Ein Ereignis schlägt Wellen. Unter anderem in der Flüchtlingsunterkunft in Goldbach hat das Landratsamt Bodenseekreis Brandschutzmaßnahmen durchgesetzt. Teppiche, Stühle, Schränke und andere brennbare Gegenstände landeten auf der Deponie. In einem offenen Brief an Landrat Lothar Wölfle haben jetzt Kirchenvertreter aus Überlingen und Umgebung ihrer Enttäuschung über diese Maßnahme Luft gemacht.


Unterschrieben ist der Brief von Pfarrerin Silvia Johannes und Dekanin Regine Klusmann, evangelische Kirchengemeinde Überlingen, Pfarrer Karl-Heinz Berger, katholische Seelsorgeeinheit Überlingen, Maria Gratia Rinderer, Ökumene Ausschuss, Pastor Rouven Bürkle, evangelisch methodistische Kirche, sowie Pfarrer Mathias Schmidt, evangelische Kirchengemeinde Salem. "Wir sind (...) betroffen vom Stil des Landratsamtes, wie die Brandschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Auch die Information, dass die entnommenen Gegenstände auf die Müllkippe geworfen werden, befremdet uns. Sicher haben die oft gespendeten Gegenstände keinen Zeitwert. Doch der Wert eines Gegenstandes bemisst sich an der Bedeutung und dem Nutzen für den Menschen, der ihn gebraucht. Wenn Menschen, weil sie so kulturell geprägt sind, auf dem Boden essen, ist ein Teppich das, was für uns ein Tisch ist. Und wenn ein Mensch gewohnt ist auf einem Teppich zu schlafen, dann ist er das, was für uns ein Bett ist", heißt es in dem offenen Brief bei aller Sorge "um die Sicherheit der bei uns untergebrachten Flüchtlinge".

Gefordert und gewünscht wird "ein differenziertes Umgehen mit den Menschen, hier in Sachen Brandschutz, um der Menschlichkeit willen". Robert Schwarz, Pressesprecher im Landratsamt Bodenseekreis, antwortet: "Viele unabhängige Stellen und Personen bestätigen uns immer wieder, dass der Bodenseekreis deutlich mehr und besser für die zu uns gekommenen Menschen sorgt, als das anderswo der Fall ist."

Immer wieder würden die Heimleiter die Bewohner darauf hinweisen, was geht und was nicht. Gleichzeitig räumt er ein: "Weil unser Fokus in den vergangenen Monaten ganz massiv auf der Unterbringung neu angekommener Menschen lag, hat die sofortige Durchsetzung dieser Regeln nicht immer funktioniert. Das hat in einigen Fällen zu einer Eigendynamik bei der eigenhändigen Zimmerausstattung geführt und auch zu gefühlten Besitzständen." Die Bewohner seien auch über den anstehenden Kontrolldurchgang informiert und gebeten worden, die Sachen zu entsorgen, zu verkaufen oder einzulagern. "Wir führen diese Kontrollen regelmäßig in allen unseren Unterkünften durch. Es wurde bisher aber noch nie so zum Problem gemacht, wie das jetzt in Überlingen der Fall ist", berichtet Schwarz. Die Heimleiter und die Hausmeister hätten dort am Montag bereits eine gereizte Stimmung vorgefunden. "Wir werden das Thema aber nichtsdestotrotz in den nächsten Tagen intern noch mal auswerten, und uns überlegen, was wir besser oder anders machen können", so Schwarz.