Eine Erkrankung durch Meningokokken ist in Deutschland selten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) treten jährlich weniger als 0,5 Fälle pro 100 000 Einwohner auf. Es ist daher auffällig, dass es allein im Januar zu gleich zwei Todesfällen im Bodenseekreis gekommen ist, die auf das Bakterium zurückzuführen sind. Ärzte sehen aber keinen Grund für Panik, raten dennoch zu entsprechenden Impfungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Zwölf Varianten bekannt

Laut Robert-Koch-Institut gibt es insgesamt zwölf Variationen – sogenannte Serogruppen – des Meningokokken-Bakteriums. Der Unterschied liegt in der Beschaffenheit der Oberfläche des Bakteriums. Jede Variation wird deshalb von unterschiedlichen Antikörpern erkannt. In Deutschland treten am häufigsten die Gruppen B und C auf. Gegen beide Variationen gibt es Impfstoffe. Aber nur die Impfung gegen Meningokokken C wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) für alle Kinder im zweiten Lebensjahr empfohlen.

Eine Impfempfehlung für die Serogruppe B liegt hingegen laut RKI nur für "Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko", zum Beispiel Personen, bei denen das Immunsystem durch spezielle Defekte geschwächt sind, vor. Eine Impfung zahlt deswegen auch nicht jede Krankenkasse. Bei den beiden jüngsten Todesfälle in der Region – einem Erwachsenen in Überlingen und einem Jugendlichen in Tettnang – handelte es sich nach Auskunft von Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Bodenseekreis, jeweils um die Variante B. Gut zwei Dritteln der Krankheitsfälle in Deutschland liegt diese Variante zugrunde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kinderärzte raten zur Impfung

Julius Kitt, Kinderarzt aus Überlingen, rät zur Immunisierung. "Der Impfschutz gegen Meningokokken ist unabdingbar", sagt er und führt eine "der größten Erfolge der Impfgeschichte der letzten Jahrzehnte" ins Feld. Bis 1988 seien in der Bundesrepublik jährlich rund 1600 Säuglinge an einer Form von schwerster Gehirnhautentzündung erkrankt. Bei einem Drittel verlief die Krankheit laut Angaben des Kinderarztes tödlich, ein Drittel blieb lebenslang schwerbehindert. Doch seit gegen den Erreger geimpft werden kann, sei "diese Erkrankung so gut wie verschwunden."

Das könnte Sie auch interessieren

Auch der Überlinger Kinderarzt Stephen Keller spricht sich eindeutig für die Impfung gegen den Typ B aus. "Ich empfehle sie in meiner Praxis", sagt er. Er habe auch bereits Patienten gegen Meningokokken B geimpft und der Impfstoff sei gut vertragen worden. Der Mediziner würde es zudem begrüßen, wenn die Stiko eine Impfempfehlung auch für Typ B aussprechen würde. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Stiko so lange braucht", sagt er.