gescheitert, räumt Joachim Büchelmeier ein. "Kultur braucht einen wachen Geist", heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins. Doch das allein reicht eben noch nicht aus.

Der Verein im Internet: www.kulturverein-ueberlingen.de

 

Die Künstlergala

Als 100. Veranstaltung organisiert der Kulturverein Überlingen am Samstag, 18. November, ein Galakonzert mit Künstlern aus Überlingen und Umgebung. Es beginnt um 19 Uhr in der Freien Kunstakademie, Seepromenade 21.

Zugesagt haben Dan Allmayer, Donna Norton, Elisabeth Harkness, Eloas Lachenmayr, Frank Waldvogel, Lake Duo, Matthias Godart, Mike North, Richard Harkness, Stereolites und Thobela. Alle Musiker und Sänger waren schon mehrfach beim Kulturverein zu Gast und begeisterten mit ihren Vorträgen das Publikum in der Kunstakademie.

In den Pausen werden Spezialitäten aus der afrikanischen Küche von "Mama Afrika" angeboten. Der Eintritt ist frei, eine Spende erwünscht.