Überlingen – "Wir brauchen einfach noch mehr Platz", erklärte am Mittwoch noch Jan Bühring, der Bürochef beim Zirkus Carl Busch. Speziell für den Auslauf der Tiere bräuchten sie noch mehr Flächen. "Die Stadt Überlingen war in der Frage sehr kooperativ, die haben uns noch mehr Platz gegeben", berichtet er mit einem Dank an die Stadt.

Bühring klang am Mittwoch so, als hätte er es kommen sehen: Freitagmorgen, kurz nach 9 Uhr, stehen zwei Mitarbeiterinnen vom Veterinäramt des Landratsamts vor dem Zirkuszelt für eine unangemeldete Tierschutzkontrolle. Das Einzige, was den Tierlehrer und verantwortlichen Pfleger beim Zirkus Carl Busch wirklich in dem Moment irritiert, ist die Uhrzeit: "Sonst kommen die immer zwischen 11 und 12 Uhr", sagt Manuel Frank ganz gelassen.

Er ist der, der beim Zirkus mit den Tieren spricht. "Schon mit zwei Jahren habe ich bei den Elefanten und Pferden im Heu geschlafen", berichtet er. Auch in anderen Tierdingen ist er ein Experte und Profi, das ist schnell klar. Er kennt seine Tiere ebenso gut wie sämtliche maßgeblichen Vorgaben zur Tierhaltung – und die sogar auswendig. Er muss sie auch kennen, schließlich will er besser sein als die geltenden Vorschriften.

Die Wildtiere wirbeln viel Staub auf: Die Elefanten Carla und Maschibi sowie Tierlehre Manuel Frank während der Vorstellung.
Die Wildtiere wirbeln viel Staub auf: Die Elefanten Carla und Maschibi sowie Tierlehre Manuel Frank während der Vorstellung. | Bild: Dieter Leder

Die Mitarbeiterinnen des Veterinäramts sind derweil beschäftigt, die Tiere zu inventarisieren und genau zu untersuchen. Akribisch genau vermessen sie auch die Auslaufflächen und Stallflächen. "Es geht um Paragraf elf des Tierschutzgesetzes", erklären sie. Es geht um Räumlichkeiten, Zuverlässigkeit und Fähigkeiten im Umgang mit den Tieren.

"Wir sind auf die Landwirte angewiesen", berichtet Frank und fügt hinzu: "Hier in Überlingen haben wir sehr nette Landwirte." Von dort bezieht der Zirkus beispielsweise das benötigte Futter und Stroh. Frank präsentiert die neuen Zelte für die Tiere, die "sind besser als die Vorschrift". Nach zwei Stunden kommt das Ergebnis: "Es sieht sehr gut aus hier, die Tiere sind sehr gepflegt, es stimmt alles", erläutern die Mitarbeiterinnen vom Veterinäramt. Sie sind zufrieden. Und auch Frank freut sich: "Alles tipp-top und noch viel besser."

Vor dem Beginn der ersten Vorstellung der nächste Besuch: Die Tierschutzallianz bezieht vor dem Zirkus Stellung für eine Mahnwache. Deren Leiter Thomas Mosmann spricht davon, dass die Wildtierhaltung untragbar sei, und fordert einen Zirkus ohne Tierdressuren. "Die Abschaffung der Wildtierhaltung ist unser Minimalziel." Tierlehrer Frank diskutiert gut gelaunt mit den Aktivisten und argumentiert mit der gut gelaufenen Prüfung vom Vormittag.

Nach der gut verlaufenen Kontrolle diskutiert es sich leichter mit den Tierschützern: Manuel Frank (Mitte) mit Thomas Mosmann (rechts).
Nach der gut verlaufenen Kontrolle diskutiert es sich leichter mit den Tierschützern: Manuel Frank (Mitte) mit Thomas Mosmann (rechts). | Bild: Dieter Leder

Und dann geht die eigentliche Vorstellung los: Jan Bühring führt durch die Show, in der Clowns, Artisten und viele Tiere ein spannendes, bisweilen lustiges und vor allem abwechslungsreiches Programm bieten. Drahtseilartisten, Zauberer, Clowns, Akrobaten und viele Tierdressuren mit Pferden, Kamelen, Hunden und den zwei Elefanten Carla und Maschibi begeistern das Publikum.

Kurz vor der Pause eine ungeplante Einlage: Tierpfleger Manuel Frank ergreift das Mikrofon und erzählt dem Publikum von seinen Tieren und der Kontrolle am Vormittag: "Wir lieben unsere Tiere!", sagt er und erntet dafür genauso viel Applaus wie die Künstler für ihre Darbietungen.