Mit rund 60 Mitgliedern und weiteren Gästen konnte Vorsitzender Siegfried Wehrle "so viele wie noch nie" im "Landgasthof Löwen" in Deisendorf begrüßen. Die Tagesordnung geriet bei der Debatte um die künftige Zusammenarbeit der Vorstandsmitglieder jedoch fast gänzlich ins Hintertreffen. Denn bevor Wehrle zu den Regularien übergehen konnte, stellte eine Frau den Antrag, einen von Traudl Rauch eingereichten Antrag von der Tagesordnung zu streichen. Darin fordert Rauch die Mitglieder auf, den Vorsitzenden seines Amtes zu entheben und einen neuen zu wählen.

Ihre Begründung stießen dem Vorsitzenden und seinen Anhängern auf: Er (Wehrle) sei neben seinen umfangreichen Schulungs- und Sachverständigentätigkeiten sowie der Betreuung zahlreicher Jung- und Altimker nach eigenem Bekunden krankheitshalber nicht in der Lage, die Aufgaben eines Vorsitzenden satzungsgemäß ordentlich und in Zusammenarbeit mit seinen Vorstandskollegen durchzuführen.

Wehrle wehrte sich, die Antragstellerin sagte: "Das Ansinnen ist völlig unbegründet. Wo hat er dem Verein geschadet, welche Gefahren gehen von ihm aus? Für den Vereins-Einsatz und seine Schulungen wird er hochgelobt, aber die Vorstandstätigkeit soll nicht sein?" Sie fand es "ganz perfide", gesundheitliche Gründe anzugeben, über die nur der Betroffene urteilen könne. Es sei "unanständig", dem Vorsitzenden so etwas anzutun. In der Diskussion fiel von Mitgliedern das Wort "Mobbing", Fairness wurde angemahnt, Enttäuschung formuliert.

Martin Schweizer als Wehrles kommissarischer Stellvertreter gab die Haltung des Vorstands wieder: Dieser anerkenne Wehrles fachliche Schulung der Jungimker, aber unterstütze Rauchs Antrag: "Eine konstruktive Zusammenarbeit ist nicht möglich." Beschlüsse würden vom Vorsitzenden nicht anerkannt und nicht umgesetzt, Protokolle mit Mehrheitsbeschlüssen, an die er sich nicht mehr erinnern könne, von ihm nicht akzeptiert, öffentliche Termine seien ohne Absprache wahrgenommen worden, es gebe eine negative Außendarstellung des Vorstandes bei Dritten und Probleme beim Lehrbienenstand.

Die auf den Vorwürfen fußende, heftige Diskussion mit direkter Stellungnahme und Klärungen, die nur unmittelbar Betroffene nachvollziehen konnten, zeigte das gesamte Ausmaß der momentanen Situation: Der Verein hat sich in zwei Lager gespalten, in denen sich eine weitere Ebene der Uneinigkeit widerspiegelt. Könnte man die einen eher mehr als Imker und Honigproduzenten einstufen, sehen sich die anderen eher als Bienenzüchter um der Umwelt willen mit stressfreierem Umgang beim Insekt. Wobei es eine gemeinsame Schnittmenge gibt und viele beides als gleich wichtig einstufen, nach dem Motto "Geht es der Biene gut, gibt es auch Honig." Unterschiedliche Vorgehensweisen und Auffassungen hatten auch zum Abkommen geführt, dass sich der Vorsitzende vom Lehrbienenstand zurückhält.

Es gab Wertschätzung beider Seiten und vielfältige Vorschläge zur Problemlösung: Mediationsverfahren zur Schlichtung des Streits, sofortige Neuwahl laut Antrag, die Einsetzung eines Schiedsgerichts, alles bleibt bis zu den regulären Neuwahlen 2019. Diesen Vorschlägen verweigerten sich jedoch der stellvertretende Vorsitzende, der Kassierer und der Schriftführer aus unterschiedlichen Gründen. Sie erklärten schließlich ihren schon vor geraumer Zeit angedachten Rücktritt, kurz darauf auch Vorsitzender Siegfried Wehrle.

Dem Antrag von Karl Hepp, der wie Kreisvorsitzender Karl-Max Schönenberger immer wieder schlichtend eingegriffen hatte, stimmten die Mitglieder schließlich zu: Der Vorstand bleibt kommissarisch im Amt, bei der außerordentlichen Versammlung wird neu gewählt.

Die Einladung

  • In seiner Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung erinnert der Bienezuchtverein Überlingen, dass Siegfried Wehrle von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten sei. "Wir wünschen ihm , dass er sich nun ganz den Insekten und Bienen widmen kann und für unseren Verein die Imker-Aus- und Weiterbildung mit Freude durchführen kann." Um den Weg für Neuwahlen des kompletten Vorstandes zu ermöglichen, seien auch Jörg Bach, Otto Niedermann und Martin Schweizer von ihren Vorstandsämtern zurückgetreten.
  • Die Vorstände blieben satzungsgemäß bis zu Neuwahlen kommissarisch im Amt und erhielten von der Mitgliederversammlung den Auftrag, baldmöglichst eine außerordentliche Mitgliederversammlung ausschließlich zum Zweck der Neuwahlen des kompletten Vorstandes zu organisieren und durchzuführen. Diese findet am kommenden Mittwoch, 11. April, 19.30 Uhr, im Gasthaus Löwen Deisendorf statt.