Ulrich Krezdorn steht am Fenster seines Büros und blickt hinaus auf die Münsterstraße. Gerne denkt er an die Zeit zurück, als das Kurbähnle an seinem Brillengeschäft an der Ecke Franziskaner-/Christophstraße vorbeifuhr. "Als Kind war es für mich immer etwas ganz Besonderes, da mitfahren zu dürfen." Heute sei das Bähnle, das aus einem umgebauten VW Käfer und zwei Anhängern bestand, sicherlich nicht mehr verkehrstauglich, eine moderne Lösung sei aber längst überfällig. "Das Thema treibt mich schon ewig um", sagt Ulrich Krezdorn.

Bereits 2007 hatte Krezdorn ein Konzept erarbeitet

Im Jahr 2007, als es darum ging, ob sich Überlingen als Ausrichter der Internationalen Gartenschau 2017 bewerben solle, hatte er bereits ein ausführliches Konzept entworfen. Entwickelt hat sich daraus aber nie etwas. Als Krezdorn jetzt beim Aufräumen auf ein altes Bild des Kurbähnles in der Münsterstraße stieß, war für ihn klar, einen neuen Versuch starten zu wollen. Nach Absprache mit seinen Parteikollegen stellte die CDU kürzlich den Antrag, einen modernen Shuttleservice zwischen P+R-Platz am Krankenhaus, Landungsplatz und ZOB einzurichten – am besten in „Endlosschleife“.

Ulrich Krezdorn blickt aus seinem Büro in die Franziskanerstraße. Dort war in den sechziger Jahren das Kurbähnle unterwegs.
Ulrich Krezdorn blickt aus seinem Büro in die Münsterstraße. Dort war in den sechziger Jahren das Kurbähnle unterwegs. | Bild: Deck, Martin

Die Partei sieht viele Vorteile eines derartigen Mobils: Nach dem Wegfall zahlreicher Parkplätze in der Innenstadt, könne man den P+R-Platz ausbauen oder aufstocken, sagt Krezdorn. Die derzeit vorhanden Stellplätze in Überlingen reichten bei Weitem nicht aus. "Man muss den Menschen erlauben, auszusteigen." Außerdem könne der Shuttle zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt beitragen. Hierfür sei es wichtig, die Autofahrer bereits am Stadteingang abzufangen und mit einem Shuttle in die Altstadt zu bringen. "Das wäre auch eine Belebung der Einkaufstadt", sagt der Optiker. Außerdem dürfe man den sozialen Faktor nicht unterschätzen. "Dort entstehen viele Gespräche, die sonst nicht entstehen würden", sagt Krezdorn.

CDU: Attraktivität muss stimmen

Damit die Besucher ihre Autos auch tatsächlich am P+R-Platz stehen lassen, sei eine hohe Attraktivität des Shuttleservices Grundvoraussetzung. Nicht nur die Optik, sonder auch die Technik müsse besonders sein. Ein Bus mit Elektroantrieb, eine von der LGS GmbH angedachten Lösung für 2020, reiche da nicht aus, sagt Ulrich Krezdorn. Er wünsche sich ein Pilotprojekt. "Das wäre ein Aushängeschild für Überlingen", sagt der Stadtrat und zieht einen großgedachten Vergleich: "In Wuppertal fährt jeder mit der Schwebebahn." Außerdem müsse die Taktung stimmen: "So etwas muss, sage ich mal, idiotensicher sein."

Und wie sollen Anschaffung und Betrieb finanziert werden? Hierzu hat Krezdorn eine einfache Rechnung: "Man muss nur rechnen, was der Bau eines Parkplatzes in der Innenstadt kostet. Das sehen wir ja gerade beim Parkhaus Therme. Den P+R-Platz aufzustocken kostet da vermutlich gerade mal ein Drittel soviel." Außerdem gebe es bestimmt Fördergelder von Bund oder Land, wenn man sich für ein zukunftsweisendes Projekt entscheide.

OB Zeitler: Shuttle nur ein Teil der Lösung

Mit dem Vorstoß steht die CDU nicht alleine da. Auch die FDP hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für die Einführung eines modernen Kurbähnles ausgesprochen. Und die Stadt? Die gibt sich noch bedeckt: "Überlingen braucht ein vielfältiges Mobilitätskonzept. Die Idee eines Shuttleservices vom P+R-Platz in die Innenstadt kann ein Element einer umfassenderen Strategie sein", teilt Oberbürgermeister Jan Zeitler auf Anfrage mit. Allerdings reiche eine einzelne Lösung nicht aus: "Ich setze mich für eine Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität ein. Hierfür gibt es nicht nur eine richtige Maßnahme, ein Mobilitätskonzept muss daher einer eingehenden Prüfung standhalten."

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Den Vorschlag der CDU, den Shuttleservice, der für die Landesgartenschau kommen wird, anschließend weiterzunutzen, hat auch die Stadt auf dem Schirm: "Ein LGS-Shuttle wird keine Insellösung für 179 Tage sein, die völlig losgelöst vom städtischen ÖPNV installiert wird. Es wird Synergien in beiden Richtungen geben und die von der Landesgartenschau angestrebten modernen und umweltfreundlichen technischen Lösungen werden Impulsgeber für die Entwicklung des städtischen Nahverkehrs sein – zumal es möglicherweise auch bei den handelnden Akteuren Überschneidungen geben wird", schreibt die Stadt. Man sei optimistisch, eine gute und finanzierbare Lösung zu finden – und Fördergelder einzustreichen: "Diese Möglichkeit besteht ganz sicher, es gibt in dieser Hinsicht bereits intensive Überlegungen und Gespräche zwischen allen Beteiligten."

Planung bereits relativ weit

Auch LGS-Geschäftsführer Roland Leitner betont, dass die Planung hinsichtlich einer Shuttlelösung während der Gartenschau bereits relativ weit, eine endgültige Entscheidung aber noch nicht gefallen sei. Prinzipiell sei man nach wie vor offen für Ideen, "die LGS ist allerdings gemeinsam mit der Stadt und anderen Partnern schon auf einem wirklich sehr guten Weg. Da auch mit Dritten noch Verhandlungen anstehen, die auch einen entscheidenden wirtschaftlichen Hintergrund haben, bitten wir um Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details herausgeben können." Ulrich Krezdorn muss sich also vorerst weiterhin gedulden.