Überlingen – Eine Kostensteigerung um 29 Prozent, die die Angebote zum Umbau des südlichen Landungsplatzes offenbaren, retten zumindest die drei Kastanien, um deren Bestand ein erbitterter Streit entbrannt war. Sie sollten bisher der neuen Planung geopfert werden, zumal sie aus Sicht des Grünflächenamts an ihrem aktuellen Standort weder Vitalität noch Wachstum zeigten. Der Aufschrei in der Bevölkerung hatte noch andere Argumente zu Tage gefördert. Daraufhin war beim Beschluss des Konzepts im April noch eine garantierte Neupflanzung weiter nördlich zugesichert worden.

Verwaltung will auch provisorischen Steg streichen

"Wir haben die Rodung und Neupflanzung der Bäume zurückgenommen", erklärte Rolf Geiger vom Grünflächenamt, "nachdem dies auch für große politische Differenzen gesorgt hat." Lediglich Maßnahmen zum Wurzelschutz sollen im Leistungsverzeichnis enthalten bleiben. Verzichten will die Verwaltung aus Kostengründen auch auf den provisorischen Steg über die Freitreppe, der Ost- und Westteil der Promenade während der Bauarbeiten hätte verbinden sollen.

Beauftragte Baufirma signalisiert Entgegenkommen

Vornehmen könne die Stadt diese Reduktionen allerdings erst nach Auftragsvergabe durch einen Minderungsnachtrag gegenüber dem Auftragnehmer. Ein anderes Vorgehen wäre verfahrensrechtlich angreifbar, betonte Rolf Geiger. Die Firma habe allerdings schon ein Entgegenkommen signalisiert, ohne ihre Kalkulation auf eine neue Grundlage stellen zu wollen. Damit erspare sich die Stadt Kosten von rund 80 000 Euro.

Verwaltung kann Mittel aus Straßenbaumaßnahmen umbuchen

Insgesamt beläuft sich der Fehlbetrag, bezogen auf das Angebot, auf 266 000 Euro. Hier könne die Verwaltung Mittel aus den Straßenbaumaßnahmen an der Weierhalde umbuchen, die dort eingespart werden.

Das günstigste Angebot lag mit netto knapp 1,6 Millionen Euro rund 19 Prozent über dem ausgepreisten Leistungsverzeichnis und 29 Prozent über der Kostenberechnung vom März 2018. Der einzige weitere Anbieter habe um weitere 7,7 Prozent höher gelegen. Die Kostensteigerung erkläre sich durch die hohe Auftragslage der Unternehmen, die Lohnerhöhungen und Preissteigerungen beim Material, betonte Geiger.

Durchaus froh sei die Verwaltung, dass die mit der Firma Storz jener Betrieb zum Zuge kam, der den ersten Bauabschnitt umgesetzt habe. Zum einen sei die Stadt dort sehr zufrieden gewesen. Auch sei "damit garantiert, dass die beiden Maßnahmen die gleiche Handschrift tragen", sagte Geiger. Dies gelte insbesondere für die Optik der Pflasterung.

Wilhelmi: Architekten für Kostensteigerung zur Verantwortung ziehen?

Raimund Wilhelmi (FDP) fragte, ob nicht die Architekten für die Kostensteigerungen gegenüber ihrer Kalkulation zur Verantwortung gezogen werden könnten, wenn die Differenz zur Kalkulation über zehn Prozent liege. Beim Beschluss des Gemeinderats hätte lediglich die Kalkulation vorgelegen, das bepreiste Leistungsverzeichnis sei erst nach der Entscheidung darstellbar gewesen, erklärte Rolf Geiger. Eine rechtliche Handhabe gebe es nicht. Auf Rückfrage von Michael Wilkendorf (SPD) sagte Geiger, dass die zehn Prozent mit dem Minderungsvorschlag eingehalten würden. Baubürgermeister Matthias Längin merkte an, dass Grundlage für das Honorar der Architekten die Kostenberechnung sei, nicht das höhere Ausschreibungsergebnis.

Keine Zustimmung zu Antrag von Roland Biniossek

Obwohl die Beschlussempfehlung der Verwaltung den Erhalt der Kastanien vorsah und eine Zustimmung des Gemeinderats absehbar war, wollte Roland Biniossek (Linke) den vermeintlichen Kotau vor den Kosten mit einem Zusatzantrag zu einem "erklärten Willen" des Gemeinderats zu machen. Das Gremium sah jedoch mit der Gesamtentscheidung der Situation Genüge getan. In der Vorlage sei das Vorgehen der Verwaltung explizit benannt, sagte Ulf Janicke (LBU/Grüne), der Ergänzungsantrag daher völlig unnötig.

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