Binnen drei Stunden wechseln an die 5000 Kleidungsstücke, Spielsachen und Kinderbücher den Besitzer. Längst ist die Kleiderbörse im Kursaal zwei Mal im Jahr zu einem Fixpunkt für Familien geworden, die abgelegte Teile einer sinnvollen Nutzung zuführen und selbst einen preiswerten Einkauf für ihre Sprösslinge tätigen wollen. "Wir achten auf die Qualität und nehmen nur gute Ware an", betont Cornelia Nagel, die die Kleiderbörse im Jahr 1992 ins Leben gerufen hat. Seitdem ist das Angebot in Überlingen nicht mehr wegzudenken. Mit einem zwölfköpfigen Organisationsteam hat sie auch die 50. Auflage für den kommenden Samstag vorbereitet und zu diesem Jubiläum Oberbürgermeister Jan Zeitler eingeladen, der mit der Schere den Verkauf freigeben wird.

"Wir öffnen immer um 9 Uhr", sagt Cornelia Nagel und weiß aus Erfahrung: "Um diese Uhrzeit stehen schon 100 Familien an der Tür Schlange." Denn jeder hofft auf das beste Schnäppchen auf einem der insgesamt fast hundert Tische, die am Tag zuvor schon aufgebaut und bestückt werden. "Wir brauchen dazu den ganzen Kurssaal und das Foyer", betont die Organisationschefin, die sich auf Michelle Prévot, Petra Franz und die anderen Mitstreiterinnen verlassen kann. Mittlerweile ist das Projekt logistisch perfekt durchorganisiert, von der Annahme der Kleider und Spielsachen über den Verkauf bis zur Rückgabe und Abrechnung.

Alle Kleidungsstücke werden auf Qualität hin geprüft und nach Größen sortiert.
Alle Kleidungsstücke werden auf Qualität hin geprüft und nach Größen sortiert. | Bild: Hanspeter Walter

Gemeinsamer Veranstalter waren schon immer der Kindergarten St. Angelus und der Familientreff Kunkelhaus, wobei die Hauptverantwortung regelmäßig wechselt. Hier rekrutiert das Team auch die notwendigen Helfer, damit alles in geordneten Bahnen abläuft. Die beiden Einrichtungen erhalten im Wechsel auch den Erlös aus der Riesenaktion, der aus einem 25-prozentigen Anteil vom erzielten Verkaufspreis zustande kommt. Rund 7500 Artikel kommen auf den Markt. Die Verkaufsnummern sind auf 180 limitiert, mehr lasse sich nicht bewältigen. Wer als Helfer mit von der Partie ist, wird bei der Vergabe bevorzugt. "Wenigstens die Hälfte wollen wir auch verkaufen", formuliert Cornelia Nagel die selbstgesteckte Zielvorgabe, "meistens sind es aber 55 bis 60 Prozent, die weggehen".

Das spielt sich alles binnen drei Stunden zwischen 9 und 12 Uhr ab, dann ist Schluss. Anschließend werden die nicht verkauften Objekte wieder rücksortiert und ab 16 Uhr findet schon die Rückgabe und die Auszahlung statt. Lange Zeit lief die ganze Logistik über Zettel und Verkaufslisten auf Papier ab. Inzwischen ist auch die Kleiderbörse in der digitalen Gegenwart angekommen. "Wir haben jetzt alle Listen im Computer, das vereinfacht vieles", erklärt Nagel. Auch auf Facebook ist die Kleiderbörse vertreten und kann darüber kontaktiert werden.

Ab 17 Uhr muss der Kursaal wieder aufgeräumt und geräumt werden. "Doch nach der Kleiderbörse ist vor der Kleiderbörse", betont die Organisationschefin. Im Oktober wird die 51. Auflage des Spektakels stattfinden, dann werden auch wieder Handschuhe und Mützen im Angebot sein. Manche Beteiligte erliegen regelrecht der Faszination dieser Megabörse. Durch Zufall zu dem Team gestoßen ist vor vielen Jahren Petra Franz aus Pfullendorf, als sie einmal etwas verkaufen wollte. "Petra Franz hat sonst gar keine Verbindung zu Überlingen", sagt Cornelia Nagel. "Doch sie hilft bei jeder Kleiderbörse engagiert mit."

Angesichts des riesigen Ansturms sind Taschen und Kinderwagen im Kursaal nicht zugelassen. Helferinnen haben auch ein wachsames Auge darauf, dass alles mit rechten Dingen zugeht, alles registriert und ordnungsgemäß abgerechnet wird.

 

Start war 1992

Die erste Überlinger Kleiderbörse fand im Dezember 1992 noch im Turnsaal des Kindergarten St. Angelus statt, die nächste folgte im Frühjahr 1993 in den alten Seeschulen. Seit dem 19. Oktober 1993 hat sich der Kursaal als Veranstaltungsort etabliert. Inzwischen ist die Überlinger Kleiderbörse zu einem Magnet für die ganze Region geworden. 25 Prozent des Umsatzes kommen einmal dem städtischen Kindergarten St. Angelus, einmal dem Familientreff zugute. Die nächste Kleiderbörse ist auf den 12./13. Oktober terminiert. Hier wird wieder die Winterausstattung im Vordergrund stehen.