Denn der Personalwechsel auf dem Chefsessel im Rathaus liegt mitten zwischen dem Narrentag des Viererbunds in Rottweil (20. bis 22. Januar) und den diesjährigen Narrenkonzerten der Überlinger Zunft (10. bis 14. Februar). Ein Zeitpunkt, geradezu prädestiniert für eine Gratwanderung zwischen gebührender Seriosität und angemessenem Allefanz. Ja, kann ein gebürtiger Dortmunder, der in Ludwigsburg aufgewachsen ist, denn überhaupt Fastnacht?

In dieser hohen Überlinger Zeit selbst hat die karnevalserfahrene Kölnerin Becker stets eine gute Figur und gerne mitgemacht. Bei der Narrenzunft löste sie schon unmittelbar vor ihrem Amtsantritt mit einer Hütlinfahrt auf die Mainau, die später zur Wiederaufnahme einer 1603 erstmals dokumentierten Küchlinfahrt mutierte, sogar das Anknüpfen an eine alte Tradition in neuer Form aus. Bei der Premiere der Neuzeit ruderten die Narren am Sonntag, 1. Februar 2009, erstmals wieder zur Mainau, um die bei Hutdesignerin Diana Gräfin Bernadotte in Auftrag gegebene Kopfbedeckung für das weibliche Stadtoberhaupt persönlich abzuholen. Schon fünf Tage später durfte die Oberbürgermeisterin damit im Kursaal auf den Laufsteg.

Für den Neuen müssen die Narren zumindest nicht rudern. Ihm können sie am 10. Februar eine Stück von der Stange aufsetzen und sollten dies bald in Auftrag geben. Die Premiere des Narrenkonzerts wird schon zu den ersten öffentlichen Auftritten Zeitlers gehören. Zu den letzten offiziellen Amtshandlungen von Sabine Becker könnte dagegen der Narrentag in Rottweil gehören. Wenn auch er schon eine Einladung zum Viererbundtreffen bekommen würde, sagte Zeitler am Wahlabend, werde er sicher nicht nein sagen und diese gerne annehmen. Zur schonenden Gewöhnung an die nächste Stufe des Brauchtums, könnte man formulieren.

„Auch aus Horb kenne ich die Fastnacht schon und freue mich darauf“, sagt Jan Zeitler. Ob dieser Vergleich vor der hiesigen Narrenzunft standhält, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Die Konzerte werden‘s schon zeigen. Deren Bühnenaufbau und letzte Proben blockieren allerdings zu einem kritischen Zeitpunkt den Überlinger Kursaal und fordern nun die Verwaltung. Für die am Mittwoch, 8. Februar, anvisierte Amtseinführung muss die Stadt nach einer Alternative suchen. Dies mit dem Narrenkonzert zu kombinieren wäre zwar eine reizvolle Idee, würde der Würde des Ereignisses jedoch kaum gerecht.